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von Redaktion

Die Oscar-Verleihung setzt wie 2018 ein Zeichen gegen Donald Trumps Einwanderungspolitik

VON KATJA KRAFT

Da kann er so viele Steine auftürmen, wie er will – es gibt etwas, das jede Mauer überwindet. „El Ingenio“ und „El Talento“, Witz und Talent. Diese Nachricht geht direkt an Donald Trump: „No hay fronteras, no hay muros que frenen el ingenio y el talento“, verkündet Schauspieler Javier Bardem am Sonntag auf der Oscar-Bühne. Und damit der Adressat dieser Botschaft sie auch ganz gewiss versteht, folgt die englische Übersetzung gleich dazu: „There are no Borders or Walls that can restrain Ingenuity and Talent’“ – es gibt keine Grenzen, keine Mauern, die Einfallsreichtum und Talent aufhalten können.

Einen Tag vor der Oscarverleihung hatte der US-Präsident den Anti-Preis Goldene Himbeere für seine unfreiwilligen Auftritte in den Dokumentarfilmen „Fahrenheit 11/9“ und „Death of a Nation“ erhalten. Nun gab’s verbale Tomaten und faule Eier obendrauf. Dieser Abend war wenig Show, stattdessen viel Abrechnung mit Rassisten, Homophoben, Chauvinisten. Kaum eine Dankesrede, in der nicht für Humanität und Respekt einem jeden gegenüber plädiert wurde. Und das nicht ohne Grund ziemlich häufig auf Spanisch.

Der Mexikaner Guillermo del Toro, mit „Shape of Water“ großer Abräumer im vergangenen Jahr, kommt angeschlagen zu den Awards. Doch diesen Moment möchte er sich von keinem Grippevirus dieser Welt nehmen lassen: Er darf den begehrten Umschlag öffnen, in dem der Name des Siegers in der Kategorie „Beste Regie“ steckt. Er müsste ihn gar nicht vorlesen, sein glückliches Lächeln verrät ihn. „Diesen Namen kann ich aussprechen“, scherzt er – um dann seinen Landsmann Alfonso Cuarón als Preisträger auszurufen. Sekundenlang liegen sich die beiden Männer in den Armen. Es ist der dritte Oscar an diesem Abend für den zehnfach nominierten „Roma“. Jenen Film, der vorab für reichlich Wirbel sorgte. Er erzählt von dem Fronleichnamsmassaker 1971 in Mexiko-Stadt, überhaupt von dieser Zeit in dem südamerikanischen Land mit der immer präsenten Gewalt auf den Straßen. Und ist produziert von Netflix – der Streamingdienst wird ein immer gewaltigerer Konkurrent von Hollywood (s. Kommentar S. 2).

Weil Netflix Mut beweist. Mit „Period. End of Sentence.“ brachte er einen weiteren außergewöhnlichen Film heraus. „Ich weine nicht, weil ich meine Tage habe. Ich weine, weil ich einfach nicht glauben kann, dass ein Film über Menstruation gerade einen Oscar gewonnen hat!“, ruft eine völlig überwältigte Rayka Zehtabchi ins Mikrofon. Sie und Melissa Berton zeichnen verantwortlich für den Dokumentar-Kurzfilm, der ein starkes Signal für Frauenrechte setzt.

Solch eine starke Frau muss auch die Großmutter von Mahershala Ali gewesen sein. Er, ausgezeichnet als bester Nebendarsteller in „Green Book“, dankt ihr, ihn immer zu Höchstleistungen motiviert zu haben. „Sie ermutigte mich, es immer und immer wieder zu versuchen, niemals aufzugeben.“ Überhaupt geht es viel um Durchhalten und Kampfgeist an diesem Abend. Der amerikanische Traum, dass es jeder schaffen kann – in der Traumfabrik Hollywood ist man daraus noch nicht erwacht.

Besonders eindrücklich erinnert Lady Gaga daran, nachdem sie für ihren Song „Shallow“ ausgezeichnet wurde. „Es geht darum, immer wieder aufzustehen. Egal, wie oft man fällt!“ Ein Appell auch und gerade an die weiblichen Zuschauer. Noch immer sind Frauen bei den Nominierungen in der Unterzahl, in der Königsdisziplin „Beste Regie“ kommen sie in diesem Jahr wieder einmal gar nicht vor. Dafür in fast jeder Dankesrede. Sind sie also noch immer vor allem die „Rücken-Freihalter“ der Männer im Rampenlicht? Gegen dieses Bild strahlen erfrischend hell Powerladys wie Zehtabchi, „Free Solo“-Regisseurin Elizabeth Chai Vasarhelyi oder „Bao“-Regisseurin Domee Shi. Letztere, ausgezeichnet für den besten animierten Kurzfilm, ermuntert die Zuschauerinnen: „An all die Mädels da draußen, die sich hinter ihren Zeichenbüchern verstecken: Seid mutig, eure Geschichten zu erzählen!“

Rami Malek erzählt in „Bohemian Rhapsody“ zwar nicht seine eigene Geschichte, erkennt aber bei sich selbst viele Parallelen zu Freddie Mercury, den er in dem vierfach prämierten Musik-Drama spielt. „Wir haben einen Film über einen schwulen Migranten gemacht. Auch ich bin Migrant. Auch ich habe ein Kind in mir, das seine Identität erst finden musste.“ Vermutlich wird Donald Trump hier nicht zugehört haben. Man sollte ihm Maleks Rede zum Nachhören schicken. Ist es doch auch ein Dank an das Land, das seine ägyptischen Vorfahren aufgenommen hat. „Ich könnte nicht dankbarer sein für all die Möglichkeiten, die sich mir hier eröffnet haben.“ Über alle Grenzen, Sprachbarrieren und Vorurteile hinweg.

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