Wie Nina Eichinger ihren Vater erlebte …

von Redaktion

Ich vermisse meinen Vater, und ich glaube, viele andere auch. Denn er war nicht nur für mich der doppelte Boden. Aufhebens machte er nicht davon. Ganz im Gegenteil: Er dementierte lieber, geholfen zu haben. Und obwohl er so ein Fels in der Brandung für viele war, hatte er doch wenige enge Freunde. Er zog sich privat gerne zurück. Aber wenn man mal zur „Familie“ gehörte, konnte man sich 100-prozentig auf ihn verlassen. In der Branche, bei seinen Mitarbeitern und seinem Team hatte er den Ruf, hart, aber fair zu sein. Er forderte von sich und von anderen immer sehr viel und konnte ungehalten werden, wenn er das Gefühl hatte, dass die anderen nicht voll dabei waren. Andererseits dankte er einem Engagement mit großer Treue, Beständigkeit und Großzügigkeit – don’t change a winning team. Er war ehrlich, gradlinig, mutig, neugierig, bodenständig, stark, kreativ, großherzig und manchmal kompromisslos. Er war oft sehr direkt, hat offen seine Meinung gesagt. Das mag mir und vielen anderen nicht immer gefallen haben, am Ende hat er einen zum Nachdenken und damit oft weitergebracht. Für mich war immer unglaublich, wie sehr er seinem eigenen Bauchgefühl vertraute und folgte. Er glaubte fest daran, dass man immer Erfolg hat, wenn man mit ganzem Herzen das tut, was man liebt, da man dann auch gut darin ist. Er war Filmemacher aus ganzem Herzen. Er liebte es, Geschichten zu hören oder zu lesen und vor allem, sie auf der Leinwand zu erzählen. Ich glaube, bei einer Geschichte, die ihn berührte, hatte er oft direkt eine ganz klare Vorstellung vor seinem inneren Auge. Während der Vorbereitung und beim Dreh lebte er komplett in der Geschichte. Die große Erlösung kam dann, wenn der Film am Ende so wurde, wie er es sich vorgestellt hatte. Doch folgte oft gleich danach das große Zittern, wie andere seine „Vision“ wahrnehmen würden. Und ja, böse Kritiken verletzten ihn. Das war ein wunder Punkt. Da war er empfindlich. Er suchte nicht das Risiko, fand sich aber immer wieder in der Situation, dass er große Risiken eingehen musste, um sich selbst treu zu bleiben. Er sagte selber einmal, dass er ungern die letzte Karte spielt. Ironischerweise musste er es aber oft tun, um seinen Weg zu gehen. Er ist für mich ein großes Vorbild und es ist schön zu wissen, dass ich da nicht allein bin und er in vielen Herzen durch seine Filme und seine Worte weiterlebt.

NINA EICHINGER

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