„Sie war der strahlende Mittelpunkt“

von Redaktion

Constantin-Chef Martin Moszkowicz über die legendären Partys mit Hannelore Elsner

VON ULRIKE SCHMIDT UND TERESA WINTER

Der Schock sitzt immer noch tief. Dass Hannelore Elsner schwer erkrankt war, wussten Freunde und Bekannte zwar seit knapp zwei Wochen, wie ernst es wirklich um die Schauspielerin stand, war vielen aber nicht bewusst. Um so größer war der Schmerz, als sie vom plötzlichen Krebstod des Kinostars erfahren haben. Elsner starb am Ostersonntag im Alter von 76 Jahren im Münchner Isarklinikum. Kaum ein anderer Film- und Fernsehstar hatte so viele Facetten wie Hannelore Elsner. In einer dreiteiligen Serie blickt unsere Zeitung auf ihr Leben zurück.

Dieses Bild bleibt unvergessen! Auch 20 Jahre später erinnern sich noch alle daran. An diese legendäre Filmballnacht 1989, in der Filmproduzent Bernd Eichinger († 61) Champagner aus Hannelore Elsners sexy Stiletto schlürfte. Überhaupt durfte die Film-Diva bei keiner Party fehlen. Denn keine flirtete so erfrischend wie sie, keine tanzte so sinnlich wie sie, und keine küsste sich so lustvoll durch die Nacht – von einem Freund zum anderen.

„Sie war der natürliche und strahlende Mittelpunkt jeder Gesellschaft“, erzählt Constantin-Vorstandschef Martin Moszkowicz (60). Viele Jahre saß er neben Elsner beim Filmball am Tisch der Constantin Film. Half ihr hoch, wenn sie wieder mal den Tisch für einen kleinen Tanz vor den Fotografen besteigen wollte, oder schirmte sie ab, wenn sie sich in Ruhe mit Kollegen austauschte. Ja, am Constantin-Tisch fühlte sich Elsner wohl. Auch, weil sie in den 80er-Jahren vier Jahre lang mit dem damaligen Constantin-Boss Bernd Eichinger liiert war und weil viele ihrer Filme im Verleih der Constantin waren. Eine Freundschaft, die ewig währte. Umso trauriger waren alle, wenn Hannelore Elsner einmal nicht zum Filmball kommen konnte, so wie in diesem Jahr. „Sie war eben immer das Zentrum der Aufmerksamkeit. Ein Filmstar, der spielte und sich inszenierte“, so Moszkowicz weiter. Er als Gastgeber habe Elsners betörende Gesellschaft stets genossen. „Es gibt halt auch ganz wenige Schauspielerinnen, die über so viele Jahrzehnte in ganz unterschiedlichen Bereichen der deutschen Film- und Fernsehwelt dabei waren, das ist außergewöhnlich.“

So wie ihre Auftritte. Wenn Hannelore Elsner kam, standen alle Fotografen parat. Die Schauspielerin genoss ihren Auftritt. Sie posierte stolz, ließ sich gerne ablichten, wollte unbedingt gesehen werden. Das weiß auch Martin Moszkowicz. Der Constantin-Chef selbst hat Hannelore Elsner zum letzten Mal bei der Filmpremiere von Doris Dörries (63) „Kirschblüten und Dämonen“ erlebt, fröhlich, lachend, „sie war großartig, wie immer“. Obwohl sie und die engsten Vertrauten um ihre Krebserkrankung wussten. Sie hat ihre Sorgen einfach weggespielt. Das konnte sie!

Wie in ihren Filmen eben auch. Nur zur Party nach der Premieren-Vorführung blieb sie damals nicht. Das war ungewöhnlich. Zeigte sich Hannelore Elsner doch eigentlich immer so gerne beim Feiern im Scheinwerferlicht. Dort strahlte sie, gab sich charismatisch, selbstbewusst, temperamentvoll und immer gut gelaunt. Sie stöckelte auch mal über den Tisch zu ihrem Platz, wenn es sein musste, oder trank selbst aus einem Stöckelschuh ihrer jungen Kollegin, um sich gemeinsam an ihre berühmte Schampus-Schuhszene mit Bernd Eichinger zu erinnern. Egal, wann und wo, Elsner hatte Spaß – nicht nur bei Partys, sondern auch beim Dreh. „Die Arbeit mit Hannelore war immer faszinierend über all die Jahre: Sie war extrem fordernd und hat sich immer ganz tief, bis zur Selbstaufgabe auf die Rollen eingelassen. Das war toll“, schwärmt Moszkowicz.

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