Was für eine schöne Erinnerung an die große Margot Hielscher († 97) Ihr Neffe Peter von Schall-Riaucour (58) hat jetzt den Margot-Hielscher-Filmpreis ins Leben gerufen. Bereits beim kommenden Münchner Filmfest (27. Juni bis 6. Juli) wird der Preis an einen Nachwuchsschauspieler verliehen. „Tantchen würde jubilieren und ich bin sicher, sie schaut vom Himmel aus zu“, sagt Schall-Riaucour, der ein enges Verhältnis zu der Schwester seiner Mutter hatte.
Als Hielscher 2017 in München starb, hinterließ sie ihm Unmengen an persönlichen Erinnerungen – fantastische Roben von ihren Bühnenauftritten, Briefe, darunter auch zahlreiche Liebesbriefe von Herbert von Karajan, Bilder, Fotos, Manuskripte von Hielschers berühmten Freunden, wie Leonard Bernstein, der in der Bogenhausener Villa ein- und ausging. „Ihm musste sie immer Kartoffelsuppe kochen“, erinnert sich Schall-Riaucour. Doch nicht die Kochkünste waren es, die die 1919 in Berlin geborene Künstlerin so einzigartig machten. Sie war als Schauspielerin wie als Sängerin gleichermaßen begabt, vertrat Deutschland sogar zweimal (1957 und 1958) beim Grand Prix Eurovision de la Chanson, dem späteren ESC. Sie hatte sogar eine eigene Talkshow: Bei „Zu Gast bei Margot Hielscher“ empfing sie 700 Prominente, darunter auch Romy Schneider. Ein Multitalent und einer der größten Ufa-Stars mit einer beachtlichen Filmografie, darunter „Hallo Fräulein“, bei dem sie auch ihren späteren Ehemann, den Filmkomponisten Friedrich Meyer kennenlernte.
„Ich möchte, dass ihr Name und ihr Werk in Erinnerung bleiben“, sagt Schall-Riaucour, der den mit 10 000 Euro dotierten Preis auch stiftet. Er kennt Margot Hielscher Leben und Karriere wie kein Zweiter. „Ich weiß auch, dass ihr die Nazis und besonders Joseph Goebbels Avancen gemacht haben. Doch sie hat sich nie damit gemein gemacht. Gleich 1945 ist sie dann bei den Amerikanern in Berlin aufgetreten“, so Schall-Riaucour, der sich seit Hielschers Tod, zusammen mit seiner Mutter Anita (97), um Erbe und Andenken kümmert. „Das schönste, was mir persönlich Tantchen hinterlassen hat, ist die Freundschaft mit Christian Ude“, so Schall-Riaucour. Ihn konnte er auch für die Preisverleihung am 3. Juli gewinnen, bei der auch die Kessler-Zwillinge auftreten. MARIA ZSOLNAY