„Jeder von uns sollte Solidarität zeigen“

von Redaktion

INTERVIEW Vereinschefin Lydia Staltner ist für den Deutschen Engagementpreis nominiert

Lydia Staltner, Gründerin und Vorsitzende des Vereins „Lichtblick Seniorenhilfe“, ist für den Deutschen Engagementpreis nominiert. Seit vielen Jahren kümmert sich ihr Verein um Rentner in Not, vor allem in Oberbayern Ein Interview zu einem Thema, das uns alle angeht.

Sie sind nominiert für den Deutschen Engagementpreis – was bedeutet das für Sie?

Die Nominierung war eine unglaubliche Überraschung für mich und unseren Verein. Seit mehr als 15 Jahren bekommen wir bei Lichtblick Seniorenhilfe Tag für Tag Schicksale von armen Rentnern mit – Menschen, die ein Leben lang gearbeitet haben und deren Rente trotzdem nicht für das Nötigste reicht. Wir wollen nicht wegschauen. Man darf so etwas nicht einfach hinnehmen! Dass wir jetzt für diesen Preis vorgeschlagen wurden, ist eine Wertschätzung unserer Arbeit. Und das motiviert uns: Wir wollen noch mehr bewegen und auch in Zukunft für bedürftige Senioren da sein!

Ganz konkret: Warum ist das Engagement für ältere Menschen so wichtig?

Wenn es um Spenden geht, werden ältere Menschen oft noch vergessen – dabei waren sie es doch, die dieses Land wieder aufgebaut haben, die maßgeblich an unserem heutigen Wohlstand beteiligt waren! Diese Lebensleistung muss gesehen und auch gewürdigt werden. Es ist wirklich eine Schande, dass es heute Rentner gibt, die hungern müssen. Mit unserem Engagement helfen wir nicht nur in der Not, sondern geben diesen Menschen auch ein Stück ihrer Würde zurück.

Altersarmut ist ja kein unbekanntes Thema mehr …

Selbst wenn dieses Thema in den vergangenen Jahren stärker in den Fokus der Politik und auch der Gesellschaft gerückt ist, ist doch noch viel Aufklärung notwendig. Viele Menschen verstehen nicht, was Altersarmut für Ältere bedeutet – aber wir sehen es jeden Tag! Jede Berichterstattung und jede Auszeichnung schaffen Aufmerksamkeit. Denn sie signalisiert: „Da haben Leute geholfen, die mit viel Herzblut und viel Engagement an die Sache rangehen.“

Wie sieht die Zukunft für die Lichtblick-Rentner aus?

Altersarmut entsteht ja in der Lebensphase, bevor man ins Rentenalter kommt. Hier muss sich also grundsätzlich etwas ändern, und das möglichst schnell – es gibt ja Berufe, etwa Verkäufer oder Altenpfleger, die später mit einer deutlich höheren Wahrscheinlichkeit in eine solche Notsituation führen. Das kann nicht sein! Wir als Verein können nur weiterhin jeden Tag für unsere Senioren da sein und ihre Not lindern, sie aus der Einsamkeit rausholen, ihnen wenigstens ein bisschen Lebensfreude und Würde schenken.

Was kann die Gesellschaft, was kann jeder von uns tun, damit es nicht immer mehr ältere Menschen in Not gibt?

Natürlich wäre es toll, wenn jeder die finanziellen Möglichkeiten hätte, fürs Alter vorzusorgen. Aber wir alle wissen, das ist weit weg von der Realität. Dennoch kann jeder von uns anfangen, auf den anderen zu schauen, sich um seine Mitmenschen zu kümmern, Solidarität zu zeigen! Auch kleine Gesten zählen viel, etwa der älteren Nachbarin den Einkauf rauftragen. Ein Miteinander statt ein Gegeneinander ist viel wert. Und jeder von uns kann sich dazu bewusst entscheiden.

Interview: Barbara Nazarewska

Stimmen Sie online ab!

Der Deutsche Engagementpreis wird an Einzelpersonen, gemeinnützige Organisationen sowie Initiativen, Unternehmen und Öffentliche Verwaltungen vergeben, die sich durch besonderen Einsatz auszeichnen. Eine Fachjury wählt die Preisträger aus. In fünf unterschiedlichen Kategorien werden jeweils 5000 Euro vergeben. Zudem haben die Nominierten die Chance auf den Publikumspreis und damit ein Preisgeld von 10 000 Euro. Ab heute, 12. September, bis zum 24. Oktober können auch Sie, liebe Leserinnen und Leser, für den Verein Lichtblick Seniorenhilfe online abstimmen, unter: www.deutscher- engagementpreis.de

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