Der große Auftritt? Ist ihre Sache nicht. Gertrud Ponater nimmt zum Fest ihres 100. Geburtstags den Seiteneingang im Bayerischen Hof und flugs geht’s hinunter ins Trader Vic’s. Dort warten schon ihre Familie und ihre engsten Freunde – gefeiert wird eine Legende: Geboren 1919 in München und aufgewachsen in Thalkirchen, hat Gertrud Ponater nach dem Zweiten Weltkrieg mit ihrem Modehaus „Ponater Modelle“ Münchner Modegeschichte geschrieben. Sie gilt als die Erste, die internationalen Chic an die Isar holte – mit Kreationen von Christian Dior und Valentino sowie mit ihrer eigenen Kollektion für die Frau von Welt. Die Adresse ihres Geschäfts war so exklusiv wie sein Sortiment: im Preysing-Palais. In dem Rokoko-Stadtpalast gaben sich modebewusste Damen aus bester Gesellschaft bei Ponater die Klinke in die Hand. Heute sind dort übrigens Talbot Runhof eingezogen.
Den Grundstein für das Unternehmen legte Gertruds Mann Otto Koloman Ponater bereits 1922 mit der Eröffnung seines Herrenmodensalons in der Neuhauser Straße. Nach einem Umzug ins pompöse Bernheimer-Haus nahm man schließlich auch Damenmode ins Programm. Der Name Ponater avancierte zum Synonym für guten Stil. Als Otto Ponater 1951 an einem Schlaganfall starb, musste sich seine Frau, inzwischen Mutter von drei Kindern, allein durchkämpfen. „Es ist mir, Gott sei Dank, alles geglückt“, sagt sie rückblickend mit einem Lächeln. „Vieles in meinem Leben war wirklich besonders.“ Es sei Gertrud Ponater verziehen, dass sie sich mit 100 Jahren und inmitten des Trubels ihrer Geburtstagssause nicht mehr an alle Namen erinnern kann, die bei ihr einkauften, doch angesichts von Preisen bis zu 20 000 Mark für ein Kleid, dürften sie mehrheitlich von illustrer Natur gewesen sein.
Wer den Namen Ponater kennt, assoziiert damit Haute Couture. So schwärmt auch Uschi Dämmrich von Luttitz in Bezug auf das Familienunternehmen von hoher Schneiderkunst und den Modenschauen des Hauses als „gesellschaftliches Ereignis im Namen der Couture“. Die Fernsehmoderatorin ist eng mit Marina Ponater-Meggle befreundet, die die Leitung des Geschäfts in den Neunzigerjahren von ihrer Mutter übernommen hatte (2002 gab sie das Geschäft auf). Auch sie, die später Butter-König Toni Meggle heiratete, verfügt über ein exzellentes Modegespür. Besonders der europäische Hochadel wusste ihren Geschmack und ihre Diskretion zu schätzen.
PR-Lady Ursula Prinzessin zu Hohenlohe hat ebenfalls gerne bei Ponater geshoppt: „Für den Abend hat man hier immer etwas Passendes gefunden“, erinnert sie sich. Der Glamour-Faktor der Ära Ponater lässt sich an diesem Abend nicht nur an der Gästeliste ablesen, sondern auch an Gertrud Ponaters signalrotem Blazer: zugeschnitten aus Seide und zweireihig mit Kristallknöpfen besetzt, die in Paris angefertigt wurden. Eine Eigenkreation der Matriarchin. „Ein echter Ponater“, wie sie sagt. Das gute Stück ist mindestens 20 Jahre alt, sitzt perfekt und wirkt kein bisschen altbacken. Ebenfalls dabei: Bayerische-Hof-Chefin Innegrit Volkhardt, die Gertrud einen riesigen Rosenstrauß überreichte, und ihr Leibarzt Dr. Dominique Malouvier.