Peter Maffay ist nicht nur Sänger und Musiker, sondern will mit seiner Stiftung auch Schutzräume für benachteiligte Kinder und Jugendliche schaffen. Und dies vorwiegend auf seinem Bio-Landwirtschaftsbetrieb Gut Dietlhofen in Weilheim in Oberbayern. Das Landgut ist ein persönlicher Rückzugsort des 70-Jährigen und hat den Künstler zu seinem neuen Buch „Hier und Jetzt“ inspiriert, das am 31. Januar erscheint.
1982 erschien mit „Lieber Gott“ das erste Mal ein Lied, in dem Sie bewusst Bezug auf Ihren Glauben nehmen, aktuell wieder in „Größer als wir“. Warum ist Glaube immer wieder ein Thema für Sie?
Der Glaube spielt eine große Rolle in meinem Leben. Er ist wie ein Leuchtturm, eine Orientierungshilfe. Es gibt natürlich auch Menschen, Umstände und Erlebnisse, die mich bewegen und beeinflussen, aber über allem steht eine höhere Instanz: Gott.
Wie schaffen Sie sich während Ihrer Tourneen Oasen für spirituelle Momente?
Ich gehe immer und überall in Kirchen, gerne auch, wenn wir auf einer Tour sind. Auf diese Weise habe ich schon eine Vielzahl schöner Kapellen und Kirchen kennengelernt.
Zum 70. Geburtstag haben Sie eine Kapelle geschenkt bekommen. Wie viel Zeit verbringen Sie darin?
Zu wenig! Aber oft, wenn ich auf Gut Dietlhofen bin, unternehme ich den kurzen Spaziergang dorthin. Sie ist ein wunderschöner Ort, um innere Einkehr oder Zwiesprache mit Gott zu halten.
Sie erwähnen Ihren Bau einer Kapelle auf Mallorca, bei dem Muslime zwar geholfen haben, nun aber nicht mehr hineingehen. Wie weit sind wir im interreligiösen Dialog?
Das ist ein Prozess, der seine Zeit braucht. Es gibt viele ermutigende Zeichen. Interreligiöse Fakultäten an Hochschulen oder interreligiöse Kirchenführungen. Ich halte viel von Verständnis und Toleranz, aber wenig davon, wenn wir das St. Martinsfest in „Lichterfest“ umbenennen. Ebenso wenig, wie man das von uns Christen einfordern darf, erwarte oder verlange ich, dass unsere muslimischen Mitarbeiter in Spanien das christliche Gotteshaus betreten, das wir gemeinsam gebaut haben. Jeder darf selber entscheiden, wie weit er sich auf den Glauben des Anderen einlassen und daran teilhaben möchte. Alles andere ist dem wechselseitigen Respekt nicht dienlich.
Die Mehrheit der Bundesbürger blickt mit Sorge in die Zukunft. Sie haben zwei junge Kinder. Plagt Sie Sorge oder überwiegt die Zuversicht?
Es vergeht ja kaum ein Tag, an dem nicht irgendwo neue Konflikte ausbrechen. Wir haben Erosionen, die in dieser Form noch nie dagewesen sind. Es gibt Terrorismus, Separatismus, Links- und Rechtsradikalismus, Fanatismus. Wir haben mit Politikern wie Trump, Putin, Erdogan Staatsmänner an der Macht, deren Handlungsweise kaum ein Mensch mehr versteht. Man kann gar nicht in wenigen Worten aufzählen, wo es überall brennt.
Trotzdem bin ich kein Pessimist. Das kann ich mir gar nicht leisten. Unsere Stiftung existiert nun 20 Jahre, das ist eine lange Zeit. Uns besuchen jedes Jahr 1500 bis 2000 Kinder, denen es nicht gut geht. Sie kommen aus Krisengebieten, aus schwierigen familiären Verhältnissen, haben ihre Eltern verloren oder sind krank. Sie stehen am Rand der Gesellschaft und mahnen uns, dass wir für eine bessere Welt arbeiten. Jeden Tag.
Meine kleine Tochter ist etwas mehr als ein Jahr alt, mein Sohn ist 16. Ihnen bin ich natürlich ganz besonders verpflichtet. Ich hoffe, dass sie und alle Kinder in eine Welt hineinwachsen, die noch einigermaßen intakt ist.