Ampfinger Sommerabende

Eine Stimme mit Patina

von Redaktion

Gaynel Hodge, Gründungsmitglied der amerikanischen Band „The Platters“, klingt immer noch gut

Ampfing – Er setzt sich einfach ans elektrische Piano und spielt und singt dieses Lied, das ein Welthit ist: „Only you“. Gaynel Hodge, Gründungsmitglied der amerikanischen Band „The Platters“, hat es, seit es 1954 geschrieben wurde, bestimmt unzählige Male gesungen. Der 80-Jährige legt aber so viel Gefühl und Soul in diesen Song, dass das Publikum in Ampfing ganz still wird.

Zwei Mal spielte Gaynel Hodge dieses Lied am Sonntag. Einmal mit Band als seinen ersten Song. Die „Shades of Soul“ hatten an diesem letzten der Ampfinger Sommerabende 2017 schon über sieben Cover-Songs hinweg die Schulturnhalle langsam zum Tanzen oder zumindest Klatschen gebracht. „Only you“ ist eben das Lied, das man wohl von ihm erwartet. Es ist schön; die Band – wie den ganzen Abend – hörenswert. Aber es war die zweite Version, nur Hodge am Piano, die berührte. Da ist diese Stimme, die nicht mehr ganz jung klingt. Nicht mehr so strahlend klar. Aber gerade in den Tiefen so stark. Eine Stimme mit Patina.

Noch einen Song der Platters kennt man: „The great pretender“. Der nicht gerade große Mann im schwarzen Anzug und weißen Hemd brachte mit ihm ein Paar dazu, vorne bei der Bühne Standard zu tanzen. Das ist übrigens eine der Stärken der Ampfinger Sommerabende: Manch eine Konzert-Konvention ist hier außer Kraft. Dafür dauerte es aber auch bis zum dritten Song, „I’m coming out“ von Diana Ross, und es brauchte eine halb-strenge Drohung von Sängerin Indra Wahl, bald die Sitze im Saal wegzunehmen, bis die meisten im Saal standen. Nach der Aufforderung trauten sich die Zuhörer dann aber langsam immer mehr.

Hodge erzählte zu einigen anderen Songs des Abends etwas. Den Platinum-Hit „Earth angel“ der Temptations hat er mitgeschrieben. Jonny „Guitar“ Watson sei ein guter Freund von ihm gewesen. Die Band spielte mit Hodge zusammen eine echt funkige Nummer des Musikers. Als Hodge mit Douglas Weaden „Soulman“ performte, war das eine der Nummern, bei der das Publikum am meisten mitging.

Nicht nur den Anfang, sondern auch das Ende des Abends übernahmen die „Shades of Soul“ dann wieder ohne Gaynel Hodge. Jede Cover-Band muss gegen das Original in den Köpfen ihres Publikums anspielen. Und fast alle Lieder, die diese Band an diesem Abend spielte, sind zwar wahre Knaller, aber auch wirklich anspruchsvoll. Bei „Superstition“ von Stevie Wonder beispielsweise fragt man sich kurz, warum sich die Musiker das antun. Aber dann hört man: Sie können es, haben Spaß und die Zuhörer auch. Michael Jacksons „Billie Jean“ oder „Bad“ funktionieren ebenfalls – was den Gesang und den Moonwalk auf der Bühne betrifft.

Auch wenn viele im Publikum hauptsächlich wegen Gaynel Hodge gekommen waren, dürften sie die Band „Shades of Soul“ in Erinnerung behalten. Saxofon- und Gitarren-Soli bekamen auch entsprechenden Applaus. Und Sängerin Indira Wahl hatte irgendwie einen Draht zum Ampfinger Publikum. Sie schien verstanden zu haben, dass das Publikum dann aufsteht, wenn man es drum bittet – und dann auch stehenbleibt, weil die Musik nichts anderes zulässt.

Mit Gloria Gaynors „Never can say goodbye“ riss sie wirklich fast alle von den Stühlen. Am Ende forderten die Zuhörer enthusiastisch eine Zugabe von den „Shades of Soul“. Gaynel Hodge kam auch noch mal auf die Bühne, spielte allein „Goodnight my love“ – wenn das kein charmanter Rausschmeißer war.

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