Letzte Ausstellung im „Raum03“

Spannung bis zum Schluss

von Redaktion

Christine Löw und Kerstin Gemander machen am Stadtplatz 36 das Licht aus – mit vielen Gegensätzen

Mühldorf – Raum 03, fünfter und letzter Streich. Schade. Denn die Ausstellungsreihe in der kleinen Galerie am Stadtplatz 36 ist eine Bereicherung für die Mühldorfer Altstadt. Die Kunst war in den letzten Monaten plötzlich mittendrin im Leben, nicht versteckt in einer Seitengasse. Dass noch einmal so richtig Lust auf mehr aufkommt, dafür sorgen im August Kerstin Gemander und Christine Löw mit ihrer Ausstellung „take five“.

Dabei treffen die Besucher auf krasse Gegensätze: Auf der einen Seite Christine Löws Bildserien der konkreten Kunst mit klaren Strukturen; auf der anderen Seite Kerstin Gemanders eher grob skizzierte Bildgeschichten. Diese zeigen Menschen im Wartestand, mit einem Strauß Blumen hinter dem Rücken, den Blick in die Ferne gerichtet. „Es ist ein Stehen auf der Schwelle“, sagt Kerstin Gemander, „ein Warten auf das, was kommt. Oder eben nicht kommt“.

Diesen „Zustand zwischen Himmel und Hölle“ greift die Mühldorferin auch in ihrer meterhohen Installation auf, die dem gleichnamigen Kinderspiel nachempfunden ist – als überdimensionale Bastelei mit gekleistertem Zeitungspapier und schwarzen Acryllinien. Deren Verlauf ist purer Zufall, auch „Himmel“ und „Hölle“ sind nicht definiert. Die Botschaft: Das Schicksal entscheidet, der „Himmel“ des einen kann zugleich die „Hölle“ des anderen sein.

Während sich Kerstin Gemander gerne die künstlerische Freiheit nimmt, dem Zufall Raum zu geben, sind Christine Löws Bilder gedanklich fertig, bevor der erste Strich gesetzt ist. Dabei dreht sich alles nur um ein Thema: um die Farbe. „Meine Bilder drücken keine Gefühle oder Stimmungen aus“, sagt Löw. „Es geht um nichts Persönliches, sondern allein um die Balance der Flächen und Verhältnisse der Farben zueinander.“ Christine Löw beherrscht das Zusammenspiel aus Maß und Proportion, aus Klang und Intensität der Farbe auch deshalb so perfekt, weil sie nach der Farbfeldmalerei der vergangenen Jahre nun am Ende eines langen Weges steht: „Die konkrete Kunst ist endlich mein Zuhause. Alles andere waren nur Zwischenstationen.“

Was noch lange nicht heißt, dass es eintönig wird. Im Gegenteil: In dem kleinen Rahmen des „Raum03“ beweist Christine Löw mit ihren jeweils dreiteiligen Bildserien, wie verschiedenartig konkrete Kunst sein kann: mal regieren dicke Balken, mal dünne Linien.

So erzeugen Kerstin Gemander und Christine Löw noch einmal jede Menge Spannung im „Raum03“ – jeder auf seine Weise.

Öffnungszeiten im August: immer freitags von 16 bis 19 Uhr.

„Raum04“?

Folgt dem „Raum03“ ein „Raum04“? „Wir wissen es nicht“, sagen Kerstin Gemander und Christine Löw. Fest steht nur, dass die Tage am Stadtplatz 36 gezählt sind. Doch die Künstlergruppe will in Mühldorf die Augen offen halten. Nach einem Raum für „Raum04“.

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