Mühldorf – Als das Inn-Salzach-Euregio-Jugendorchester (ISEJO) gegründet wurde, hatten viele seiner heutigen Akteure das Licht der Welt noch nicht erblickt. Vor 20 Jahren riefen Thomas Breitsameter, Leiter der Städtischen Musikschule Mühldorf, und Professor Eduard Geroldinger, Direktor der Landesmusikschule Ried im Innkreis, das grenzüberschreitende Jugendorchester ins Leben. „Keiner von uns hat damals mit einem dermaßen erfolgreichen Verlauf des Projekts gerechnet“, erinnert sich Breitsameter.
Inzwischen haben mehrere Generationen junger Nachwuchsmusiker an der jährlichen Projektphase des Orchesters teilgenommen; einige von ihnen haben in der Musik ihre Berufung gefunden und arbeiten als Musikpädagogen daran, ihre Erfahrung und ihr Können weiterzugeben. Andere haben den Sprung in ein professionelles Orchester wie beispielsweise die Wiener Philharmoniker, die Staatskapelle Dresden oder das Bruckner-Orchester Linz geschafft.
Gelungenes Debüt für Dirigent Markus Hein
Auch im Jubiläumsjahr gaben die Nachwuchsmusiker bei ihrem Gastspiel im Mühldorfer Stadtsaal eine grandiose Kostprobe ihres Talents und Könnens und brillierten mit einem anspruchsvollen Musikprogramm. Dirigiert wurde das Orchester erstmals von Markus Hein.
In nur viereinhalb Tagen – sechs bis acht Stunden täglich – studierten die rund 40 jungen Damen und Herren das komplette symphonische Konzertprogramm ein. „In diesem Jahr stehen neben den Konzerten in Neuötting, Mühldorf, Ranshofen und Ried im Innkreis zwei weitere Auftritte in Feichten und Pfarrkirchen sowie nach 2011 und 2014 wieder eine Konzertreise ins slowenische Prian auf dem Programm. Und das alles mit einem besonders jungen Orchester“, berichtet Thomas Breitsameter. So zählt Konzertmeisterin Sara Mayer gerade einmal 15 Lenze und Victoria Heide (2. Violine), Younis Hoffschildt (Cello) und Matthäus Hauer (Fagott) sind trotz ihres zarten Alters von zwölf Jahren mittlerweile „alte Hasen“ im ISEJO. Ebenfalls zwölf Jahre jung und – wie ihre Mitstreiterinnen und Mitstreiter – mit Feuereifer bei der Sache ist Cellistin Lucia Zellhuber.
„Die Projektphase ist immer eine extrem intensive Zeit. Aber es macht auch jedes Mal sehr viel Spaß“, erzählt Nora Geroldinger, die seit einigen Jahren das grenzüberschreitende Jugendorchester als Cellistin bereichert. Diesmal beeindruckte die junge Frau, die im Gründungsjahr des ISEJO geboren wurde, als Interpretin der berühmten Opernarien „Voi che sapete“ und „Non so piu cosa son, cosa faccio“ aus „Figaros Hochzeit“ von Wolfgang Amadeus Mozart. Obwohl erst 20 Jahre alt überzeugte die Sopranistin aus Oberösterreich bereits mit einem beeindruckenden Stimmvolumen, einer starken Ausdruckskraft sowie einer ausgezeichneten Gesangstechnik.
Auch die zweite Solistin des Abends, die Tiroler Violinistin Sophie Trobos, absolvierte einen fulminanten Auftritt. Die 20-Jährige bestach mit virtuosen Arpeggios, rasanten chromatischen Passagen und Läufen, permanenten Tempiwechseln und gigantischen Sprüngen bei Camille Saint-Saens‘ „Introduction et Rondo capriccioso“. Sophia Trobos, die bereits mit vier Jahren das Geige spielen begann und seit kurzer Zeit bei Professor Christian Altenburger studiert, schätzt neben den wichtigen Erfahrungen für die Nachwuchsmusiker während der Projektphase vor allem das gesellschaftliche Miteinander. „Trotz der vielen Proben kommt der Spaß nie zu kurz. Das gemütliche Beisammensein von jungen Leuten aus Bayern und Österreich bei – und vor allem nach – den Proben und Konzerten hat schon zahlreiche Freundschaften hervorgebracht“, schildert Sophia.
Dritte ISEJO-Reise ins slowenische Prian
Aber nicht nur die beiden Solistinnen wussten an diesem Abend zu gefallen; alle Orchestermitglieder imponierten auf ihren Instrumenten – ob bei der wuchtigen Ouvertüre aus der Schauspielmusik zu Goethes Trauerspiel „Egmont“ von Ludwig von Beethoven, den galant-spritzigen Sopran-Arien aus Mozarts „Figaros Hochzeit“, der brillant-virtuosen „Introduction et Rondo capriccioso“ von Saint-Saens oder der leidenschaftlichen, rhythmisch gewagten 3. Symphonie „Eroica“, mit der Beethoven radikal mit den Klangerscheinungen der damals gebräuchlichen symphonischen Werke brach.
Das Publikum belohnte Ehrgeiz und Begabung der Nachwuchskünstler mit lang anhaltendem Beifall und Bravo-Rufen.