Mühldorf – Junge Musikerinnen, die nach ihren Auftritten mal eben mit der Geige im Publikum Platz nehmen. Eine Auswahl eher unbekannter Stücke, die den Zuhörer trotzdem mitnehmen. Und immer wieder die sichtbare und hörbare Spielfreude aller Künstlerinnen und Künstler auf der Bühne. Das war das Besondere am Akademiekonzert im Mühldorfer Stadtsaal, das am Freitagabend am Ende der 15. Mühldorfer Sommerakademie stand.
Der Abend beginnt ernst – mit einer Partita über „Eine feste Burg“ für Streichorchester des Komponisten Karl Marx. „Nicht zu verwechseln mit dem Philosophen“, sagt Frithjof-Martin Grabner süffisant. Der neue Künstlerische Leiter der Mühldorfer Sommerakademie erklärt den Zuhörern im Mühldorfer Stadtsaal zu jedem der vier Stücke auf dem Programm den historischen Kontext, Biografisches zum Komponisten und teilweise auch, warum das Stück ausgewählt wurde. Für das erste Stück gebe es gleich drei Anlässe: der Komponist Karl würde 2017 seinen 120. Geburtstag feiern, das Stück sei genau 50 Jahre alt und der Ursprung des Stückes, das Kirchenlied „Eine feste Burg ist unser Gott“ von Martin Luther passe auch ins Lutherjahr.
14 Musikerinnen und Musiker stehen für diesen ersten Programmpunkt auf der Bühne. Es ist ernsthaft, getragen. Neben Passagen, in denen die Instrumente gezupft werden, gibt es sekundelange Stille. Zugleich ein erstes Beispiel dafür, wie harmonisch die Künstler zusammenspielen. Sie stimmen sich mit Blicken ab, ohne Dirigent. Umso beachtlicher, da man sich ja erst seit etwas mehr als einer Woche kennt.
Andres Murillo, Satoshi Morioka, Lisa Kuhnert und Angela Han spielen anschließend ein Konzert Georg Philipp Telemanns – ein Vivace, das richtig Freude macht. Frithjof-Martin Grabner hatte zuvor zurecht „verwegene Harmonien“ für den dritten Satz angekündigt. Raffiniert, wie sich die Musik an manchen Stellen von einer Geige auf vier aufbaut.
„Wenn ein Pianist etwas schreibt, ist es sehr virtuos“, sagt Grabner über den Komponisten Friedrich Wilhelm Kalkbrenner. Und tatsächlich: Das Trio für Violine, Bass und Klavier ist für alle drei Musiker anspruchsvoll, für Elisabeth Weber (Violine) und Izabela Melkonyan (Klavier) genauso wie für Frithjof-Martin Grabner (Kontrabass) selbst. Auch charmant-gefällige Passagen wirken schön anzuhören. Nicht zuletzt, weil die Freude der Musiker überspringt.
Schlusspunkt ist ein Klavierquintett von George Onslow, den Frithjof-Martin Grabner als „Beethoven Frankreichs“ bezeichnet. Schnelle Passagen verlangen der Pianistin und den vier Musikerinnen und Musikern an den Streichinstrumenten viel ab. In der Romanza und im Finale hört man das Herbstlaub fallen.
Am Ende gibt es viel Applaus – durchsetzt mit leisem Jubel. Für genau so einen Fall hatten die Musikerinnen und Musiker noch Palladio des zeitgenössischen britischen Komponisten Karl Jenkins als Zugabe ausgewählt.