Mühldorf/Eichstätt – Kein Wort über die magischen Tiere. Keine Silbe über die magische Zoohandlung. Alles streng geheim. „Und so soll es für immer und ewig sein.“ Heißt es zumindest in jedem Band der „Schule der magischen Tiere“. Doch für die Heimatzeitung macht Margit Auer eine Ausnahme. In einem Café am Mühldorfer Stadtplatz plaudert die erfolgreiche Kinderbuchautorin ganz gelöst über Henrietta, die Schildkröte, über Rabbat, den Fuchs, und über all die anderen Protagonisten ihrer Bestsellerreihe. Vielleicht auch deshalb, weil die Wurzeln der Schriftstellerin nur ein paar Meter weiter liegen: in den Redaktionsräumen des Mühldorfer Anzeigers.
In Waldkraiburg aufgewachsen, besuchte Margit Auer das Ruperti-Gymnasium in Mühldorf. Nicht unbedingt das, was man sich unter einer magischen Schule vorstellt. Doch zu diesem Zeitpunkt verschwendete die junge Frau auch noch keinen Gedanken an Henrietta, Rabbat & Co. Stattdessen studierte sie Diplom-Journalistik in Eichstätt, lernte unter anderem in Praktika beim Mühldorfer Anzeiger und dem BR, wie man Interviews führt und Reportagen schreibt, und arbeitete später als Redakteurin für die Allgäuer und Landshuter Zeitung. Zurück in Eichstätt machte sie sich mit einem Redaktionsbüro selbstständig. „Ich war gerne Lokaljournalistin“, sagt Margit Auer. „Denn die wirklich guten Geschichten des Lebens warten um die Ecke.“
„Nur wer dicht dran ist am Leben der Kinder, kann auch gute Geschichten für sie schreiben.“Margit Auer
Heute ist für die guten Geschichten um die Ecke keine Zeit mehr. Die „Schule der magischen Tiere“ ist längst ein Fulltime-Job. Mit klaren Vorgaben von Seiten des Carlsen-Verlags, der auch die „Harry Potter“-Reihe herausgibt: Zwei magische Tierfolgen erscheinen pro Jahr, die nächste ist für Ende November angekündigt.
Mit einem kurzen Blick auf ein paar Zahlen lässt sich erahnen, wie viele Kinder gerade dem neunten Band entgegenfiebern: Über eine Million Bücher gingen allein in Deutschland über den Ladentisch, damit zählt Margit Auer aktuell zu den erfolgreichsten Kinderbuchautoren des Landes. Inzwischen sind die Abenteuer in der Wintersteinschule in 17 Sprachen übersetzt. „Schon der Gedanke, dass gerade in Japan ein Kind im Bett sitzt und mein Buch von hinten nach vorne liest: Da platzt man vor Stolz.“
Auch abseits der Buchreihe zieht die „Schule der magischen Tiere“ immer weitere Kreise. In Ungarn feierte unter dem Titel ein Theaterstück Premiere, auch die Filmrechte sind verkauft. Ob sie den Erfolg fassen kann? Margit Auer schüttelt mit dem Kopf. „Verkaufszahlen oder Bestsellerlisten sind das eine“, sagt sie. „Wenn sich aber bei einer Lesung ein blasses Mädchen die Ratte Cooper herbeiwünscht oder ein cooler Junge das Pinselohrschwein Peperoni, dann freut mich das mindestens genauso. Weil es zeigt, wie tief die Kinder in meine Geschichten eintauchen.“
Von ungefähr kommt dieser Erfolg nicht. Drei Jahre lang hat Margit Auer für den Papierkorb und die Schubladen geschrieben, ehe sie 2011 mit dem ersten von drei Römerkrimis an die Öffentlichkeit ging. Ausgangspunkt waren die Kinderbücher, die ihre drei Söhne regelmäßig aus der Stadtbücherei mit nach Hause brachten. „Da waren so viele schlechte Geschichten dabei, dass ich mir irgendwann gesagt habe, dass ich das besser kann.“
Also begann Margit Auer im Jahr 2007 selbst Geschichten zu schreiben – und glaubte hartnäckig an ihren Erfolg. Mit klaren Vorstellungen davon, was ein gutes Kinderbuch ausmacht: „Es muss im Alltag der Buben und Mädchen spielen, in der Schule oder in der Nachbarschaft. Und nicht auf dem Mars oder dem Meeresboden.“ Deshalb sind die Wintersteinschüler im Grunde auch ganz normale Schüler: Träumer, Draufgänger, Angeber, Angsthasen.
Die ersten Entwürfe der Abenteuerreihe seien ganz ordentlich gewesen, erinnert sich Margit Auer. Aber irgendwie fehlte „ein besonderes Element“. Eine Bergtour mit ihrem Mann und ihren Söhnen habe ihr die Augen geöffnet. „Mein jüngster Sohn unterhielt sich unterwegs mit einer Katze, die tatsächlich auf ihn reagierte und ihm auf Schritt und Tritt folgte. Da war der Groschen gefallen.“ Und so zogen in die Wintersteinschule die sprechenden Tiere ein.
„Nur wer dicht dran ist am Leben der Kinder, kann auch gute Geschichten für sie schreiben“, sagt Margit Auer. Angst, dass ihr die guten Geschichten einmal ausgehen, hat die 50-Jährige nicht. Im Gegenteil: „Die Ideen sprudeln und sprudeln.“
Ihre jungen Leser treibt unterdessen eine ganz andere Sorge um. Denn die „Schule der magischen Tiere“ sieht ihrem natürlichen Ende entgegen: 16 von 24 Kindern der Klasse haben bereits ein magisches Tier bekommen, pro Folge kommen zwei neue Tiere hinzu. Ein Hoffnungsschimmer für die Fans sind die zusätzlichen Ferien-Abenteuer, die jedes Jahr erscheinen. Ein anderer, dass vielleicht doch noch Unerwartetes passiert. „Bei den Lesungen wünschen sich die Zuhörer immer, dass neue Schüler in die Klasse kommen und die Reihe so in die Verlängerung geht. Aber wer weiß schon, was die Zukunft bringt.“ Margit Auer lächelt. Alles streng geheim.