Porträt der Woche

Original und originell

von Redaktion

Für Künstler Knox aus Burghausen reichen die Begriffe „Maler“ und „Musiker“ nicht aus

Burghausen/Mühldorf – 67 Jahre habe sein Körper bereits hinter sich. Sagt Knox, der Künstler der vielen Metiers und Materialien, Stile und Stofflichkeiten, Preise und Prinzipien. Ein echtes Burghauser „Gwachs“. Wendig und wahrlich ein Wunder an Wirkungsbreite: Vom Gastwirt bis zum Erfinder. So was „Verknoxtes“ gibt’s kein zweites Mal.

Schon die drei Preisklassen, unter die Knox seine (malerischen) Hervorbringungen einteilt, sind eine Kategorie für sich: Preisklasse 1: die „Original Knox-Fälschung“, das „Knox-Originell“ und das „totale Knox-Original“. Worum geht`s? Erstens um „einen Kunstdruck – entweder auf Papier oder Leinwand. Original handsigniert von Knox G. Stallbauer“. Zweitens um „ein günstiges Schmankerl“, zugedacht allen Liebhabern der „verknoxten Art“ – „Art“ vielleicht verstanden als „Kunst“ (englisch) oder „Weise“ (deutsch), jedenfalls etwas Ausgefallenes. Letztens aber geht es um alle seine Bilder. Denn die sind so was original-originell Verknoxtes, dass es verknoxter nimmer geht. Man verlese sich, bitte, nicht: Es geht wirklich um Verknoxtes, nicht um Verkorkstes.

Also, Spaß muss sein. Bei Knox sowieso. Man kommt nicht heraus aus dem Staunen und Sich-nur-noch-Wundern – über so viel Eigensinn und Selbsteinbringung, auch über so viel Lachen-über-sich-selbst. Kein Wunder, dass Knox auf mehreren künstlerischen Ebenen aktiv ist: musikalisch, komponierend, analog pinselnd und digital, videofilmend und fotografierend. Das „Knoxoleum“ in den Burghauser Grüben ist seine Wirkungsstätte, die er zusammen mit Franz Fiederer ausbaute und mit seiner Lebensgefährtin fleißig bestückt. Soll man Knox glauben, wenn er äußert: „Ich hab noch viele offene Baustellen fertigzustellen“? Und gleich drauf sagt: „Ich erstelle unablässig Filme über das Leben, so wie ich es erlebe.“ Sein Fazit: „Musik und Malerei – das ist mein Lebenscredo“. So nannte er denn auch seine neueste Ausstellung – nicht etwa in Metropolen wie Köln und Hamburg und München und Wien und Frankfurt am Main, wo er überall schon seine der „Neuen Sachlichkeit“ verpflichteten Gemälde zeigen konnte, sondern in Mühldorf.

„Herr Knox“, könne man den quirligen Strubbelhaar-Herrn mit bis zur Nasenspitze gerutschten Brille und dem grauen Siebentagebart fragen, „Herr Knox, was haben Sie sich denn um Gottes Willen bei all dem, was Sie da gemalt haben, gedacht? So etwas kann man doch nicht malen …!“ Darauf antwortet Knox ganz schlicht und einfach und rundheraus: „Man(n) kann.“ Beim Sprechen ist ja nicht zu hören, ob „Mann“ oder „Man“ gemeint ist. Trifft beides zu.

Der Mann kann wirklich. In die Schule ist er, der Autodidakt, bei Rembrandt gegangen. Ein reisender Buchhändler habe dem noch jungen Herrn Stallbauer, wie Knox vor „Knox“ hieß, für fünf Mark ein Buch über den Niederländer-Meister des Lichts und des Schattens in die Hand gespielt. Von da an sei es um Herrn Stallbauer geschehen gewesen. Er malte und malte. Und mischte Dali in den Rembrandt hinein und erfand, was er „Filmmalerei“ nannte. Und er gibt sich ja gern immer ein bisserl schräg und surreal, nachdem es ihm erst ganz realistisch zumute war. Jetzt kann er’s nicht lassen, sich immer wieder selbst zu porträtieren. Selbstsuche? Wer bin ich denn eigentlich? Knox oder doch noch Stallbauer? Für ein Selbstporträt schmiert er sich, heißt es, gelegentlich Mehl ins Gesicht.

Mit Leben und Tod setzt Knox sich ganz ernsthaft malerisch und grüblerisch (Burghausens Grüben!) auseinander. Dem Tod ist er, wie viele seiner Bilder, vor allem seine geisterhaften Köpfe, vor denen sich mancher gar fürchten mag, näher als dem Leben. Nach einem schweren Unfall war der 17-Jährige Gevatter Tod schon mal von der Schippe gesprungen. Und musste den Tod seines besten Freundes beklagen. Verschmerzt, so liest man aus manchem seiner tief schürfenden Porträts, selbst dem von Gerhard Polt, heraus, mag er ihn nie haben. Das Leben hat den Mann geprägt. Gedrückt? Bei diesem trotzigen Stehaufmandl-Typ passt das nicht.

Bei seinen Malereien lässt der Allrounder Knox sich inspirieren: mal von Sigi Zimmerschieds feist-frechem „Gschau“, mal von der legendären Burghauser Regenschirmtante, mal vom Philosophendramatiker Samuel Beckett, in dessen Theaterstück „Warten auf Godot“ es heißt: „Ein Knux taucht auf“. Dazu Knox: „Der Knux ist nämlich der Maler Knox, wie er als Gieraffenmensch aus dem Wasser auftaucht“. Dieses Motiv gibt es in Acryl-Öl auf Holz. Knox will 15000 Euro dafür.

Ja, Knoxens Preise können gesalzen sein. 39 Werke, keineswegs alle so kostspielig, stellt Knox derzeit im Mühldorfer Landratsamt aus. Bis 31. Oktober sind Malereien, Radierungen und Bildskulpturen zu sehen. Lauter Originale.

Die Öffnungszeiten im Landratsamt Mühldorf: Montag bis Donnerstag von 8 bis 16 Uhr, Freitag bis 13 Uhr. Wer Knox persönlich erleben will, besuche ihn in seiner Burghauser Gastwirtschaft, dem „Knoxoleum“.

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