Schwindkirchen/München – Johann Georg von Dillis (1759 bis 1841) wurde in Gmain nahe Schwindkirchen geboren und war einer der bedeutendsten Kunstwarte und Künstler im jungen Königreich Bayern. Im September vor 200 Jahren brach er auf eine Herbst-„Fahrt“ mit dem Sohn seines Dienstherrn, dem Kronprinzen und späteren König Ludwig I., nach Süditalien und Sizilien auf; ein längerer Rom-Aufenthalt schloss sich an.
Die in aquarellierten Blättern mit herrlichen Italien-Ansichten dokumentierte zeichnerische „Ernte“ jener Italien-Reise ist demnächst – allerdings nur zehn Tage lang – in Räumen der Pinakothek der Moderne zu besichtigen: 39 Blätter mit repräsentativen italienischen Ansichten sind auf der Reise entstanden. Eine kleine Auswahl zeigt die Staatliche Graphische Sammlung München unter dem Titel „Souvenirs aus dem Süden. Johann Georg von Dillis in Frankreich und Italien“.
Bereits im Jahr 1806 war Dillis mit dem Kronprinzen nach Mailand und Nizza, immer schön der südfranzösischen Küste entlang, bis Figueres in Katalonien, gereist. Die antiken Monumente sollten da besichtigt werden. Leider wurde der Kronprinz wichtiger politischer Geschäfte wegen frühzeitig nach Berlin beordert. Mit den auf dieser Reise entstandenen Dillis-Skizzen und -Aquarellen ergibt sich eine Anzahl von 81 selten zu Gesicht zu bekommenden Dillis-Reise-Blättern. Die nicht ausgestellten Blätter werden im Studiensaal gerne auf Nachfrage vorgelegt, wie die Presseabteilung der Pinakothek der Moderne mitteilt.
Auf der 1817 gestarteten Reise wurde der Italien-begeisterte Kronprinz Ludwig außer von Johann Georg v. Dillis vom Grafen Seinsheim, dem Baron Michael von Sceberras Testa Ferrata und dem Leibarzt Dr. Johann Nepomuk Ringseis begleitet. Übrigens reiste der Kronprinz unter dem Namen eines Grafen von Spessart, „und in dieser Anonymität fühlte er sich wohl“, schreibt Waldemar Lessing in seinem 1951 bei Bruckmann in München erschienenen Buch „Johann Georg von Dillis als Künstler und Museumsmann 1759 – 1841“. Darin ist das Aquarell „Italienische Berglandschaft“ (gegenüber Seite 24) wiedergegeben. Es zeigt, wie kein zweites aus Dillis‘ hochbegabter Hand, wie grandios dieser Künstler eine „von der Natur genommene“ Landschaft realistisch erfasste und zusätzlich mit seiner „blühenden“ Fantasie in naturgetreuer Art zu verbinden verstand. Doch auch bei nicht kolorierten Blättern – schönes Beispiel: „Die Reste der Giganten am Jupiter-Tempel zu Agrigent“, Nr. 31 aus der Serie „39 Ansichten aus Rom, Neapel und Sicilien“ (1817) – ist die „Farbigkeit“ der Darstellung durchaus erkennbar.
Die Ausstellung der Staatlichen Graphischen Sammlung München in Räumen der Pinakothek der Moderne ist vom 29. September bis zum 8. Oktober täglich von 10 bis 18 Uhr (donnerstags bis 20 Uhr) zu sehen.