Wenn der Tod kifft

von Redaktion

Umwerfend komischer Kabarettabend mit dem Duo Blözinger im Mühldorfer Haberkasten

Mühldorf – Wer glaubt, dass das Warten auf den Tod kein Thema für einen Kabarettabend sein kann, wurde im Haberkasten mit dem Programm „Bis morgen“ des Duos Blözinger eines Besseren belehrt: herrlich unverfroren, makaber und manchmal auch berührend.

Es ist eine merkwürdige Freundschaft, die der pensionierte Lehrer Franz pflegt. Mit seinen 82 Jahren lebt er im Altersheim, füttert Enten und sucht stundenlang nach seiner Brille. Er hat mit der Welt abgeschlossen und wartet eigentlich nur noch auf den Tod. Der kommt auch regelmäßig vorbei, aber nicht, um ihn zu holen, sondern auf einen Schwatz, eine Partie Schach oder auf einen Joint. Wenn der alte Franz erschrocken aus einem seiner wirren Träume aufwacht und sich fragt „Bin ich tot?“, sitzt der leibhaftig neben ihm und sagt genervt: „Nein, das bin ich.“

Den alten Franz spielt Robert Blöchl, den Tod sowie weitere Rollen übernimmt Roland Penzinger. Es ist das siebte Programm der beiden Kabarettisten, die seit 13 Jahren gemeinsam auf der Bühne stehen. Kennengelernt haben sie sich bei den „Clini- Clowns“ in Linz, mittlerweile leben sie in Wien. Für die beiden war es der erste, aber hoffentlich nicht der letzte Auftritt im Haberlasten.

Das Kabarettprogramm „Bis morgen“ ist mehr Theaterstück – mit einer wunderbar schrägen Geschichte. Frei von seichter Moral, dafür gespickt mit jeder Menge schwarzem Humor. Etwa, wenn der Tod aus Versehen eine Katze ins Jenseits befördert, die ihm beim Sensen vors Messer gelaufen ist. Kollateralschaden.

In der Geschichte denkt der Tod nicht daran, den lebensmüden Franz mitzunehmen. Viel lieber verbringt er noch etwas Zeit mit ihm, genauer gesagt vier Jahreszeiten, in denen er ausprobiert, wie Eis schmeckt oder wie ein Joint wirkt. Den wahrlich sterbenslangweiligen Alltag im Altersheim peppt der miesepetrige Franz derweil auf, in dem er seinem verhassten Zimmernachbarn ein Puzzleteilchen klaut. Oder gleich dessen ganzes Gebiss einsteckt.

Für schnelle Lacher sind die beiden auch immer zu haben: „Woran merkt man, dass man Hundert wird? Wenn die Kerzen mehr kosten als der Kuchen.“ Und für einen guten Spruch sowieso: „Oben fit und unten dicht, mehr wünscht man sich im Alter nicht“. Selbst für einen Hauch Gesellschaftskritik ist Platz: „Wenn wirklich alle Polen klauen würden, dann wäre Polen das reichste Land der Welt. Wenn wirklich alle Moslems Terroristen wären, wären wir schon alle lange tot!“

Das Programm lebt aber keineswegs von schnellen Pointen. Es besticht durch die entwaffnende Ehrlichkeit, den schnörkellosen Blick auf das Altern gepaart mit schauspielerischem Können. Allein wie Roland Penzinger die Rollen wechselt, mal die sextolle Mitbewohnerin Frau Gruber gibt und dann wieder den dauerbekifften Zivi „Mario“, ist sehenswert.

Den Gegenpart zum schwermütigen Franz übernimmt die Figur Mario, der eine ganz eigene Sicht auf das Dasein im Altersheim hat: „Letztens wollte ich eine alte Oma mit violetten Haaren fangen, weil ich dachte, sie ist ein ganz seltenes Pokémon.“ Als „Running Gag“ im Altersheim fungiert das Wettrennen am Rollator um die Fernbedienung.

Das Ende ist vorhersehbar: Bei Franz kommt zwar wieder Lebensfreude auf, er lernt Japanisch und lässt sich auf Avancen der liebestollen Frau Gruber ein – bis ihn der Tod doch noch holt. Und die Moral von der Geschicht? Gibt es zum Glück nicht. Dafür einen umwerfend komischen Kabarettabend.

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