Waldkraiburg – Der Name ist Programm: „Open minded“ heißt der Titel der aktuellen Ausstellung des Kunstvereins Inn-Salzach in der Studiogalerie im Haus der Kultur. Und ja, „offen“ und „aufgeschlossen“ sollte sein, wer sie besucht. Denn da wartet wahrlich schräge Kunst auf den Betrachter: mit morbiden Motiven, gewagten Collagen und merkwürdigen Metallwesen. Da ist die Frau, die sich eine Pistole an den Kopf hält; der Ameisenkopf auf dem Jesuskind; die Schaufensterpuppe mit Messern in der Brust; der tierische Totenschädel mit dem Eisenschrott-Körper. Und das alles aus einer Hand? Oder sollte man besser sagen: aus einem Kopf? „All das ist meine Welt, in der es schon sehr wild zugeht“, sagt Rainer Huber, der unter dem Künstlernamen „Jimmy Lipstick“ seine Talente vereint. Welche genau das sind? „Alles und auch wieder nichts.“ Huber malt, fotografiert, bastelt, experimentiert. „Ich kann mich nicht festlegen, weil ich sonst nicht zur Ruhe kommen würde.“ Er sei ein „ewiger Grübler“, sagt Huber über sich selbst. Einer, der das Glas eher halb leer sieht. Aber einer, der damit umzugehen weiß. Und erkennt, was die Kunst für ihn sein kann: ein Ventil für „all die wirren Gedanken in meinem Kopf“. Vielleicht auch ein Zufluchtsort, um dem Alltag zu entfliehen. „Und wenn es zu wild wird, staple ich Steine.“ Die fotografiert er dann. Auch das ist Kunst von „Jimmy Lipstick“, der seine Werke zum ersten Mal in größerem Rahmen der Öffentlichkeit präsentiert.
Ermutigt zu einer gemeinsamen Werkschau hat ihn die Garchinger Künstlerin Sonja Haugeneder, deren Frauenporträts in Öl, Kreide und Acryl den wilden Arbeiten Hubers Kontra geben. Die Konstante in ihren Gemälden ist die Frau als Motiv – zuletzt deutlich reduziert auf ein Augenpaar. „Das Porträt allein ist mir zu zielorientiert. Ich will mehr Spielraum.“ Das erklärt die auffälligen Hintergründe, die Verschiebung zur abstrakten Kunst. Auch wenn das viel mehr Zeit kostet als die Porträtmalerei, die sie von der Pike auf gelernt hat. „Ich mag es, wenn meine Bilder Fragen aufwerfen, auch mal provozieren.“ Dazu kommt ein leichter Hang zur Zerstörung – mit Löchern in der Leinwand oder Schrauben im Rahmen. Wie Rainer Huber sieht sich auch die 54-Jährige noch längst nicht am Ende ihres künstlerischen Werdegangs. „Ich will noch wilder werden.“ Vielleicht steckt sie ja Kollege „Jimmy Lipstick“ ein wenig an.
Die Öffnungszeiten bis 17. November: Dienstag bis Freitag von 12 bis 17 Uhr sowie Samstag und Sonntag
von 14 bis 17 Uhr.