Ampfing – Die Wellküren waren die Ersten, die auf der improvisierten Bühne in der Ampfinger Häusler-Halle auftraten. Kaum sind zwölf Jahre vergangen, stehen sie wieder dort: Am kommenden Samstag, 14. Oktober, präsentieren die drei Well-Schwestern, Burgi, Bärbi und Moni Well, ihr Jubiläumsprogramm „30 Jahre Wellküren“. So lange liefern die dynamischen Damen Volksmusik mit hintersinnigen und satirischen Texten. Ein Gespräch mit Moni Well über 30 Bühnenjahre und einen Abend in Ampfing.
Sie sind über 30 Jahre im Beruf. Da freut sich so mancher schon auf die Rente. Wie ist das bei Ihnen?
Überhaupt nicht. Solange es uns a Gaudi macht und wir fit sind, spielen wir weiter. Wobei es ein harter Job ist – also nicht das Musikspielen. Aber die Fahrerei und die Staus sind schon anstrengend. Ich hoffe, dass wir viel von Muttis Genen haben. Die stand noch mit über 90 Jahren auf der Bühne.
Sie waren in all den Jahren immer wieder im Landkreis Mühldorf unterwegs…
Ja. Wir haben in der Region schon viel gespielt, unter anderem im Haberkasten. Nach Mühldorf fahren wir gerne, weil die Leute lustig sind. Man sammelt mit den Jahren ja so seine Erfahrungen, wie die Leute drauf sind. In der Region haben die Leute nicht nur Bedenken, sondern auch noch a Gaudi.
Sie treten am 14. Oktober wieder in Ampfing auf. Veranstalter ist das Handwerker-Kollektiv Villa Plus.
Ja. Da haben wir vor zwölf Jahren schon einmal gespielt, aber vor 20 Jahren wäre treffender gewesen – da haben wir gerade gebaut.
„Na, wenn hier schon das Kita-Essen aus Österreich kommen soll, ist das doch auch kein Problem.“
Moni Well über die
weite Anreise nach Ampfing
Sie haben 15 Geschwister: Wie ist die erste Dreierkonstellation der Wellküren entstanden?
Angefangen haben Burgi und ich gemeinsam mit Vroni. Wir sind ja als Kinder schon sehr viel mit unserer Familie aufgetreten und haben Volksmusik gespielt. Wir Schwestern haben den klassischen Dreigesang übernommen. Wir waren quasi ein eingespieltes Team. Vroni hat aber nach 18 Jahren gemerkt, dass ihr das zu viel wird und sie sich mehr um die Familie kümmern möchte. Fairerweise hat sie ein Jahr vorab Bescheid gesagt. Bärbel hat immer schon gerne gesungen und ist dann eingesprungen. Die anderen Schwestern waren zudem anderweitig beschäftigt.
Sind Ihre Bühnenfiguren authentisch?
Ja, nur eben überspitzt. Wir sind ja keine Schauspielerinnen und bleiben daher nah an unseren Persönlichkeiten. Ansonsten ist uns das zu aufgesetzt.
Gehen einem nach über 30 Jahren schon mal die Themen aus?
Die Themen sind mitgewachsen und kommen aus unseren Lebensphasen und aus unserem persönlichen Umfeld – also Kindererziehung, Ehe, älter werden. Aber wenn es nur um Beziehungen geht, langweilt das ja auch – also schauen wir, dass wir Themen finden, die wir mittragen können. Vom Privaten ist man ja schnell beim Gesellschaftspolitischen – seien es Schönheitsoperationen oder die Verschandelung von Dörfern durch Logistikzentren. Auch mit Blick auf die Weltpolitik gibt es viel Themen. Wir wissen, dass wir die Welt nicht verändern werden. Aber wir freuen uns, wenn die Leute in unser Programm kommen, statt vorm Fernseher zu sitzen. Wobei ich über den Ausgang dieser Wahl doch geschockt bin. Das Abschneiden der AfD ist frustrierend.
Es gibt nicht viele Frauen im Kabarett und nur wenige, die so lange auf der Bühne präsent sind. Gibt es da ein Rezept?
In den vergangenen Jahren kommen öfter Fragen aus dem Publikum: Na, wie lange wollt ihr des noch machen. Männer wie Bruno Jonas oder Helmut Schleich werden das vermutlich nicht gefragt. Bei Frauen scheint das eine andere Geschichte zu sein. Ab einem gewissen Alter sind sie einfach weg von der Bühne. Wir stehen zu unserem Alter, zu unseren grauen Haaren und machen einfach weiter. Es ist wie es ist.
Lernen Sie immer noch dazu?
Haben Sie eine Ahnung! Auf unserer neuen CD Abendlandler spielen wir Mozarts A-Dur Klaviersonate in G-Dur auf Hackbrett, Harfe und Gitarre. Ich bin nicht wirklich eine Gitarristin. Da musste ich viel üben. Wir haben auch extra Bass-Ukulele gelernt für unsere Nina-Simone-Hommage „Mei Oida, der schaut auf mi“ im Stubenmusik-Format. Wir sind immer wieder gefordert. Aber neu erfinden werden wir uns nicht mehr. Bei den Programmen ist etwa die Hälfte neu. Es gibt Stücke, die bleiben in ihrem Format, aber der Inhalt ist angepasst. Vom „Stubenmusical“ zur Melodie „Spiel mir das Lied vom Tod“ etwa haben wir zwölf Versionen. Früher spielten Edmund Stoiber und die Pauli die Hauptrollen, heute sind es Seehofer, Orban, Putin und Söder.
Gibt es eine Arbeitsteilung?
Nein, jeder passt irgendwie auf, hält die Ohren offen. Einmal im Jahr fahren wir für eine Woche nach Frankreich auf ein Weingut und arbeiten intensiv. Da werden die Weichen für ein neues Programm gestellt.
Können Sie mit flachen Witzen und mit schnellen Schenkelklopfern, wie sie in der Comedy üblich sind, etwas anfangen?
Nee, gar nicht. Null komma null. Auch in der Volksmusik beobachte ich, dass Inhalte immer mehr verflachen. Was da zum Teil unter Volksmusik läuft… Aber es gibt nach wie vor auch Gruppen, die tatsächlich etwas zu sagen haben.
War der Erfolg Ihrer Brüder ein Hindernis, hilfreich oder beides?
Beides. Hilfreich, weil wir von Anfang an volle Säle hatten, aber die Erwartungshaltung war eben auch sehr hoch. Es gibt aber keine Konkurrenz. Wir vertragen uns sehr gut, haben ja auch ein gemeinsames Programm erarbeitet. Wobei beim intensiven Üben waren wir schon wieder sehr nahe an unsere Kindheit.