Ausstellung im Geschichtszentrum und Museum Mühldorf

Ein Buchbacher, in Mühldorf gelandet

von Redaktion

Eine ebenso facettenreiche wie rätselhafte Schau auf den Barockmaler Balthasar Mang

Mühldorf – Was den Besucher der Ausstellung „Wie kommt das Gemälde an die Wand? Balthasar Mang und seine Zeit – ein Barockmaler aus dem Landkreis Mühldorf“ erwartet, wird ihm eingangs auf einer Schrifttafel kundgetan: „…etwa 70 Entwurfsskizzen des über 50 Jahre in Buchbach ansässigen Künstlers“. Zu sehen sei auch, „wie Balthasar Mang d. Ä. diese Entwürfe in Abstimmung mit seinen Auftraggebern realisiert hat“. Zu den Werken des Buchbacher Künstlers (1720 – 1803) gehörten auch „Deckenspiegel, Chorgestühle und Lünetten in Kirchen und Kapellen in der Umgebung“, die er bemalt habe. „Darüber hinaus zeigt die Ausstellung Ölgemälde und Tafelbilder“.

Also, da ist man als Besucher gespannt. Man fragt sich: Was sind „Deckenspiegel“, was „Lünetten“? Welche „Umgebung“ ist gemeint? Wer waren Mangs Auftraggeber? Wie schaffte er es, seine Entwürfe zu verwirklichen? Mit großen Erwartungen betritt man die Ausstellungsräume, sieht viel, was man sich – leider – selbst erklären muss und manches, was in der Schwebe bleibt, weil es weder nachweisbar noch geklärt ist.

2015 gab es, in Buchbach, eine erste Mang-Schau. Wie hebt sich die jetzige von ihr ab? Hat die Forschung Neues über Leben und Wirken Balthasar Mangs zutage gefördert? Man sucht vergeblich auf diese Frage eine erleuchtende Antwort. Der „Buchbacher“ Mang hatte zwei in seine Fußstapfen getretene Söhne. Auch von ihnen ist die Rede: Johann Evangelist und Balthasar d. J. und von dem Restaurator Heinrich Dagn, der Mangs Enkelin ehelichte.

Die Mühldorfer haben nun, wenn auch in manchem lückenhaft, so doch mit schönem Nachlass-Material angereichert, auch „ihren“ Mang. Dafür zeichnen Ernst Aicher, Mang-Liebhaber und Neu-Entdecker, und Museumsleiterin Dr. Susanne Abel verantwortlich. Sie schnitt die Buchbacher Ausstellung auf Mühldorfer Verhältnisse zu. Erweiterte sie. Stellte die Mang-„Daten“ in die ihr wichtig erschienenen „zeithistorischen“ Bezüge. Vollbrachte zudem, mit ihrem Mitarbeiterteam, eine museumsdidaktische Großtat: Mangs großes Buchbacher Deckenrundgemälde (1766), vor dem Kunsthistoriker und Hagiografen niederknien, wurde an die Decke eines engen Museumszimmers angebracht. Eine architektonische, handwerkliche und fotografische Glanzleistung. Sie allein lohnt den Besuch. Der die Reise nach Buchbach nicht ersetzt. Dort prangt der echte Balthasar Mang mit seinem Hauptwerk, auf dem er (wer weiß, ob’s stimmt?) vorne selber niederkniet. Es trägt Mangs Ruf als tüchtiger Freskant über die Landkreisgrenzen weit hinaus.

Kleine, aus dem Erzdiözesanarchiv geborgte oder privat gehütete „Mangs“, dazu Heiligen- und Wallfahrtsbildchen (Ranoldsberg, Pürten, Walkersaich), drei Votivbild-Vorzeichnungen eines nicht benannten Wendelin-Heiligtums, Altarblatt-Entwürfe (St. Andreas, St. Wolfgang), entweder Mang Zugeschriebenes oder gesichert von ihm Stammendes in Öl (von grantigen Großbürgerinnen- über stolz blickende Händler- und ernste Hochwürden-Porträts bis zum goldgerahmten Doppelbildnis St. Aloysius/St. Antonius mit rückseitig aufgeklebter Mang-Biografie-Notiz), eine schmunzeln und tüfteln lassende Mühldorf-Ansicht von 1762, dazu immer wieder (nicht immer direkt nötige) Zeitgeschichts-Infos: Es gibt Momente und Objekte, die den Museumsbesucher beim Durchwandern der Schau innehalten lassen. Kinder haben vielleicht Spaß, bekannten Heiligen ihr Attribut zuzuordnen.

Wie weit der Arbeitsbereich Vater Balthasar Mangs und seiner beiden Söhne reichte? Um das zu erfahren, musste man nicht erst auf die Mühldorfer Ausstellung warten; denn es gibt Vorarbeiten: die Buchbacher Mang-Dokumentation vor zwei Jahren, einen informativen Beitrag im Band 58 der Heimatbund-Jahresgabe „Das Mühlrad“: „Balthasar Mang – Ein Malerleben am Übergang in eine neue Zeit“ von Marieberthe Hoffmann-Falk und den Aufsatz des glückvollen Apothekers Hans Rudolf Spagl im 19. „Mühlrad“ (Jahrgang 1977): „Balthasar Mang und seine Malerwerkstatt in Buchbach“. Schon Spagl hatte Mangs Geburtsort Burghausen in Arget (bei Sauerlach) korrigiert und mit den von ihm genannten Ortsnamen Aschau im Chiemgau, Rattenkirchen, Oberornau, Schönberg, Gars, St. Wolfgang bei Dorfen, Oberneukirchen, Obertaufkirchen und Tüßling Mangs Wirkungskreis gültig abgesteckt. Dass auch die Mang-Söhne als Kunstschaffende ins (freilich schwache) Licht gerückt werden – dafür ist der Mühldorfer Ausstellung ebenso zu danken wie für die Präsentation selten zu sehender Leihgaben – aus Pfarrhöfen, Kirchen, Bürgerhäusern, Museen und Sammlungen.

Das Landesamt für Denkmalpflege sorgte für eine anschauliche Antwort auf die im Haupttitel der Schau gestellte, für diese als Ganzes irreführend formulierte Frage, wie ein Gemälde an die Wand komme. Denn darum geht es eigentlich nicht – angesichts der Zeichnungen, Rötelskizzen, Ölbilder, Aquarelle. Für Kirchenferne sei angemerkt: Bei Mang & Co. geht’s nicht nur um religiöse Sujets. Sie malten auch lustige Jagdszenen und, mit Verlaub, fade Wandfliesen-Dekorationen.

Eröffnung und Öffnungszeiten

Mehr als 100 Gäste nahmen an der Eröffnung der Sonderausstellung „Wie kommt das Gemälde an die Wand? Balthasar Mang und seine Zeit“ teil. Die Ausstellung gibt einen Überblick über die Arbeit des Freskanten und Kirchenmalers Balthasar Mang, geboren 1720 und von 1754 bis zu seinem Tod im Jahr 1803 in Buchbach ansässig, der im Raum um Buchbach, Kraiburg und Mühldorf Decken- und Wandgemälde sowie Altarbilder in mehreren Kirchen für die Nachwelt hinterlassen hat. Das Geschichtszentrum und Museum Mühldorf verfolgt das Wirken der Nachfahren Mangs – zwei Söhne und der Ehemann der Enkeltochter waren ebenfalls Freskanten und Kirchenmaler – bis zum Ende des 19. Jahrhundert weiter. Gezeigt werden neben etwa 70 kleinformatigen Skizzenblättern und Entwurfszeichnungen aus dem Nachlass Balthasar Mangs auch Werke der Söhne und Heinrich Dagns, wobei jede Malergeneration auch Porträtbilder gefertigt hat.

Zur Ausstellung gibt es ein Begleitprogramm mit Führungen und einer Exkursion zu ortsfesten Werken in Kooperation mit dem Mühldorfer Heimatbund. Führungen und Mitmach-Aktionen sind in Vorbereitung.

Die Öffnungszeiten bis Ende Juli 2018: Donnerstag und Freitag von 14 bis 17 Uhr, Sonntag von 13 bis 17 Uhr.

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