Griabiger Grantler

von Redaktion

Im ausverkauften Stadtsaal witzelt sich Harry G den Frust vom Leib

Mühldorf – Die Bayern sind als Grantler bekannt, bisweilen auch verrufen. Eine echte bayerische Bedienung? Grantig. Ein bayerischer Busfahrer? Grantig. Und seit Harry G hat das Grantler-Dasein auch auf den Kleinkunstbühnen Einzug gehalten. In seinem aktuellen Programm „#HarrydieEhre“ grantelt sich Harry G durch die Phänomene unserer Zeit.

Es geht um die Pocket Calls, die seine Mama regelmäßig an ihn sendet, um peinliche Whatsapp-Pannen, die schließlich zur Scheidung führen, um Körperkult, Smoothies und vegane Restaurants. Harry G, mit bürgerlichem Namen Markus Stroll, ist in der digitalen Welt daheim. Der Hashtag vor dem Titel seines aktuellen Programms zeigt, worum es in „#HarrydieEhre“ geht. „Frauen schauen das Foto wie ein Kunstkritiker an. Die sehen jedes Detail, wie ein Profiler von CSI“, stellt Harry G über den Umgang mit der Dating-App Tinder fest.

Aber nicht nur Facebook, Tinder und Whatsapp liefern Stoff für sein Programm. Harry G hat noch genügend andere Aufreger parat, über die er herrlichst vor sich hingranteln kann: Und die haben alle mit Bayern, dem bayerischen Dialekt und einem „Mia-san-mia“-Gefühl zu tun. Mit Querschlägen wie diesen ist Markus Stroll alias Harry G schließlich bekannt geworden. Dem Publikum im Mühldorfer Stadtsaal gefällt’s noch immer.

Und da gibt es wahrlich noch genügend, was ihm auf den Zeiger geht: Die Sache mit dem bayerischen Dialekt zum Beispiel. Prinzipiell, das hält Harry G gleich zu Beginn des Abends fest, sei der Verlust des Bayern an sich und der bayerischen Sprache zu beklagen. Vielerorts höre man in Bayern kein „Servus“ mehr. „Wenn i so in München red‘, dann versteht mi koana. Und de Leid moanan, i hob‘ 7 Hoibe und Tollwut“, stellt er fest. Auf die sprichwörtliche bayerische Gemütlichkeit lässt er nichts kommen, „griabig“, für Harry G ist das ein höherer Bewusstseinszustand. Mit „Zonen-Wolperdingern“ und „Isarpreißen“ dagegen kann er (noch immer) nichts anfangen. Auch wenn Harry G alleine auf der Bühne steht, ein bayerisches Bauerntheater kann er trotzdem simulieren – als One-Man-Show. Und wenn er über seine vegan lebende Cousine oder seine Kumpel, Wolfi, Tom und Alfons spricht, dann schlüpft er immer wieder in ihre Rollen. Es geht um Männerthemen, Junggesellenabschiede, Besäufnisse und Abstürze, die gerne auch mal im Rotlicht-Viertel oder im falschen Bett enden. „Bierglas, Bierglas, Bierglas, Faust, Polizeiauto“, lautet eine in Emoticons gesprochene Nachricht des kettenrauchenden Alfons auf die Frage, wie dessen Abend denn so verlaufen sei.

Aber auch andere Trends bringen Harry G zum Kopfschütteln: Wenn eine Bladenight in München am Abend den Mittleren Ring lahmlegt, die Rushhour der Radlfahrer in der bayerischen Landeshauptstadt oder der Joggingstil so manches „Hobbymarathonläufers“ in ultra-ultra kurzem Höschen. Oder Crossfit. Früher hieß das Zirkeltraining, meint er. Man habe zehn Euro Jahresbeitrag im Turnverein gezahlt, heute dagegen seien es 100 Euro im Monat im Fitnessstudio. Und im Übrigen: Crossfit, das kennen die wahren Bayern schon seit Jahrhunderten: „Nur da heißt’s Landwirtschaft, mit Strohballen-Lifting und Kartoffel-Pulling.“

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