Sie beschäftigen sich seit Jahren mit den Spuren der Reformation im Landkreis. Wie sind Sie auf das Thema gestoßen?
Eigentlich war dieses Thema nie mein Ziel. Aber bei all meinen Recherchen als Heimatforscher in den vergangenen Jahren ist es mir immer wieder an verschiedensten Stellen begegnet. Darüber hinaus hatte ich natürlich gelesen, was Heimatforscher-Kollegen wie Manfred Fischer zur Reformation in verschiedenen Publikationen wie dem „Mühlrad“ veröffentlicht hatten. Als das Kreisbildungswerk dann im letzten Jahr auf mich zukam und um einen Vortrag zum Thema Reformation anfragte, habe ich mich auf die Suche gemacht und zusammengetragen, was mir in meinen Augen wichtig erscheint. Dazu zählen vor allem auch die Dinge, die sich in den kleinen Landgemeinden wie Salmanskirchen abgespielt haben. Damit hatte ich mich wiederum vor Jahren bei den Recherchen für ein Heimatbuch beschäftigt. Das zeigt: Viele Wege führen zum Ziel.
Die ersten Vorträge über die Spuren der Reformation im Landkreis liegen hinter Ihnen. Was interessiert die Zuhörer?
Als Referent ist es an sich schon interessant, wie viele Zuhörer überhaupt zu so einem doch sehr speziellen Vortrag kommen. Das gestaltet sich ganz unterschiedlich. Mal sind es zehn, mal 30 Zuhörer. Dabei drehen sich die Fragen natürlich immer um das Konkubinat der Priester und zum Beispiel auch um die Taufe in deutscher Sprache. Schnell steht dann die Frage im Raum, welche Fehler die katholische Kirche damals gemacht hatte. Aber das wiederum ist nicht mein Thema: Ich bin Heimatforscher und Chronist, kein Theologe.
Und was interessiert den Heimatforscher und Chronisten?
Mich interessiert besonders, wie damals das einfache Volk mit dem Thema umging. Das kommt daher, dass ich auch viel Hofgeschichtsforschung in der Region betreibe und deshalb mich mit dem einfachen Leben auf dem Land seit dem 16. Jahrhundert beschäftige. Und in diesem Zusammenhang finde ich es auch spannend, wie die jeweiligen Hofmarkherren zu den neuen religiösen Lehren standen. Da komme ich wieder auf Salmanskirchen: Dass dort die Hofmarksherren über zwei Generationen mit der neuen Bewegung sympathisiert haben, ist ganz sicher eine Besonderheit in Südbayern. An den meisten anderen Orten war man entweder treu katholisch oder hatte vielleicht mal einen protestantischen „Ausreißer“ dabei.
Wie lässt sich das heute noch nachvollziehen?
Wie gesagt: Zum einen gibt es Aufzeichnungen in staatlichen und kirchlichen Archiven, zum anderen die Berichte und Aufsätze anderer Heimatforscher. Dazu kommt das Standardwerk von Reiner Braun aus dem Jahr 1991, das die „Bayerischen Teile des Erzbistums Salzburg und des Bistums Chiemsee in der Visitation des Jahres 1558“ darstellt. Darüber habe ich auf die Akten der Wiedertäufer zurückgegriffen, die je nach Pfleggericht in den Staatsarchiven München und Landshut lagern. Es ist zum Teil schon sehr komplex. Vor allem, wenn man nicht perfekt Latein beherrscht. Da bin ich dann auch wieder auf fremde Hilfe angewiesen.