Mühldorf – Michael Altinger ist sichtlich irritiert: Vorbei die Zeit der aufmüpfigen Jugend, der Rebellion im Kinderzimmer. Noch nie waren sich Eltern und ihre Kinder so ähnlich, stellt er fest. Ging es früher um Abgrenzung, um ein bloß nicht mit dem anderen gesehen werden, so „werden Mami und Papi heute vorgeführt wie Rassedackel“ und dürfen sogar mit auf’s Musikfestival. Und trotzdem hat sich Michael Altinger getraut und zum Brettlboden im Mühldorfer Haberkasten einen jungen Kollegen eingeladen: Michael Elsener aus der Schweiz.
Der macht dem Mühldorfer Publikum gleich zu Beginn des Abends die Unterschiede zwischen Deutschen und Schweizern klar. Besonders interessiert ihn dabei die „perfide deutsche Art der Empörung“. Er müsse immer wieder feststellen, dass Bitten gar keine solchen seien, obwohl sie genauso klingen. Stattdessen verstecke sich dahinter ein verbaler Angriff, wenn auch nicht auf ihn selbst, so auf einen Mitreisenden oder Passanten und er – als neutraler Schweizer – werde aufgrund dieser Unart des Deutschen ständig in heikle verbale Konfrontationen verstrickt. Vom Abgasskandal kommt er zur FIFA und erklärt dem Publikum im Haberkasten in bester „Sendung-mit-der-Maus-Manier“, wie die FIFA funktioniert und wieso sie gerne Weltmeisterschaften an Länder mit „wenig Rasen und viel Sand vergibt“.
„Voll verappled“ düst Winfried Klima durch die digitale Welt: Hotspots, Smartphones, Facebook und Twitter, sogar die Häuser sind mittlerweile schon intelligenter als ihre Besitzer, vom Kühlschrank gar nicht erst zu reden, der während des Sommerurlaubs regelmäßig Statusberichte liefert und falls doch mal ein Problem auftaucht, dann hat Winfried Klima sicher die richtige App parat, sogar so eine, die ihn vor dem nahenden Tsunami am Chiemsee warnt. Von der „Generation Diaprojektor“ macht er sein Publikum zum „Neudeutsch-Profi“, ein sprachlich digitaler Kollateralschaden. Und am Ende bringt er endlich Licht ins Dunkel: Woher kommt der angebissene Apfel bei iPad und Co? Adam und Eva, die Schlange, die verbotene Frucht und Gottes digitale Welt – in seiner „Schöpfungsgeschichte Reloaded“ gibt er die Antwort auf die Frage aller Fragen.
Wie gewohnt führt Michael Altinger bei seinem „Brettl“ durchs Programm, nutzt die kurzen Bühnenmomente zwischen seinen drei Gästen aber für so manche Pointe. So macht er dem Publikum die Zusammenhänge zwischen ungeschliffenen Diamanten und Deppen deutlich und schildert, wie man richtig nach dem Weg fragt und gleichzeitig eine Familie gründen kann.
Als Letzten im Bunde präsentiert er dem Mühldorfer Publikum Gaston, einen Zauberer mit Zwangsstörung. Nicht einmal die Selbsthilfegruppe „Fertige Finger“ habe ihm helfen können, beklagt der unglückliche Magier. Er kann das Tricksen einfach nicht lassen und zieht immerzu weiter Tücher aus seinen Taschen und Fingern, ehe er sie in der Luft zu kleinen Fetzen zerwedelt.
Anschließend macht er sich mit einer Sanduhr auf die Suche nach der Zeit – und das Publikum ist erstaunt, wie viel Sand-Zeit in solch ein kleines Fläschchen passt. Unablässig rinnt der Sand durch seine Finger, ja und irgendwann, dann ist sie abgelaufen, die Zeit, nicht nur für Gaston, sondern auch für Michael Elsener, Winfried Klima und Michael Altingers Brettlboden. Zumindest diesmal.