Zu zweit ist’s besser als allein

von Redaktion

Mit einer Parabel über Flüchtlinge eröffnet das Theater Wasserburg seine Spielzeit

Wasserburg – „Robinson soll nicht sterben“ heißt das Büchlein von Friedrich Forster, das viele aus ihrer Schulzeit kennen. Und in der Tat scheint der Robinson-Stoff unsterblich zu sein, so unsterblich, dass er sogar für die heutige Flüchtlingsthematik fruchtbar gemacht wurde. Raoul Biltgen, ein in Wien lebender Luxemburger Schauspieler und Autor, hat ein Theaterstück geschrieben mit dem Titel „Robinson – meine Insel gehört mir“. Damit eröffnete das Theater Wasserburg die Saison.

Gehört uns unser Land wirklich? Und warum? Das Stück geht dieser Frage nach in einer betont lockeren, plauderhaften und durchaus witzigen Sprache und Argumentation. Es entsteht eine Parabel für unsere Flüchtlingsthematik.

Eine Palme zittert im Wind, die Grillen zirpen, das Meer rauscht, Robinson steht barfüßig im Anzug da und geht dann auf und ab auf „seiner“ Insel, auf die es ihn nach einem Kreuzfahrtschiffsunglück verschlagen hat. Er ist jetzt ein Großgrundbesitzer: Er besitzt ja eine ganze Insel! „Alles meins!“ rappt er. Und doch hat er Angst, dass ihm jemand „seine“ Insel wegnehmen könnte und baut sich deshalb einen Zaun herum.

Und dann kommt auch einer – auch er ein Schiffbrüchiger, gleicher Anzug, gleiche Barfüßigkeit, gleicher Mensch also. Hat er auch ein Recht auf diese Insel? Hat er ein Recht darauf, dass der Insel-„Besitzer“ mit ihm teilen muss? Muss er sich an Robinsons Gesetze, Regeln und Werte halten? Das diskutiert und kämpft schließlich Robinson mit dem Fremden, „Freitag“ genannt, durch, beide lösen aber alles mit Humor: Zu zweit ist’s einfach besser als allein.

Benedikt Zimmermann als Robinson und Mike Sobotka als Freitag spielen das unter der unauffälligen, aber wirkungsvollen Regie von Frank Piotraschke sehr anschaulich, anspringend und anstellig. Beide, vor allem aber Zimmermann, spielen sich mit dem Text, gliedern ihn didaktisch durch kunstvoll eingesetzte Pausen und präsentieren ihn griffig. Videoprojektionen auf einer großen Leinwand sorgen für ein Inselatmosphäre und visuelle Untermalung des Gesagten.

Nach knapp einer Stunde ist das Stück aus – ein paar Argumente mehr hätten diese Diskussion schon vertiefen können. Gedankenanregend ist es aber, vor allem auch für Jugendliche, die hier als Schüler in Vielzahl da waren und zusammen mit den Erwachsenen herzlich Beifall spendeten.

Weitere Aufführungen am heutigen Samstag um 20 Uhr, am morgigen Sonntag um 11 Uhr, am 10. und, 11. November, jeweils um 20 Uhr sowie am 12. November um 19 Uhr.