Waldkraiburg – Kinder verändern das Leben, vielleicht auch den Charakter. Sarah Hakenberg ist der erfrischende Beweis dafür, dass dies keine zwingende Gesetzmäßigkeit ist. Gebürtig kommt die Kabarettistin aus Zorneding, zog der Liebe wegen vor ein paar Jahren nach Ostwestfalen, bekam zwei Kinder, was sie aber nicht davon abhält, weiter auf der Bühne zu stehen. Zum Glück.
Wenn Sarah Hakenberg mit durchgedrücktem Rücken am Klavier sitzt, sieht man eine mädchenhafte Frau, harmlos, sehr nett, brav lächelnd. Sie neigt gerne den Kopf etwas zur Seite, was sie noch netter aussehen lässt. Und wenn diese Person dann in die Tasten des Klaviers haut und mit ihrer stets wohltarierten Stimme Mordszenarien raushaut („Warum sich ärgern und weinen und zanken? Oft hilft ein kleiner Mord in Gedanken!“), verfehlt das seine Wirkung nicht.
Ihre Auftritte leben von eben diesem Gegensatz zwischen harmlosem Äußeren und bitterbösem Humor. „Es gibt immer wieder Leute, die in der Pause gehen“, erzählt sie im Plauderton. Wegen eines Liedes etwa über Seniorenyoga, bei dem einer die Übung namens „Kadaver“ zu wörtlich genommen habe. Gehen wollte in Waldkraiburg aber niemand. Im Gegenteil. Mit Charme und viel Biss hatte sie im Handumdrehen die Sympathien des Publikums auf ihrer Seite.
In ihrem neuen Programm „Nur Mut“ sind Ängste das Thema, das als roter Faden durch den Abend führt. Über 650 wissenschaftlich anerkannte Ängste gebe es, versichert sie. Für die Kabarettistin ist das ein reichhaltiger Fundus: Angst vor Truthähnen, vor Flöten (Aulophobie), vor dem Lachen (Gelotophobie) oder auch sehr schön, die Angst vor leeren Gläsern (Cenosillicaphobie). Ob es Anatidaephobie, also die Angst, von einer Ente beobachtet zu werden, wirklich gibt, sei dahingestellt.
Ängste treiben seltene Blüten, und so hat sie ein Lied geschrieben, das wohl nur im Ruhrpott entstehen kann: „Unser Sohn ist Schalke-Fan – wenn das die Nachbarn sehn“.
Ängsten könne man mit einer Konfrontationstherapie begegnen, in der man sich der Angst stellt. Bei Sarah Hakenberg reicht eine Sitzung, zumindest für diejenigen, die etwa Angst vor Fremden haben. Neben Luftballons, die Platzangst haben, wird es bei ihr so richtig makaber, wenn sie über „Heinrichs heile Welt“ singt, in der es um eine Kinderparty für den NPD-Nachwuchs geht.
In ihrer Zugabe nimmt sie dann noch den Musikantenstadl auf die Schippe, der mit nur fünf „Schlagermoves“ auskommt, darunter Hansi Hinterseers Fingerhaken, die „Kleine und die große Sonne“ oder Helene Fischers Expander. Am Ende gab es begeisterteren Applaus.