Die neue Lehre in den Hofmarken
In mehreren adeligen Hofmarken gab es Anhänger der neuen Lehre. Am deutlichsten wird dies in der Hofmark Salmanskirchen. Hofmarksherr Degenhart Pfäffinger stand im Dienste des Kurfürsten von Sachsen. In Dresden begegnete er Martin Luther und Georg Spalatin. Auf Pfäffinger folgte Hanns III. Herzheimer, der zwei seiner Söhne zum Studium nach Wittenberg schickte. Einer von ihnen, Hanns Baptist, der sich nun Hanns Jordan nannte, übernahm 1532 von seinem Vater die Hofmark. Der nächste Hofmarksherr hieß 1573 Chuno Herzheimer. Er war wie sein Vater Anhänger der Reformation. Da er keinen lutherischen Prädikanten anstellen durfte, hielt er Vorträge aus Luthers Schriften.
Wiedertäufer hingerichtet
Ab 1525 verbreitete sich die Forderung nach der Bekenntnistaufe für Erwachsene. In zahlreichen Ortschaften im Salzburgerischen gab es Todesurteile; auch in Mühldorf wurden drei Wiedertäufer hingerichtet.
Die Provinzialsynode 1553 in Mühldorf
Herzog Albrecht V. klagte wiederholt über die Missstände beim Klerus, die Vernachlässigung aller kirchlichen Gebote und das Vordringen des Protestantismus. Er konnte seinen Onkel, den Salzburger Erzbischof Ernst von Bayern, dazu bewegen, vom 17. bis zum 30. September 1553 in Mühldorf eine Provinzialsynode abzuhalten.
Dort trafen sich der Salzburger Erzbischof Ernst, der Bischof von Regensburg und Vertreter des Herzogs Albrecht V. und des Königs Ferdinand von Österreich. Es ging um die Abschaffung der Kelchkommunion beim Empfang des Abendmahls. Die Synode erließ ein scharfes Mandat gegen alle Priester und Laien, die gegen die offizielle Lehre der Kirche verstießen.
Visitation von 1558 im Raum Mühldorf
Am 22. Juni 1558 wurde zwischen Bayern und Salzburg eine Generalvisitation aller Pfarreien beschlossen. Die Kommissäre erforschten das Wirken der Priester, das religiöse Leben des Volks, die Einhaltung der kirchlichen Gebote, Sakramente und Traditionen und die Katechese in Kirchen und Schulen.
Verdächtige Bücher beschlagnahmt
Sie beschlagnahmten 1558 verdächtige Bücher. So fanden sie im Kloster Gars beim Propst eine Reihe verdächtiger Schriften. Im Kloster Au hatte schon der Vorgänger des amtierenden Propstes solche Schriften „hineinpracht und von wunders wegen gelesen, doch nit daraus gepredigt“, sondern „dermassen verwart, daß kain conventual darzue kommen mög“, heißt es in einem Bericht.
Winkelprediger künden Luthers Lehre
Immer wieder wurde festgestellt, dass Bauern sich solche Bücher kauften und daraus vorlesen ließen. Einige Männer und Frauen brachten die neue Lehre unter das Volk; sie hießen „Winkelprediger“. In Gars gab es 1558 Gläubige, die sich in Häusern trafen und „Wincklpredigt“ hielten. In der Pfarrei Lafering-Taufkirchen kauften sich Bauern Bücher und ließen sich daraus vorlesen. Der Schulmeister Georgius Schroll in Kraiburg lehrte Luthers Katechismus.
Glaubensbekenntnis und Messe
Die Visitatoren prüften die Haltung der Geistlichen. Als der Ampfinger Kaplan Bernhard Förg erklärte: „So er nur an Gott glaube, so werde er selig“, wurde er von den Prüfern solange einer Belehrung unterzogen, bis er wieder „mit der Kirche glaubte“.
Den Einfluss der Lehre Luthers über die heilige Messe fanden die Visitatoren in den Aussagen einiger Geistlicher: Jakobus Krebs in Lafering bezeichnete die Messe als „Dankopfer in Erinnerung an die Erlösung“. Der Ampfinger Förg glaubte, dass „die meß … durch die apostl aufgericht worden“ sei und nicht durch Jesus Christus.
Kreuzgänge und Weihen
Das Gehen „mit dem creitz“ verschwand aus der religiösen Praxis und wurde mit Verachtung belegt, genauso wie Palm- und Wachsweihen oder die Verwendung von Weihwasser. In Kraiburg brachten die Leute weder „palm, wax noch anderes“ zum Weihen in die Kirche. Den „weichpronnen“ schätzte man auch in Mettenheim wenig.
An den Kreuzgängen in Kraiburg und St. Maximilian nahmen die Leute ebenso wenig teil wie in St. Erasmus, Buchbach, Mettenheim, Erharting, Oberbergkirchen, Oberflossing, Altmühldorf, Schönberg, Feichten und Elsenbach.
Söhne von Priestern wurden Priester
Um Mitte des 16. Jahrhunderts missachteten immer mehr Priester den Zölibat und lebten im Konkubinat, viele hatten Kinder. Dutzende Fälle im Landkreis sind belegt, darunter auch hochrangige Geistliche. So hatte der Prälat und Propst des Klosters Gars, Georg Hadersperger, mit seiner Konkubine drei Kinder. Er ließ ihr ein Haus auf dem Berg bauen. Dekan Johannes Zollner hatte mit seiner Konkubine im Markt Gars sogar fünf Kinder. Chorherr und Senior des Klosters Gars Wolfgang Widmer, der die Pfarrei Wang betreute, hatte mit seiner Konkubine einen Sohn, der sogar Pfarrer geworden ist.
In der Pfarrei Grünthal hatte Vikar Christophorus Zaunlehner mit seiner verstorbenen Köchin drei Kinder, aber – immerhin – mit der jetzigen Köchin keines, hieß es. Auch in Fraham, Reichertsheim, Au, Lauterbach, Buchbach, Wörth, Walkersaich, Neumarkt-St. Veit, Niedertaufkirchen, Erharting und Ensdorf hatten Priester mit ihren Köchinnen bis zu fünf Kinder.
Das Benediktinerkloster St. Veit hatte 1558 keinen Abt, denn Abt Andreas Kirchisner war der Sodomie bezichtigt und inhaftiert worden. Über Pfarrer Georg Messenhauser in Mettenheim hieß es: Er hatte mit seiner Köchin vier Kinder, verhielt sich aber katholisch.
Kommunionempfang in deutscher Sprache
Immer wieder erfuhren die Visitatoren, dass Messe und die Taufe in deutscher Sprache gehalten werde. In Reichertsheim zum Beispiel ließ sich Pfarrer Georg Praunsberger „mit bösen Worten auf der Kanzel hören“. In Schwindkirchen verlangten immer mehr Personen, dass PfarrerPraunsbergerdie Messe auf Deutsch lesen sollte.
Vier schwangeren Frauen musste der Pfarrer in Oberbergkirchen die Kommunion unter beiderlei Gestalt reichen, damit sie nicht außerhalb der Pfarrei ihre Kinder zur Welt brachten. Vom Pfarrvolk der Pfarrei Schönberg gingen die meisten nach Schwindkirchen oder Bonbruck, um dort Brot und Wein zu kommunizieren.
In der Pfarrei Ensdorf wollten 300 von 700 Kommunikanten nicht mehr beichten und verlangten die Kelchkommunion. Auch Hofmarksherr Wolf Tauffkirchner zu Guttenburg soll das Sakrament so empfangen haben.
Ende des 16. Jahrhunderts
Trotz der Bemühungen des Salzburger Erzbischofs und der Herzöge von Bayern gab es bis zum Ende des 16. Jahrhunderts evangelisch gesinnte Christen. Einer war Propst Abraham Kronberger im Kloster Au, der das Kloster von 1581 bis 1593 führte. Er schloss sich der protestantischen Lehre an und nahm 1593 auf der Flucht nach Österreich 3000 Gulden aus dem Klostervermögen mit.
Eine gut ausgebildete neue Generation an Pfarrern brachte nach dem von 1545 bis 1563 dauernden Konzil in Trient im katholischen Herzogtum Bayern in vielen Pfarreien wieder eine Beruhigung und neue Kontinuität für die römisch-katholische Kirche für die folgenden beiden Jahrhunderte.
Auf Basis des 17-seitigen Manuskripts, zusammengefasst von Markus Honervogt und Wolfgang Haserer.