Bayerische Basstage

Ein Leben für den Bass

von Redaktion

„Masters of Bass“-Abschluss im Haberkasten mit 55 Bassgeigern, Welt-Elite und nerviger Nostalgie

Auf das Trio Heinning Sieverts-Christian Elsässer-Mathias Gmelin wartete man letzten Freitagabend gern bis nach der Pause, um nochmal geballt wirklich tolle „Masters of Bass“ des Jahres 2017 zu erleben. Der Mühldorfer Haberkasten war beim Schlusskonzert der Vierten Bayerischen Bass-Tage gesteckt voller enthusiasmierter Zuhörer, einige von ihnen ganz jung, viele etwas älter jung und jede Menge erwachsene Junggebliebene, die meisten von ihnen aber im besten Alter – um noch Bassgeige oder Bassgitarre oder beides anzufangen.

In Claus Freudenstein, der sein Leben dem Bass verschrieb, hätten sie den Top-Manager und Best-Teacher. Ob er allerdings Zeit hätte für alle, die (von, sagen wir Sopranblockflöte) auf ein bassiges Instrument mit oder ohne Verstärker umsteigen wollten, ist fraglich. Denn der Mühldorfer ist voll ausgelastet. Bestens „im Geschäft“ – und im Kontakt mit vielen tollen Leuten seines Fachs, ob Geige oder Gitarre. Ob E oder ohne E. Ob Pop, Rock oder klassisch. Ganz normal. So wie Freudenstein die Weltberühmtheit aus Israel vorstellte: den bescheiden-sympathisch lächelnden Hagai Bilitzky, der zwei Stücke wundervoll zart und besonnen improvisierte, dass selbst der Abgebrühteste im wirbeligen Publikum feuchte Augen bekam.

Zu lang waren die Umbaupausen des zeitlich leicht überzogenen Konzertabends. Eines Abends, der so vielversprechend wie selten einer begann: mit sage und schreibe 55 Bassgeigen, braunen, schwarzen und grünen, zu denen reife Jugendliche ebenso griffen wie, dank der Hilfe von Elisabeth Büttner, ganz kleine Mädchen und Jungs, um Freudensteins höchst selbst hervorgebrachte „Bass-Hymne“ an- und mit diesem versonnenen Stück in den Abend einzustimmen.

Es sei bereits „um die Welt gegangen“, verriet sein Komponist, der kaum zu einem Ende fand, seine gelehrigen Schüler zu loben, eine lange Liste von Sponsoren herunterzubeten und dafür zu werben, dass die Stadt Mühldorf es sich doch bitte nochmal überlegen sollte, ob sie ihre „Drohung“, die seit 2014 laufende Veranstaltung künftig nur alle zwei Jahre durchzuführen, wahr machen will.

Claus Freudensteins pädagogischer Impetus verdient große Anerkennung. Die Stile, sagte er, müssten wechseln, die Einflüsse, „die der Bass hat“, müssten bekannt gemacht werden. Dafür holte er sich Spezialisten, aus Nürnberg etwa Professor Dorin Mark, aus München etwa Thomas Hille vom Kontrabass-Solopult und aus der Schweiz Elisabeth Büttner. Gern hätte man, als Nicht-Bassist, nicht nur die „speziellen Klang-Welten“ kennengelernt, die mit Kostproben höchster Kunstfertigkeit den Haberkasten beben ließen, sondern auch Neues erfahren über Wirkungen, Möglichkeiten und Spezifika der tiefen Ton-Lagen.

Doch des Abends erster Teil gehörte, zu Unrecht, großenteils dem Duo Sabine Reiner/Markus Setzer aus Hamburg. Die beiden blieben monoton mit nichts als Nordsee-Nostalgie („Leise getragen vom Schaukeln der See …“) bei nervig ständig hochgeworfenem linkem Arm der mit der Rechten das Mikro haltenden Sängerin. Außerdem: CD-Eigen-Werbung während der Performance ist aufdringlich. Und verstimmt. Große Könner haben die nicht nötig.

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