Konzert

Stimme wie Samt und Rauch

von Redaktion

Wally und Ami Warning traten einzeln und gemeinsam im Haus der Kultur in Waldkraiburg auf

Man sucht natürlich Gemeinsamkeiten, wenn Vater und Tochter miteinander auf der Bühne stehen. Die gibt es. Aber platte Parallelen zwischen Wally und Ami Warning gibt es nicht. Da kommt diese junge Frau auf die Bühne im Waldkraiburger Haus der Kultur, anfang 20 ist sie, zusammen mit ihrem Vater, Wally Warning, der viele Jahre Bühnenerfahrung hat. Sie sagt, dass keine Pause geplant ist, sich aber alle etwas zu trinken holen dürfen. Ganz ruhig klingt sie.

Dann erzählt er, dass er aus Aruba kommt, einer Insel in der östlichen Karibik. Und er beginnt ein Lied in der Sprache Apiamento zu singen. Nur seine Stimme und die Gitarre. Ein paar Akkorde, aber man hat irgendwie gleich die Melodie erfasst. Sein schnelles Spiel und seine Stimme klingen nach Karibik. „Jesus leitet mich“ heißt das Lied.

Vielleicht kein Thema, das jemand um die 20, aufgewachsen in München, so wie Ami, schreiben würde. Sie singt im Refrain die zweite Stimme. Immer nur kurz, aber man ahnt schon: Diese junge Frau klingt wie Samt und Rauch; tief, weich und manchmal ein wenig traurig.

Reaggea, Blues, Soul, Funk – Ballade, Up Tempo – Liebeskummer, Natur, Jesus. Vater und Tochter sind musikalisch und thematisch sehr vielseitig an diesem Abend im Haus der Kultur. Und sie wechseln in den Stimmungen und Stilen von Song zu Song, entscheiden spontan, was sie als Nächstes spielen. Für die schnellen Nummern haben sie den jungen Schlagzeuger Ruben Lipka an ihrer Seite. Er haut im wahrsten Sinne des Wortes richtig rein, hält sich bei manchen Songs einfach raus. Denn wenn es eine Gemeinsamkeit zwischen Vater und Tochter gibt, dann ist es die, dass beide etwas Magisches haben, wenn sie einfach nur singen und dazu Gitarre spielen.

Wallys Songs merkt man an, dass er eben schon einiges erlebt hat: Er besingt seinen Stiefvater, einen Prediger, der zwar streng war, es aber immer gut meinte. Ja, es geht natürlich auch um die Liebe. Er reißt einen mit, bringt einen zum Lachen – egal, ob er Englisch oder Apiamento singt. Er sagt an diesem Abend, dass er gerne mit wenigen Akkorden arbeitet. Aber er macht daraus Unglaubliches. In einem Lied singt er: „Don´t let the monkey control your mind!“ Dieser Affe, ein Bild für schlechte Gedanken, der alles mögliche kontrollieren möchte, ist ein Bild, das einen Schmunzeln lässt, nicht unbedingt die Melodie. Das ist irgendwo zwischen Reggae und Funk. Der Saal ist in Bewegung.

Amis Songs sind anders. Auch sie hat mit „Jungle“ eine funkige Nummer als Einstieg gewählt. „Ihr seid so ruhig“, sagt sie dem Waldkraiburger Publikum danach. Sie scheint sich darüber zu freuen und entscheidet sich für einen deutschen Song, eine Ballade. Nur sie und die Gitarre – und Liebeskummer. „Mann und Frau“ heißt das Lied. Vergleiche sind nie treffend, aber um ungefähr zu beschreiben, wie sich Ami Warning anhört, muss man einen ziehen. Sie klingt wie Sade, nur tiefer, gerade wenn sie besonders traurig sind, auch heiser. Dann hört man Zeilen wie „Wir sehen den Himmel nicht mehr, vor lauter Licht“. Sie trifft ein Lebensgefühl, das man mit 30 nur noch als Erinnerung kennt. Eine Liedermacherin, die außerdem auch noch Soul, Reggae und Funk beherrscht. Ganz der Papa, und doch anders.

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