Mühldorf – „I sprech‘ nur sehr gebrochn Hochdeitsch“, sagt Norbert Schneider nach dem zweiten Lied auf der Bühne des Haberkastens. Er spricht dieses Wienerisch, das hier jedem irgendwie verwandt vorkommt. Aber auch einen Hauch exotisch-großstädtisch. „Mia a“, antwortet ihm ein Mann im Publikum. Gelächter. Auch Norbert Schneider grinst. Der Bluesmusiker aus Wien und das Mühldorfer Publikum – es war Liebe auf die erste Note und das erste gesungene Wort.
Schneider, der mit einer siebenköpfigen Band am Freitagabend im Haberkasten spielte, ist in Österreich, nun ja: ziemlich bekannt. Seine Lieder laufen im Radiosender Ö3, er hat bei der österreichischen Version von „Let´s dance!“ mitgemacht. Ein Teil des Publikums war aus Österreich angereist, um ihn zu hören, andere kannten einige seiner Songs aus dem Radio. Aber er und seine wirklich grandiose Band hauen einen auch um, wenn man ihn noch nicht kennt.
Denn er und die anderen sieben Männer auf der Bühne sind fantastische Musiker, die Blues, Jazz, Reggae und Ska auf hohem Niveau spielen. Die Jungs, oder für Wiener Musiker viel treffender: Herren, heizten so richtig ein. Drei Bläser, ein Pianist, ein Gitarrist, ein Schlagzeuger, ein Bassist und Norbert Schneider an der halbakustischen Gibson-Gitarre ergeben zusammen natürlich einen fetten Sound. Abgesehen davon, dass jeder für sich ein richtig guter Musiker ist, boten gerade die Herren an Trompete, Saxofon und Posaune auch noch amüsante kleine Tanz- und Showeinlagen mit der nötigen Portion Selbstironie. Soweit hätte der Abend jedem gefallen, der guten Blues oder Jazz mag.
Zumindest in Mühldorf sprang der Funke auch über, weil der Chef auf der Bühne die meiste Zeit auf Wienerisch sang – was für Mühldorfer Ohren an sich schon gefällig, charmant und lässig klingt. „Goschad“ halt.
Die Songs stammen mal von Schneiders jüngstem Album, mal vom österreichischen Liedermacher Georg Danzer. Dazu kommen ältere Titel mit eigenen, goschaden Texten. Da sieht er gleich, dass einer ein „Intelligenzler“ ist, um im nächsten Vers zu spotten: „I versteh ned wiara gscheida Mensch so bläd sei ka“.
Meistens richtet sich Schneiders Ironie aber nicht gegen andere, sondern gegen sich selbst. „Olles, wos i angreif, wead hi“, singt er beispielsweise. Da trifft er endlich mal eine Frau, die fesch ist, und „trotzdem keck“, aber dann passt er kurz nicht auf, und sie ist weg. Die Art, wie er Georg Danzers „Der legendäre Wixer-Blues vom 7. Oktober 1976“, interpretiert, bringt die Leute trotz des tabuisierten Themas zum Lachen. Natürlich liegt das an Danzers Text. Aber Norbert Schneider hat eben noch dazu diese herrlich-trockene Art, über diese schlüpfrige Lösung zu singen.
So spricht er zwischen den Songs auch mit dem Publikum. „I hob scho viele Hiitte g’hobt“, sagt er mit einem Lachen im Ansatz. „Hiitte“ sagt er, und meint: Hits. Ein selbstironischer Brüller, einer von vielen an diesem Abend. Norbert Schneider und seine Band waren im Haberkasten definitiv der „Hiit“ oder, in anderen Worten: Da Waahnsiinn!