Mühldorf – Michl Müller in Mühldorf. Das zieht. Mühelos füllte der Unterfranke am Samstagabend den Stadtsaal. In Jeans, Turnschuhen und mit schwarzem „Dreggsagg“-T-Shirt lästerte er gleich mal über Halloween. Eigentlich witzig. Leider war dann der Sprung hin zu Themen wie Männer-Hygiene, Intimrasuren und frische Unterhosen ein sehr kurzer.
Es folgt der erste Schlager: „Maschin kaputt“, eine Persiflage auf Helene Fischer. Eigentlich auch witzig, wenn da nicht die vielen nachfolgenden Müller-Songs wären, die nach genau dem gleichen Muster funktionieren. Doch das Konzept geht auf: Kaum stimmt Schlager-Michl einen seiner Ohrwürmer mit leicht verdaulichem Text an, wird mitgeklatscht und mitgesungen. Bierzeltstimmung. So singt ein ganzer Saal „Und es macht Beep Beep Beep“. Gemeint ist ein Rauchmelder, der beim Sex meldet.
„Müller… nicht Shakespeare“ heißt das aktuelle Programm. Entsprechend dekoriert ist die Bühne, etwa mit dem weltberühmten Julia-Balkon oder einem Totenkopf, der sich als sächsisch sprechender Shakespeare entpuppt. Inhaltlich geht es um den Geschlechterkampf, um die Suche nach Glück, um Unsterblichkeit – und um die Liebe! Und so redet Müller im tiefsten Fränkisch über Frauen, die gerne shoppen gehen; über Männer, für die das ein Graus ist; über Frauen, die gerne reden und wissen wollen: „An was denkst du? Wie fühlst du dich? Wie meinst du das?“ Und über Männer, die mit knappen Antworten in die Falle tappen. Nicht wirklich neu, aber immer noch für einen Lacher gut: Themen wie Hotlines mit endloser Wartezeit oder Berater im Baumarkt, die sich in Regalen verstecken, sobald ein Kunde naht.
Auch ein wenig politisch wird es, wenn sich Michl Müller als wirklich gekonnter Imitator entpuppt. Um Inhalte geht es dabei aber weniger. Vielmehr verteilt Müller im Schnelldurchgang nach dem Gießkannenprinzip Kommentare über alle Parteien hinweg. Trump nennt er den Mann mit „dem toten Hamster auf dem Kopf“, Erdogan das „Sultaninchen vom Bosporus“ und Gerhard Schröder den „Gasableser von Putin“. Und Jamaika? „Da denk ich an Sonne, Strand und Lebensfreude. Und was seh‘ ich? Merkel, Seehofer und Dobrindt, aber das ist Mecklenburgische Seenplatte im Winter.“
Trotz seichtem Fahrwasser ist es für Michl Müller ein Leichtes, die Zuschauer mitzureißen. Auch dank der Anspielungen auf Mühldorf, für die an dem Abend Zuschauer Alois aus der ersten Reihe herhalten muss.
Unter dem Strich: Viel Klamauk und unterhaltsame, kurzweilige Comedy.