Kabarett

Das lustige Leiden am Leben

von Redaktion

Josef Hader spielt Josef Hader im fast ausverkauften Mühldorfer Stadtsaal vor begeistertem Publikum

Mühldorf – Er macht ja kein Geheimnis aus dem, was er auf der Bühne tut. Oder besser, was er nicht tut. „Diese starke Botschaft hab ich nicht“, sagt er, als er überlegt, was er seinem Publikum im Mühldorfer Stadtsaal mit nach Hause geben kann. Nein, wahrscheinlich hat Hader keine Botschaft, zumindest keine vordergründige: „Am Anfang war das Nix“, ein kurzer Satz, der programmatisch gilt, in der Mitte genauso wie am Ende.

Keine politische Aussage und keine sozialkritische, niemand, der ihn ernst nimmt, ein Kabarettist als Mensch, der keinen Beruf gelernt hat, der als ewig grinsender Delfin auftreten muss, unsympathisch, verachtenswert: Hader hat es nicht leicht mit sich – und dafür liebt ihn sein Publikum.

Denn er ist perfekt. Perfekt, wenn es darum geht, dem Abend den Charakter des Spontanen zu geben. Alles wirkt improvisiert, vorübergehend, zufällig, als ob es ihm gerade einfalle. Ob er auf seinem elektrischen Klavier spielt (das übrigens einen beleidigend schlechten Klang hat, der viel schlechter ist als das von Hader als schlecht angekündigte Klavierspiel), sich in die Pause verabschiedet oder eine Eröffnung für den Abend sucht. Seine Pointen wirken wie eben erdacht. Sie sitzen.

Es ist weniger klassisches Nummernkabarett als viel mehr ein kabarettistischer Einakter, ein Monolog, den Hader mit dem Publikum führt. Oft sind es Halbsätze, überraschend, kurios, ungewöhnlich. So absurd wie der scheinbar assoziative Themenmix, der vom Stadt-Landkonflikt über Katzen und die Scheidung bis zum brüllend komischen Vorurteileschmieden reicht. Darin versteckt ein kleines Körnchen Botschaft: „Ein Vorurteil ist gelebte Erfahrung. Von anderen.“ Hader spielt mit dem Tempo, variiert die Stimmung, dressiert das Publikum.

Mancher Gag wirkt abgehangen, wie die Geschichte der Erdbeeraromen scheißenden Colibakterien bei der Herstellung des Fruchtjoghurts. Das mag am Konzept des Programms liegen, das der Wiener fortschreibt, mit neuen Elementen versetzt und spielt und spielt und spielt. Seit 1997, 2011 grundlegend überarbeitet. An vielen Stellen ist es überragend.

Hader ist Hader, er spielt Hader, warum auch nicht? Es geht ohne vordergründige Botschaft, denn er ist die Botschaft, seine Sicht auf die Welt, an deren Absurditäten er hörbar leidet – wenn er sich nicht gerade wie ein Bub diebisch darüber freut. Und wenn die Welt schon absurd ist, darf es ein Kabarettabend natürlich auch sein. Vor allem, wenn er so lustig ist.

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