65 Jahre Orchestergemeinschaft Waldkraiburg: Worauf darf sich das Publikum beim Jubiläumskonzert am Sonntag freuen?
Auf einen abwechslungsreichen Abend, der sich über drei Stilepochen erstreckt. Wir beginnen mit einem Flötenkonzert in kleiner Besetzung von Giovanni Battista Pergolesi, spielen Gustav Holst’s St.-Paul-Suite und das Doppelkonzert für Violine und Klavier des jungen Felix Mendelssohn-Bartholdy, das er im Alter von 14 Jahren für sich und seinen Geigenlehrer geschrieben hat. Ein irres Ding. Wir haben das Konzert ja bereits am Wochenende in Pfarrkirchen gespielt, da war die Resonanz der Besucher sehr gut.
Die Kooperation mit dem Orchester in Pfarrkirchen besteht seit rund drei Jahren. Ist das ein Weg, den Fortbestand des Orchesters auch weiterhin zu sichern?
Der Kontakt kam über unseren Bratscher Manfred Gleim zustande, der früher in Pfarrkirchen unterrichtet hat und wiederum eine Geigerin aus dem Orchester kannte. So ist eine musikalische Freundschaft entstanden. Aber natürlich: Derartige Kooperationen sind eine Möglichkeit, um dem Nachwuchsmangel zu begegnen.
Ein Problem, mit dem auch das Orchester in Mühldorf kämpft. Wäre auch eine Zusammenarbeit in den Landkreisgrenzen denkbar?
Aus meiner Sicht natürlich. Früher hatten wir Musiker im Orchester, die auch in Mühldorf gespielt haben, im Augenblick gibt es aber keinen Kontakt. Gerade die Kultur und die Musik könnte aber doch eine schöne Brücke zwischen den Städten bauen. Mein Bestreben ist es immer, die Konzerte aus eigener Kraft zu stemmen.
Was angesichts des Nachwuchsmangels immer schwieriger wird…
Ja, es ist ein Dilemma. Wir leben in schwierigen Zeiten. Da ist zum einen die Übermacht der elektronischen Medien, zum anderen ein riesiges Freizeitangebot. Beides schränkt die Kinder und Jugendlichen ein, zumal das Erlernen eines Instruments ein beständiges und diszipliniertes Arbeiten sowie durchaus eine hohe Frustrationstoleranz verlangt. Bis ein Kind eine solide Orchesterreife erlangt, vergehen sicher acht bis neun Jahre Instrumentalunterricht. Dann sind die Jugendlichen 17 oder 18 Jahre alt und setzen natürlich andere Prioritäten im Leben und es geht erst einmal um die Ausbildung oder das Studium, schließlich um Job und Familie. Ob diese Musiker dann wieder zu einem Orchester zurückfinden, ist fraglich. Aber das ist ein Thema, das nicht nur uns beschäftigt, sondern zum Beispiel auch in den Blaskapellen eine große Rolle spielt. Aber wir müssen nun einmal das beste daraus machen: Wir sind eben kein professioneller Spielbetrieb, können nicht mit Gagen locken, sondern sind auf die Liebe und Leidenschaft unserer Mitglieder angewiesen.
Wie lassen sich angesichts der großen Konkurrenz auf dem Veranstaltungsmarkt auch Besucher in die Konzerte locken, die bisher noch wenig oder keinen Kontakt zum Orchester hatten?
Eine gute Frage, die sich natürlich viele Dirigenten und Veranstalter stellen. Ich glaube, es geht vor allem mit einem Programm, das möglichst viele Interessen bedient. Dieses Mal bewegen wir uns vom Barock über die Hochromantik bis hin zu irischem Folk. Und wenn wir wie zuletzt auch einmal die Moderne anpacken, achten wir schon darauf, dass es noch eingängig bleibt. Ichwürde also keine stundenlange Mahler-Sinfonie auf das Programm setzen. Darüber hinaus gilt es, neue Wege zu gehen: Vor einigen Jahren haben wir eine Kinderoper aufgeführt und damit beim Publikum einen großen Erfolg gelandet. Angesichts des großen Aufwands müsste man allerdings gleich wieder mehrere Spieltermine ansetzen, was wiederum mit einem Laienorchester schwer umzusetzen ist.
Ein Teufelskreis…
Ja, das ist es manchmal. Und doch lohnt sich ein Besuch immer. Denn in meinen Augen ist ein Orchesterkonzert die höchste und heiligste Kunstform, die eine menschliche Gemeinschaft zustande bringen kann. Mit viel Wissen und noch mehr Arbeit erwecken die Musiker und der Dirigent die toten Noten auf einem Papier zum Leben. Das ist für mich auch nach so vielen Jahren immer noch ein faszinierender Prozess.