Aktuelles Interview: Michael Fliegner

„Nicht zu sehr im eigenen Saft schwimmen“

von Redaktion

25 Jahre Kunstverein Inn-Salzach: Die Künstlergruppe beschließt das Jubiläumsjahr mit ihrer Jahresausstellung, die am heutigen Donnerstag eröffnet wird. Im Interview zieht Vorsitzender Michael Fliegner Geburtstagsbilanz und wünscht sich für die Zukunft mehr Öffentlichkeit.

Wie fällt Ihre persönliche Bilanz zum Jubiläumsjahr aus?

Ich denke, wir haben mit vielen Aktionen wirklich einen schönen Geburtstag gefeiert. Von der Eröffnungsausstellung über unseren Besuch beim Kultursommer in Kitzbühel bis hin zur Themenausstellung „Talking Pieces“ im Haus der Kultur. In Erinnerung werden sicher auch die Grafikausstellung in der Kreisklinik Mühldorf oder die Fotoausstellungen im Adalbert-Stifter-Wohnheim in Waldkraiburg bleiben. Und die Jahresausstellung mit der Vorstellung unseres ersten Künstlerbuches wird nun ein abschließender Höhepunkt sein.

Was kann der Verein aus dem Jubiläumsjahr mitnehmen?

Das sind aus meiner Sicht zwei Dinge: Zum einen sollten wir weiter an unserer Gemeinschaft und an unserem Zusammenhalt arbeiten. Wir sind ein Verein mit 72 Mitgliedern. Das sind aber 72 Künstler und damit 72 Individualisten. Deshalb lässt sich der Kunstverein auch nicht mit einem Sport- oder Schützenverein vergleichen. Denn jedes Mitglied verfolgt eben auch ein ganz persönliches Ziel. Da ist dann auch der Vorstand gefordert, über gemeinsame Aktionen, Workshops oder Vereinsausflüge den Zusammenhalt zu stärken. Das ist übrigens auch ein Wunsch, den viele Mitglieder bei einer Umfrage zuletzt geäußert haben.

Und zum anderen?

Wir sollten uns noch stärker nach außen öffnen, um nicht zu sehr im eigenen Saft zu schwimmen. Die Gefahr, sich nur um sich selbst zu drehen, besteht generell im Vereinsleben. Doch gerade im kreativen Bereich sollte der Knoten immer wieder durchgeschlagen werden. Deshalb werden wir in Zukunft sicher verstärkt den Kontakt zu anderen Kunstvereinen suchen.

Zum Beispiel?

Die Zusammenarbeit mit dem Kunstverein in Kitzbühel ist längst etabliert. Für das kommende Jahr planen wir zudem den Besuch von Kunststudenten aus Ratibor, die in der Studiogalerie und in der Städtischen Galerie im Haus der Kultur ausstellen werden. Außerdem ist auch ein Gegenbesuch mit einer gemeinsamen Ausstellung in Polen vorgesehen. Ein entsprechender Antrag auf Fördergelder läuft bereits. Aber bei derartigen Projekten stößt der Verein nicht nur finanziell, sondern auch personell an seine Grenzen. Wie gesagt: Neben der Vereinsarbeit ist jeder Künstler auch ein Einzelkämpfer.

Was sind weitere Hürden in der Vereinsarbeit?

Hürden würde ich es nicht nennen, aber wir haben uns Grenzen gesetzt. Unser Vereinsziel ist es, die Kunst in der Region zu fördern. Das schließt ein, dass wir im Grunde keine Mitglieder ablehnen, was wiederum Auswirkungen auf die Qualität im Verein haben könnte. So besteht unsere einzige Möglichkeit der Einflussnahme auf das Niveau einer Mitgliederausstellung über die Jurysitzung. Andererseits spiegelt sich diese große Offenheit des Vereins auch in der Vielfalt seiner Mitglieder wieder: Unser Spektrum reicht von der reinen Fotografie über Malerei in allen Stilrichtungen bis hin zur Bildhauerei. Und das ist gut so. Nicht umsonst heißt unser Jubiläumsmotto „Kunst vereint“.

Heute Vernissage

Am heutigen Donnerstag ist Vernissage zur Jahresausstellung des Kunstvereins, die gleichzeitig den Abschluss des Jubiläumsjahres bildet. Es werden Bilder, Skulpturen, Fotografien und Zeichnungen ausgestellt, die die Vielfalt und Bandbreite der Künstlerinnen und Künstler des Vereins aufzeigen. Die Vernissage findet um 19 Uhr in der Studiogalerie im Haus der Kultur in Waldkraiburg statt. Dabei wird auch das erstmals aufgelegte Künstlerbuch des Vereins vorgestellt. Die Ausstellung kann dann bis 7. Januar zu den Öffnungszeiten im Haus der Kultur in Waldkraiburg besichtigt werden.

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