Kamerkonzert

Wunderbar prägnant

von Redaktion

Töging – Das seit 2001 zusammenspielende Klaviertrio Würzburg gehört mit Sicherheit zur ersten Garnitur seiner Art in Europa: Das stellten die drei fabelhaften Musiker bei ihrem Gastspiel im Töginger Carl-Orff-Saal eindrucksvoll unter Beweis. Mit Schwester Katharina (Violine) und Peer-Christoph Pole (Violoncello) besaß der exzellente Pianistin Karla Maria Cording zwei Partner, die wunderbar prägnant phrasierten und über einen bis ins Piano höchst substanzreichen Streicherklang verfügten.

Auftakt: Mozarts letztes Klaviertrio

Schon an Wolfgang Amadeus Mozarts letztes Klaviertrio G-Dur, KV 564, ging das Trio mit musikantischer Spielfreude und einer erfrischenden Flexibilität heran. Artikulation und Phrasierung zeugten nicht nur von größter Sorgfalt, sondern auch von einer satzübergreifenden Disposition, die über das hervorragende Zusammenspiel hinaus den melodischen klanglichen Reiz des 1788 in Wien komponierten Trios sicherstellte. Der Mozart‘sche Erfindungsreichtum kam dabei voll zur Geltung. Wundervoll gespielt das heitere Eingangs-Allegro, das Andante mit seinen sechs Variationen über ein höchst lebenswertes volkstümliches Thema, wie das Finale mit seiner „Cosifantutte“-Reminiszerzer.

Im folgenden „Dumky-Trio“, op. 90, in dem Antonin Dvorak mit einer Folge von sechs „Dumkas“, also ukrainischen volksmusikalischen Motiven, quasi klassische Strukturen schuf, offenbarte dann das Trio seine ganz interpretatiorische Souveränität. Die drei Musiker boten hier ein wahrhaft rauschendes Klangfest voller Temperament, aber auch schwermütiger Melancholie. Kein Zweifel, hier haben sich mit den beiden Cording-Schwestern und Peer-Christoph Pule drei Interpreten gefunden, deren jeweils hohe solistische Qualität in ein wundervolles Zusammenspiel mündet. Traumhaft gespielt vor allem auch die Pianissimo-Passagen, bewegend die langsamen Sätze, atemberaubend die schnellen und nie ging dabei der Blick auf‘s Ganze verloren.

Abschluss: Smetanas

G-Moll-Trio

Zum Abschluss Bedrich Smetanas frühes, ungemein romantisch expressives G-Moll Trio, op.15, das in Erinnerung an seine vierjährig verstorbene kleine Tochter Bedrisca eindrucksvolle Kontraste zwischen starker, schmerzlich bewegter Leidenschaft und zarter, stiller Trauer beinhaltet. In tiefem musikalischen Verständnis vollzogen die drei Interpreten diese Trauer mit ausgeprägtem Gefühl nach. Der Lohn: Langer, tief empfundener Beifall des Publikums für das exzellente Trio aus Würzburg und als Zugabe ein langsamer Satz aus den vierten Klaviertrio von Fanny Mendelssohn-Hensel, einer vortrefflichen Klavierspielerin ihrer Zeit. Peter Vornehm

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