Gebremst im Stress

von Redaktion

Markus Maria Profitlich wird den Erwartungen des Publikums im Mühldorfer Haberkasten viel zu selten gerecht

Mühldorf – Was war das für ein Versprechen. Markus Maria Profitlich gastierte im Mühldorfer Haberkasten und widmete sich einem hochaktuellen Thema, das jeder kennt, an dem jeder leidet: Stress. Was hätte das für ein stressiger Abend für die Lachmuskeln und das Gehirn werden können. Hätte, hätte, Fahrradkette.

„Schwer im Stress“ so der Titel des Programms, mit dem Profitlich unterwegs ist. Wer einen gestressten Comedian erwartet hatte, der von der einen Ecke der Bühne zur anderen hetzt und hechelt, der wurde angenehm enttäuscht. Stattdessen stand da ein tiefenentspannter Vollblutkomiker vor den Besuchern im nicht ausverkauften Haberkasten, der durchaus routiniert und gekonnt über die Volks- und Zivilisationskrankheit Stress sinnierte, aber mehr auch nicht. Vielfach kam er – trotz gelungener Pointen – zu entspannt rüber, fehlte dem Programm der inhaltliche und dramaturgische Spannungsbogen, fehlte dem Künstler Drive und Elan und so reihten sich Geschichten, Witzchen und Gedanken aneinander, ohne recht zu zünden. Mit der Folge, dass der ein oder andere Besucher in der Pause bereits den Heimweg antrat.

Profitlich widmete sich in seinem Programm dem selbst gemachten Freizeitstress, in Form des Sports, der nur noch Selbstoptimierung ist, dem trödelnden Kind auf dem Weg zur Schule, der Handynutzung, dem Stress in der Beziehung und Partnerschaft oder auf der Last-Minute-Suche nach einem passenden Geschenk für den neunzigjährigen Onkel. Das ist witzig, das ist nett, das ist auch mit Pointen gespickt, aber doch nicht mehr. Symptomatisch die Nummer als Bauchredner, dessen Puppe eine Pantomime ist. Toller Einfall, dann aber doch sehr begrenzt und vorhersehbar.

Dabei hätte es Profitlich drauf. So ist sein Gespür für Timing und Zeit, für Gestik und Mimik und kleinste Details hervorragend. So zu Beginn des Abends, als er das Einkaufen mit einem normalen, lebendigen Kind und dann mit einem mit ritalin-normalisierten Kind vorlebt. Genial wie er zu dem Ritalin-Kind im Einkaufswagen wird, wie er mit kleinsten Nuancen ganze Gefühls- und Erlebniswelten ausdrücken und einen Spannungsbogen aufbaut, der unter die Haut geht. Doch das, war – leider, leider – viel zu selten.

Und so blieb ein Abend, der zwar nett war, aber doch enttäuschte. Ein Abend, an dem der Comedian seltsam gebremst wirkte. Ein Abend, der zwar einige Lacher brachte, der aber keinen bleibenden Satz hinterließ. Ein Abend, an dem die Besucher nicht unbedingt traurig waren, als er vorbei war.

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