Waldkraiburg – Das 65. Jahreskonzert der Orchestergemeinschaft Waldkraiburg war ein voller Erfolg. In den Reihen des Haus der Kultur saßen Liebhaber klassischer Musik in schicker Abendgarderobe und freuten sich über erstklassigen Hörgenuss dreier großartiger Werke aus drei Musikepochen. Lange und intensive Probenarbeit hatten sich offenbar ausgezahlt. Orchesterleiter Ferenc Szelim Bene präsentierte seine Orchestergemeinschaft und die Solistinnen in Bestform. Die ausgelassene Musizierfreude sprang rasch auf die zahlreichen Konzertbesucher über.
Erstes Werk im Programm des Jahreskonzerts war ein hinreißend schönes Konzert für Querflöte, zwei Violinen und Basso continuo in G-Dur des italienischen Barock-Komponisten Giovanni Battista Pergolesi. Das Werk in drei Sätzen besticht mit klangschönem Variationsreichtum. Beschwingt, in flotten Läufen, setzt sich das Flötenspiel in klaren Linien im Spiritoso über die Streicher hinweg. Im Adagio, in getragener Melancholie, berührt es den Hörer mit einem romantisch-verträumten Motiv im tiefsten Innern, um im Allegro spiritoso wieder Tempo aufzunehmen und an das Thema des ersten Satzes anzuknüpfen.
Weiter ging es mit einem Werk aus der Romantik des englischen Komponisten Gustav Holst. 1912 komponiert, entstand es aus Dankbarkeit für die Errichtung eines schalldichten Arbeitszimmers in der St. Paul’s School in London, an der er von 1905 bis 1934 als Musikdirektor wirkte. Daher stammt auch der Name: St. Paul’s Suite. Die Suite in vier Sätzen kam bei den Zuhörern bestens an.
Nach der Pause genossen die Konzertbesucher von einem höchst konzentrierten Orchester und zwei virtuosen Solistinnen das Konzert für Violine, Klavier und Orchester in d-Moll MWV O von Felix Mendelssohn-Bartholdy. Gerade einmal 14 Jahre alt war der hochbegabte Komponist, als er das Werk 1823 im häuslichen Rahmen vorstellte. Er selbst spielte Klavier, für seinen Violinen-Lehrer hatte er einen anspruchsvollen Violinen-Part geschrieben. Schwung und rhetorische Emphase sowie eine Dramatik fast schon Beethoven‘ schen Ausmaßes, kennzeichnen das Allegro.
Die beiden Solistinnen an Klavier (Eva Barbarino) und Violine (Beatrix Bene-Godany) meisterten die hohen technischen Anforderungen mit virtuoser Brillanz. Im folgenden lyrischen und langsamen Adagio versetzten sie die Zuhörer in schwelgerisches Staunen. Im fast schon übermütigen Allegro molto zeigt sich bereits die ausgeprägte kontrapunktische Kompositionsfertigkeit des jugendlichen Musikgenies. Unter dem hervorragenden Dirigat von Ferenc Szelim Bene, der seine Musiker sensibel führte, motivierte und zu einer glanzvollen Leistung antrieb, war Mendelssohns Werk ein wahrer Genuss. Auch weil die beiden Solistinnen stets im harmonischen Austausch zum immer aufmerksamen Orchester agierten.
Lautstarke Bravorufe und langer Applaus verlängerten den Musikgenuss um zwei fulminante Zugaben: „Ungarischer Tanz“ von Johannes Brahms und „Liebesfreud“ von Fritz Kreisler. Was für ein schönes Konzert, das die Vorfreude auf den nächsten Auftritt der Orchestergemeinschaft schon jetzt wachsen lässt.