Balkan-Beats und Bettelhut

von Redaktion

Fanfare Ciocarlia: Schnell und kurz

Mühldorf – Ein Wirbelsturm brauste am Freitag durch Mühldorf. Mit bis zu Tempo 200. Musik mit so vielen „beats per minute“ hat die rumänischen Blasmusiker von „Fanfare Ciocarlia“ vor mehr als 20 Jahren salonfähig gemacht. Mit entsprechender Schlagzahl schlug dieser Hurricane vom Balkan auch im Haberkasten ein.

Die zwölf Herren in Schwarz haben ihren Ursprung in einem Roma-Dorf namens Zece Prajini im Nordosten Rumäniens. Von dort aus eroberten sie mit ihren wahnsinnig schnellen Beats, gemischt mit Folklore und Musik der Roma, die Bühnen der Welt.

Mit ihrer Geschwindigkeit, komplexen Rhythmen, ihrer Dynamik und temporeichen Soli brauchten sie nicht lange, um den Saal zum Kochen zu bringen. Schon bei den ersten Songs zeigen die Jungs, was man tief im Osten unter Tanzmusik versteht. Speed-Humpa vom Feinsten. Erfrischend, einer Band zuzuhören, die so viel Sinn für Esprit und kontrolliertes Chaos hat und dabei ihre Instrumente auch noch perfekt beherrscht.

Die Band hat sich mit ihrem Spielwitz internationale Anerkennung erarbeitet. Auch deswegen, weil sie es scheinbar mühelos schafft, traditionelle Roma-Musik authentisch im gezügelten Polka-Tempo auf die Bühne zu bringen. Auf der anderen Seite schreckt sie auch nicht davor zurück, ihre Stücke mit lateinamerikanischen Elementen zu kombinieren, plötzlich klingt es nach Charleston, dann wieder extrem nach New-Orleans-Dixie.

Die Ciocarlia-Version von „Summertime“, die rumänische Interpretation des James-Bond-Themas und letztlich auch „Born To Be Wild“ für alle zum Mitgrölen sorgen für Abwechslung an diesem quirligen Abend, an dem sich Stücke aus dem jüngsten Album „Onwards to Mars!“ aneinanderreihen, aber auch Klassiker wie „Iag Bari“ nicht fehlen dürfen.

Den Musikern mit ihren beiden Sängern Costica „Cimai“ Trifan und Radulescu Lazar kauft man die Spielfreude ab. Nur mit der Kondition ist es bei diesen wahnsinnigen Geschwindigkeiten offenbar nicht zum Besten bestellt. Denn nach knapp 80 Minuten ist der Wirbelsturm auch schon wieder vorüber. Für ihre Zugaben verlassen die Musiker dann immerhin die Bühne, suchen das Bad in der Menge.

Nicht ganz uneigennützig: Bei knapp über 20 Euro Eintritt, die sich der Besucher aus den Rippen leiern musste, ging dann auch noch der Sammelhut durch das Publikum. Ein seltsames Schauspiel, das nicht bei jedem Zuhörer gut ankam und mit dem sich die Top-Musiker auf Straßenmusiker-Niveau degradiert haben. Und so bleibt das Fazit nach diesem Balkan-Brass-Gewitter: Ein durchweg gelungener Abend mit einer außergewöhnlichen Band, doch leider viel zu kurz und für die Kürze eines Konzertes in der Provinz schlichtweg zu teuer.

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