Mühldorf – So schön, so rein: Wundervollen Chorgesang präsentierten das Vokalensemble „Cantabile Regensburg“ und Elisabeth Überacker, Violine, den Zuhörern in der Pfarrkirche St. Nikolaus in Mühldorf. Unter der Leitung von Matthias Beckert standen Chorwerke des 19. und 20. Jahrhunderts auf dem Programm.
Mit dem Eröffnungschoral „Selig seid ihr“ des Allgäuer Komponisten Wolfram Buchberger (*1962) stimmte der Chor wohl artikuliert und mit ausgewogenen Stimm-Registern den Abend andächtig an. Seine gesangliche Qualität stellte er – sehr zur Freude des Publikums – auch bei dem bekannten Lied „Aber heidschi bumbeidschi“ unter Beweis.
Weiterer Glanzpunkt waren Hans Koesslers (1853 bis 1926) romantisch-poetische Stücke „Wanderers Nachtlied“ und „Hymne an die Nacht“. Getragen durch die gute Akustik der Kirche war dies für viele Zuhörer wohl der schönste Teil des Abends.
Gesanglicher Höhepunkt des Konzertes war allerdings die „Tombeau de Josquin Deprez“ von Wolfram Buchberger – eine Hommage an den bedeutenden französischen Komponisten der Frührenaissance. Das 16-stimmige Werk mit seinen wechselnden Passagen ist erfüllt von einer Vielfalt von Klangregistern, Sprechgesang, ungewohnten Harmoniewechseln und angenehmen Dissonanzen. Ein Stück, das in seinen volltönenden Passagen vom Pianissimo bis ins kräftige Forte fasziniert – feinfühlig interpretiert und dirigiert von Matthias Beckert.
„Die haben so herrlich gesungen, ich hatte zeitweise Tränen in den Augen.“
Fazit eines Besuchers
Buchenbergs achtstimmiges „Splendor paterne glorie“ hatte der Chor spürbar verinnerlicht und wurde von Elisabeth Überacker mit blühendem Violinton kunstvoll umspielt. Virtuosität und Spielfreude versprühte die junge Künstlerin auch in Giselhers (1925 bis 2009) Capriccio „Vor dem Gewitter“ für Violinsolo. Dabei kamen die vielfältigen atmospährischen Naturstimmungen ausdrucksstark zur Geltung.
Klar und feierlich wie aus einem Mund sang der Chor anschließend das „Finnische Bußlied“ von Zsoltan Gardonyi (1906 bis 1986). Mit „Der Mond ist aufgegangen“ im Satz von Zsolt Gardonyi (*1946) endete in transparenter Vielstimmigkeit das großartige Konzert. Nach dem letzten Ton verharrte das Publikum einige Augenblicke in andächtiger Stille und spendete lang anhaltenden Applaus. Der Chor bedankte sich mit Mendelssohn-Bartholdys „Denn er hat seinen Engeln befohlen“ und dem „Abendlied“ von Rheinberger als Zugaben.