Mühldorf – In einem bunten Flöten-Potpourri aller Musikrichtungen rauschte am Donnerstagabend „Wildes Holz“ durch den voll besetzten Haberkasten. Es wäre allerdings unfair, das nur Diplom-Jazz-Blockflötisten Tobis Reisige zuzuschreiben – die Gitarre von Anto Karaula und der Kontrabass von Markus Conrads sowie seine massive Mandoline hatten mindestens genau so viel Anteil am lustigen, fetzigen, rotzigen Sound des Trios.
Die Besucher ließen sich davon gern in vorweihnachtliche Stimmung versetzen, auf ganz andere Art. Neben dem Rätselraten im Publikum, welches Stück gerade durch den Holzwolf gedreht wurde, verbreitete das Trio vor allem eine große Portion Spielfreude an ihren Instrumenten.
Ja, ein wenig anarchisch kommen „Wildes Holz“ schon daher, die Arrangements schrauben sich häufig aus dem braven Original in eine rockige, jazzige, folkige Richtung hoch und mutieren plötzlich zu ganz anderen Stücken. Alles irgendwie passend, übereinander gestrickt, ineinander verwoben, hin und wieder aber ein wenig hektisch. Nichtsdestotrotz begeisterte und überraschte „Wildes Holz“ mit ihren Interpretationen bekannter Melodien.
Musikalisch großartig sind die drei Musiker allemal. Anto Karaula entlockt seiner Gitarre sowohl in klassischen Stücken als auch in den Grunge-, Rock- und Popversionen bekannter Songs satte Akkorde, zupft sich durch sonnigen Reggae oder erzeugt den Beat zu den Melodien, denn ein Schlagzeug gehört nicht zur Band. Er und Markus Conrads, der seinen Bass nicht nur streichelt, sondern auch reißt und schlägt und überhaupt eher auf einer Metal-Bühne zu stehen scheint, erzeugen die beiden die mitreißenden Rhythmen ihrer Stücke, die so ganz gut ohne Percussion auskommen. Flötist Tobias Reisige beherrscht sein Instrument wie kaum ein anderer. Nicht nur glasklar und voluminös können seine Flöten klingen, sondern auch rauchig und rau, sie können zischen, zwitschern oder schnarren. Ein ganzes Arsenal an Stimmungen und Atmosphäre erzeugt der brillante Musiker damit.
Und das muss er auch – die Bandbreite der Stücke reicht von klassischen Weihnachtsliedern wie „Ihr Kinderlein kommet“, natürlich entstellt und bis zur Wiedergeburt als „Hirten in the sun“ persifliert, über „Gloria in excelsis deo“ in einer Bearbeitung für Countrybands und Holzinstrumente, und klassischen Werken von Mozart und Bach bis hin zu Tarkans „Sikidim“ oder Marleys „No woman no cry“. Immer in variantenreichen Arrangements, die sich drehen und wenden, damit der Ratespaß während des Konzerts nicht abhanden kommt.
Natürlich persiflieren die Drei auch moderne Weihnachtsklassiker wie „Last Christmas“ oder „Jingle Bells“ und Popkulturgut wie Star Wars – was wie ein Kleinjungenstreich großartig daher kommt, wenn die fluoreszierenden Blockflötenschwerter auf der Bühne geschwungen werden, Tobias Reisige den entsprechenden Sound aus seiner Flöte lockt und anschließend Darth Vader herausröchelt. Kein Wunder, dass die „Queenz of Piano“ ein paar Wochen zuvor in Waldkraiburg ihre Kollegen als einzige Art und Weise empfohlen haben, wie eine Blockflöte sich ertragen ließe.
Dass die drei mit großem Spaß und routiniert auf der Bühne stehen, macht dem Publikum richtig Freude. Das kam dann doch noch in den Genuss von ein wenig besinnlicheren Weihnachtsliedern und von beeindruckenden Performances – zum Beispiel, wenn Tobias Reisige mit Live-Aufnahmen in Loops alleine ein ganzes Flötenquartett ersetzt. „Dafür muss man sehr lange üben!“ Dass sie musikalisch brillant sind, daran hat aber ohnehin niemand mehr einen Zweifel.