Allerfeinstes Saitenspiel

von Redaktion

Von Oldtime-Sound bis zum Bluegrass der Zukunft: Das neunte Bluegrass Jamboree im Haus der Kultur

Waldkraiburg – Wenn sich das Jahr dem Ende zuneigt, schlagen die Herzen der Bluegrass-Fans ein wenig höher. Es ist die Zeit, in der die Karawane des Bluegrass Jamboree durch Deutschland zieht. Bereits zum neunten Mal lassen Gitarre, Banjo und Co. die Saiten schwingen und füllen die Konzertsäle der Republik. Exzellent ausgewählte Bands, präsentiert von Impresario Rainer Zellner und Veranstalter Hansjoerg Malonek, erfreuten am Mittwoch auch das Publikum im prallvollen Kleinen Saal im Haus der Kultur in Waldkraiburg.

„Lula Wiles“, drei junge Frauen aus Boston, eröffneten – nach dem wunderbaren Vorspiel im Bistro (siehe Infokasten) – das Jamboree. Isa Burke, Gitarre und Fiddle, Ellie Buckland, Gitarre und Fiddle, sowie Mali Obomsawin am Bass gründeten 2013 das Trio, das heute zu den Trendsettern der neuen Roots Musik gehört. Fernab des Mainstreams der üblichen Folk- und Countrymusic präsentierte das Dreigestirn seinen eigenen Sound, geprägt von einer klangvollen Gesangsharmonie. 2016 veröffentlichten „Lula Wiles“ ihr gleichnamiges Debütalbum, ausschließlich mit Titeln aus eigener Feder. Mit Songs wie „One More Night“ oder „Good to You“ hinterließen die drei einen bleibenden Eindruck. Eine Anleihe in der Countrymusic nahmen sie mit dem Hazel Dickens- Titel „Just a Few Memories“. Drei junge Frauen, die in der überwiegend von Männern geprägten Roots-Szene ihren Weg gehen, gaben eine ausgezeichnete Visitenkarte ab.

Im zweiten Teil des Abends traf das Publikum auf alte Bekannte aus Toronto: Fiddler John Showman, Banjospieler Chris Coole und Bassist Max Heineman waren mit den Foggy Hogtown Boys schon 2013 beim Jamboree zu Gast. Als „Lonesome Ace Stringband“ verschreiben sich die drei Kanadier dem Oldtime, einem kraftvollen, akustischen Vorläufer des Bluegrass. Mit „Old Time“ und „Gone For Evermore“ hat die Band bislang zwei starke Alben auf den Markt gebracht. Bei „Hold On“ durften auch die Fans lautstark den Refrain mitsingen. Angetrieben von Showmans meisterlichem Fiddlespiel steigerte sich das Trio von Song zu Song – und man hätte gern noch viel mehr von dem guten Oldtime-Sound gehört. Vielleicht kann man sich ja in absehbarer Zeit zu einer Solotournee mit einem Stopp in Waldkraiburg entschließen.

Nach der obligatorischen Umbaupause betraten mit „The Lonely Heartstring Band“ fünf Musiker aus Boston die Bühne. In klassischer Bluegrass-Besetzung mit Gitarre, Mandoline, Banjo, Kontrabass und Fiddle zeigt dieses Quintett, wie Bluegrass in Zukunft klingen kann. Die Zwillinge George an der Gitarre und Charles Clements am Bass, Matt Witler, Mandoline, Patrick M’Gonigle, Fiddle, und Gabe Hirshfeld mit dem Banjo begannen als Coverband, die unter anderem Beatles-Titel im Bluegrass-Style spielten. Bereits drei Jahre nach ihrer Gründung erhielten die „Heartstrings“ 2015 den Momentum Award der IBMA, 2016 erschien ihr erstes Album „Deep Waters“.

Kostproben aus dieser CD wie „The Road’s Salvation“, „The Tide“ oder das Paul Simon Cover „Graceland“ zeigten das enorme Potenzial der Band. Prägend ist die Leadstimme von George Clements und das filigrane Banjospiel von Gabe Hirshfeld, das irgendwo zwischen Earl Scruggs und eigener Fingerfertigkeit einzuordnen ist. Die „Heartstrings“ haben den Spagat zwischen klassischem und zukunftsorientiertem Bluegrass geschafft.

Wie immer beim Jamboree versammelten sich alle Musiker, einschließlich Rainer Zellner mit seiner Mandoline und „Grasset4“, gemeinsam auf der Bühne, um das Festival abzuschließen. Stehende Ovationen verabschiedeten die Künstler – und die zahlreichen Fans freuen sich schon auf die Jubiläumstour im nächsten Jahr.

Heimspiel für „Grasset4“

Ein kleines Bonbon gab es schon vor der Show. Die Band „Grasset4“ aus Burgkirchen geleitete mit einem halbstündigen Auftritt im Bistro des Hauses die Fans in den langen Abend. Kaum zu glauben, dass sich dieses Quartett um Banjospielerin Adiaha Bürkmiller erst im letzten Jahr formiert hat. Gitarrist Otti Wochinger, Annette Weiß an der Fiddle und Christian Auer am Bass klingen so professionell, man könnte meinen, sie spielen jahrelang zusammen. Folk, Country, Rock & More ist der Leitspruch der Gruppe, welchen sie perfekt in Szene setzten. Ein Sahnestückchen gab es zum Schluss, eine A-cappella-Version von „Down to the River to Pray“ ließ bei so manchem einen kalten Schauer über den Rücken laufen.

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