Körperbeherrschung, Disziplin, Anmut

von Redaktion

Ein Fest für Ballettfans: Das Moldawische Nationalballett zeigte „Dornröschen“ im Haus der Kultur

Waldkraiburg – Was Balletttänzer leisten, ist meist nicht auf den ersten Blick ersichtlich. Es wirkt leicht und anmutig, wie ein Flügelschlag in Tüll. Dabei gehört die klassische Tanzform zu den anspruchsvollsten und das am vergangenen Donnerstag in Waldkraiburg aufgeführte „Dornröschen“ wiederum zu den am schwierigsten zu tanzenden Stücken, die es gibt. Einige Elemente der Choreografie werden aufgrund ihres Anspruchs gern in Wettbewerben verlangt. Die grandiose Musik zu dem Märchenstoff stammt von Pjotr Tschaikowsky.

1696 tauchte die Geschichte des Dornröschen bei Charles Perrault auf. Obwohl es sie vorher schon gegeben hat, hielt sie in dieser Version Einzug in viele weitere Sammlungen, auch die der Gebrüder Grimm. 1890 wurde das Ballett mit der Musik von Tschaikowsky und der auch hier verwendeten Choreografie von Marius Petipa in Sankt Petersburg uraufgeführt. Für Ensembles, die sich wie das Moldawische Nationalballett einem klassischen Repertoire widmen, gehört „Dornröschen“ unbedingt dazu.

Mit Orchester machte das Ballett Station im fast ausverkauften großen Saal. Einige junge Zuschauer waren auch dabei und verfolgten begeistert das Geschehen. Trotz der fehlenden Sprache führten die Tänzer über Ausdruck und Mimik gut durch die Geschichte. Die reichen Kostüme und die ausdrucksstarke Musik taten ihr Übriges, um Tragik und Bosheit oder Freude und Liebe zu transportieren. So konnten sogar die Kinder, die die Geschichte natürlich kannten, gut verstehen, was gerade passierte.

Beim Geburtsfest für seine Tochter Aurora lädt der König die Fee Carabosse nicht ein, die sich mit einem bösen Fluch zu rächen versucht. Das Mädchen soll sich eines Tages an einer Nadel stechen und daran sterben. Glücklicherweise kann die Fliederfee den tödlichen Fluch in einen tiefen Schlaf verwandeln. An Auroras 16. Geburtstag überreicht die verkleidete Carabosse ihr einen Blumenstrauß, in dem eine vergiftete Nadel steckt. Das Mädchen sticht sich daran und fällt, zusammen mit dem ganzen Hof, in einen tiefen Schlaf. 100 Jahre später sorgt wiederum die Fliederfee dafür, dass der junge Prinz Désiré sich in Auroras Bildnis verliebt und sie erwecken kann. Zum großen Hochzeitsfest der beiden erscheinen alle Feen, aber auch andere Märchenwesen wie der gestiefelte Kater mit seinem Kätzchen und Rotkäppchen und der Wolf, was zum Schluss für Erheiterung sorgt.

Das klassische Bühnenbild gab den opulenten Kostümen einen passenden Rahmen, die zum Teil ein wenig mit Glitzer und Blumen überladen, aber schön der Epoche Perraults angepasst waren. Die Choreografie von Marius Petipa enthält einige sehr schwer zu tanzende Elemente, gerade für die Solistin, die das Dornröschen tanzt. Oleksandra Vorobiova meisterte die Herausforderung mit Bravour und begeisterte bis zum Schluss mit kraftvollen, anmutigen Bewegungen.

Dass andere, vielleicht noch unerfahrenere Tänzer, diese Perfektion nicht ganz erreichten und sich die eine oder andere Unsicherheit einschlich, trübte das Gesamtbild eines hochkarätigen Ballettabends nicht. Begeistern konnte auch der Tanz von Anastasia Homitcaia als Fliederfee und natürlich Viktor Tomashek als Prinz, der seine Sprünge mit großer Kraft und Eleganz auf die Bühne brachte. Die insgesamt hohe technische Präzision sowie synchrone und auf die Musik abgestimmte Bewegungsfolgen und die opulente Ausstattung machten „Dornröschen“ zu einem Fest für Ballettfans.

Wie war’s?

Annabelle Helfrich, Waldkraiburg: „Ich fand es ganz toll, sehr sehr gut. Die Geschichte kannte ich ja schon vorher, deshalb war es auch gut zu verstehen. Ich mache selbst seit einem Jahr Ballett und irgendwann will ich auch da oben stehen und so ein schönes Kostüm tragen.“

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