Mühldorf – Wer braucht drei Tage vor Weihnachten noch ein Programm mit Weihnachtsliedern? Hat man „Coming home for Christmas“ und „Walking in a winter wonderland“ nicht in den vergangenen Wochen mehr als genug gehört, im Radio, im Kaufhaus, auf dem Christkindlmarkt? Dennoch: Wer die Interpretationen der zumeist bekannten Songs von Sabina Hank am Donnerstagabend im Mühldorfer Haberkasten nicht gehört hat, der hat definitiv eine wunderbare Einstimmung auf das Weihnachtswochenende verpasst.
Sabina Hank outet sich gleich zu Beginn als „Weihnachts-Lieder-Junkie“. Ihr Programm „Blue Notes on Christmas“ lässt an der Wahrheit dieser Selbsteinschätzung keinen Zweifel. Während sie klar mit der Kommerz- und Kaufrauschseite des Festes fremdelt, geht es ihr um die Emotionen, die Weihnachten jedes Jahr aufs Neue auszulösen vermag: Das Gefühl von Geborgenheit, Wärme, Daheimsein. Am Piano fängt sie die Momente des Winter Blues ebenso ein, wie die fröhlichen Augenblicke unter’m Christbaum. Gemeinsam mit Christian Wendt am Bass und Christian Lettner an den Drums entstaubt Sabina Hank Weihnachtsklassiker und präsentiert sie in neuem Gewand, ganz ohne Kitsch und überzogener Sentimentalität – tausendmal gehört und doch so neu, jazzig und poppig. Für Sabina Hank ist der Jazz die Sprache, die diese Songs wirklich zum Klingen bringen kann.
Die Initialzündung für das Projekt war der Weihnachtsohrwurm einer ganzen Generation. Seit Jahren spaltet „Last Christmas“ die Hörer. Die einen lieben ihn, die anderen drehen bei den ersten Takten das Radio ab. Wer die Version von Sabina Hank hört, lernt ihn neu zu mögen. „Blue Notes on Christmas“ ist Sabina Hank’s „musikalisches Herzblutprojekt“, sagt sie. Mehr als zehn Jahre hat sie daran gearbeitet, arrangiert, geschrieben und gefeilt. Inspirieren ließ sie sich jedoch nicht nur von klassischen Weihnachtsliedern à la „Jingle Bells“.
Was ihr gefiel, und nicht bereits zum Christmas-Kanon gehörte, wurde von ihr aufgenommen. Den Pop-Hit „Happy“ von Pharell Williams würde man nun nicht zwangsläufig in einem Weihnachtsprogramm erwarten. Für Sabina Hank gehört dieses Gefühl von Glück, das in dem Song transportiert wird, aber untrennbar zum Weihnachtsfest mit dazu. So war dieses Lied am Donnerstag auch mit im Gepäck. Außerdem bedient sich Sabina Hank gezielt Stücken aus Film und Musical, wie „Wouldn’t it be loverly“ aus dem Musical „My Fair Lady“. Im (erweiterten) Alpenraum kommt keine Weihnachtsshow ohne dieses Lied aus: „Es wird scho glei dumpa“, für die gebürtige Österreicherin Hank sind auch Mundart-Lieder kein Problem.
Hank’s Arrangements lassen immer auch genügend Raum für Instrumental Parts, in denen sich gerade Christian Lettner und Christian Wendt richtig austoben können. Auf der Bühne erlebt das Publikum im Haberkasten drei Musiker, die sichtlich Freude haben an dem, was sie tun. Die Mischung aus Altbekanntem und Neuentdecktem steigert sich zu einem fulminanten Finale, in dem Sabina Hank und ihre zwei Begleiter den Schnee rieseln lassen – leise war das allerdings nicht.