Waldkraiburg – „Hear My Song“ ist eine musikalische Reise einer ungewöhnlichen Liebesgeschichte zweier Theaterleute, gespickt mit humorvollen Szenen und liebevollen Details. Das selbst geschriebene Stück ist mal poetisch, mal komisch und in Zeiten von 3D-Kino und Animationen herrlich analog, greifbar und wunderschön langsam.
Das Bühnenbild ist wie aus einem Bilderbuch: Ein putziger Wohnwagen rechts auf der Bühne, ein Theater links, in der Mitte ein Koffer, und dazwischen hantieren die Künstler mit ganz unterschiedlichen Puppen – lebensgroße, kleine Marionetten, Hand- und Gliederpuppen. Virginia und Stefan P. Maatz führen die Figuren und treten zeitgleich selbst als Schauspieler auf. Natürlich gibt es auch zwei kleine Handpuppen, die die Künstler selbst abbilden und zu Selbstgesprächen einladen.
Es geht um eine Liebesgeschichte: Die Straßenkünstlerin Vianne und der zutiefst betrübte Marc begegnen sich vor Viannes Theater. Marc erzählt seine Geschichte: Davon, wie er an einer Castingshow scheiterte und wie er von seiner Freundin verlassen wurde. Die beiden beschließen fortan gemeinsam ihren künstlerischen Weg zu gehen. Trotzdem wird es keine glatt gebügelte Romanze. Irgendwann verlässt Vianne Marc, doch da sie lieber gemeinsam als einsam durchs Leben gehen wollen, finden sie am Ende wieder zusammen.
Das Stück ist wie ein Kessel Buntes und verliert sich nicht in Gefühlsduselei. So wird unter anderem eine Casting-Show aufs Korn genommen. Es ist erstaunlich, wie tragisch-komisch Virginia und Stefan P. Maatz eine Hundepuppe wirken lassen können, die sich als Elvis-Imitator oder an Helge Schneiders „Katzenklo“ versucht. Auch der Zauberkünstler und Dompteur, dessen Löwe einfach nicht durch den Ring springen will, ist einfach nur liebenswert in seinem Scheitern.
Dabei sprüht das Stück vor entzückenden Ideen. Jede neue Szene birgt eine kleine Überraschung, wobei Musik, Licht, die Stimmen der Erzähler und das bunte Ensemble an Figuren ein atmosphärisches Wechselbad erzeugen, was „Hear My Song“ insgesamt sehr kurzweilig macht.
Aber eigentlich geht es ja dann doch um große Gefühle, um Liebe und Herzschmerz. In einer losen Folge werden bekannte Songs eingespielt: Je schnulziger, um so komischer wirken die überzogenen Szenen, die oft überraschend enden. Dabei schafft Con Cuore gekonnt den schmalen Grat zwischen Klamauk und Komik, selbst wenn sie als Biene und Blume flirten oder zu „The Power of Love“ eine Puppenfrau, ein blonder Engel, eine männliche Puppe aufschlitzt und – nun ja – ausweidet.
Das Ende ist aber ein swingender und fröhlicher Abschluss. Zum Glück legen sich die beiden Künstler bis zum Schluss nicht fest, ob ihr „Hear My Song“ traurig, poetisch, anrührend oder doch nur lustig sein soll. Und so zeigt es eine Bandbreite dessen, was in der Welt der Figuren machbar ist.