Aktuelles Interview: Christian Schratt

2000 von 32 Millionen

von Redaktion

Zehn Tage dauerte die Konzerttournee des Hang-Spielers Christian Schratt in China. Nun stellt der Mühldorfer einen rund 40-minütigen Dokumentarfilm über seine musikalische Reise vor. Premiere ist am Sonntag, 14. Januar, um 19 Uhr im Kino Mühldorf.

„Der Film hat auch ein paar Überraschungen parat“, verspricht Christian Schratt – unter anderem „Schildkrötenyoga“ mit Bauch- und Rücken-Hang.Foto Schratt

Christian Schratt als Filmemacher: Haben Sie Ihr Hang gegen die Kamera getauscht?

Ja und nein. Tatsächlich habe ich gerade richtig Spaß am Filmemachen und mich in den letzten Jahren auch wirklich sehr intensiv damit beschäftigt. Aber natürlich hat das eine mit dem anderen zu tun. Im Kern dreht sich dieser Film um meine Tournee durch China im März letzten Jahres. Auf dem Programm standen sieben Konzerte in elf Tagen. Doch schon bei der Planung der Reise stand für mich fest, dass ich dieses Projekt auch dokumentarisch festhalten wollte. Und zwar ganz allein: Ohne Kameramann, ohne Tontechniker.

Wie filmt man sich, während man gleichzeitig auf der Bühne Musik macht?

Das war tatsächlich nicht ganz leicht. Ich habe vor jedem Konzert im Saal drei Kameras aufgebaut und dann gehofft, dass die richtigen Personen im entscheidenden Moment die Aufnahme-Taste drücken und das Stativ ansonsten in Ruhe lassen. Angesichts der Sprachbarriere war die Einweisung der Helfer vor Ort mit die größte Herausforderung. Aber auch jetzt, beim Schnitt und der Nachbearbeitung des Materials in den letzten neun Monaten, war ich meistens auf mich gestellt. Lediglich beim Ton arbeite ich für die Nachbearbeitung mit dem Sound-Fux Studio in Altötting zusammen.

Es war nicht Ihre erste China-Tournee. Was war dieses Mal anders?

Die ersten beiden Tourneen vor sechs und vor vier Jahren haben wir im Duo gespielt, jetzt war ich das erste Mal solo unterwegs. Dazu kam eben, dass der Fokus nicht nur auf der Musik, sondern auch auf dem Film lag. Das war auch für mich eine neue Situation. Und so gesehen doppelter Stress.

Haben die Menschen in China einen besonderen Draht zu Ihrem Instrument und Ihrer Musik?

Es liegt wohl nicht an dem Instrument, die Ursprünge des Hang liegen ja in der Schweiz. Es liegt wohl eher an mir. Das Fremde, das Außergewöhnliche hat mich immer gereizt. Und China ist nun einmal so fremd und so außergewöhnlich wie es für einen Musiker aus Mühldorf nur sein kann. Dazu ein Riesenmarkt, der in der Theorie komplett abgeschnitten ist.

Wie steigert man seinen Bekanntheitsgrad in China derart, dass am Ende sogar eine Tournee daraus wird?

Ich habe vor Jahren Videos auf die chinesische Youtube-Seite eingepflegt – mit professioneller Hilfe, was Sprache und Schrift angeht. Irgendwann landete dann eine Anfrage in meinem E-Mail-Postfach, ob ich mir nicht eine Tournee vorstellen kann.

Wie ist die Tournee gelaufen?

Das Feedback der Besucher war sehr gut. Wenn mir die Menschen nach dem Konzert erzählen, wie sehr die Musik sie berührt hat, dann habe ich mein Ziel schon erreicht. Und das war in China erfreulicherweise oft der Fall. Häufig haben die Gespräche im Anschluss mit Fotos und Autogrammen länger gedauert als das 90-minütige Konzert zuvor. Die Besucherzahlen waren gut, ein Handpan-Konzert vor 2000 Menschen ist keine Selbstverständlichkeit. Andererseits: Was ist schon ein Konzert mit 2000 Besuchern in einer Stadt mit 32 Millionen Einwohnern? In China ist eben alles relativ, das Leben dort bewegt sich auf einer anderen Skala. Auch das vermittelt der Film, obwohl die Musik natürlich im Vordergrund steht.

Sind neben Mühldorf weitere Vorführungen geplant?

Ja, am 27. Januar in Wien. Es geht mir natürlich auch darum, meinen Bekannten und Freunden in Mühldorf und Wien zu zeigen, wie es in China war. Und gleichzeitig ein Feedback zu bekommen, um die Dokumentation später noch weiter zu entwickeln. Das Ziel ist, den Film bei mehreren Festivals einzureichen und schließlich in mehreren Sprachen im Internet zu veröffentlichen. Vielleicht ergibt sich daraus ja dann die nächste Tournee.

„Pay as you wish“

Die Dokumentation mit dem Titel „If Heaven Has Music, That Must Be It“ ist am Sonntag, 21. Januar, um 13.30 Uhr im Kino Mühldorf zu sehen - mit Live-Musik von Christian Schratt. Reservierungen sind nicht möglich. Was den Eintrittspreis betrifft, soll jeder Besucher selbst entscheiden, was ihm der Film wert ist. „Jeder soll sich einfach kurz Gedanken machen, wie viel Aufwand und Arbeit hinter einem solchen Produkt steckt“, sagt Christian Schratt, der den Kinobetreibern in Mühldorf zugleich für die Unterstützung dankt: „Schön, dass ich in meiner Heimatstadt die Chance bekomme, den Film zu zeigen. Das ist keine Selbstverständlichkeit.“

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