Töging – Aller guten Dinge sind drei: Nach zwei gefeierten Gastspielen lud die Ungarische Kammerphilharmonie am Dreikönigstag erneut zum Neujahrskonzert ins Kulturzentrum Kantine ein. Dabei bestätigte das Orchester einmal mehr seinen hervorragenden Ruf, den es sich seit der Gründung vor 19 Jahren durch Professor Antal Barnás erspielt hat.
Im Mittelpunkt standen schwungvolle Walzer-, Polka- und Marschmelodien aus der Zeit von Johann Strauß und Co. Dabei hatte Barnás, der selbst dirigierte, ein gut abgestimmtes Programm zusammengestellt. Mit leisen, bedächtigen Tönen eröffnete er mit der Ouvertüre von Cioachino Rossinis L´italiana in Algeri, die nach dem einfühlsamen Beginn zu einem lauten Klangausbruch führt. Das gelang dem 24-köpfigen Orchester hervorragend, das mit scheinbarer Leichtigkeit sehr präzise jeden Ton setzte.
Mit „Hereinspaziert“ aus der Operette „Der Schätzmeister“ von C.M. Ziehrer leitete Barnás gleich anschließend die Walzerseligkeit ein, bevor er schließlich mit „Plappermäulchen“, das aus der Feder von Johann Strauß´ Bruder Johann stammt, musikalisch in der Dynastie Strauß ankam. Mit viel Schwung und feurigen Rhythmen spielte das Orchester die sogenannte „Schwätzerinnen-Polka“, inklusive des humorvollen Solos der Oboe mit seinem abrupten Ende.
Mit etwas bedächtigeren und sehr weich gespielten Tönen landete das Programm mit der „Fata Morgana“ endlich bei Johann Strauß (Sohn) und gab dem Konzert im Tempo eine kleine Atempause. Aber nur ganz kurz, denn dann zog das Orchester mit der berühmten Champagner-Polka und dem Künstlerleben-Walzer – beides ebenfalls von Johann Strauß – so richtig kräftig und klangvoll im Tempo an.
Antal Barnás leitete in diesem ersten Teil des Konzertes sehr charmant und mit viel Humor zu den einzelnen Stücken über, indem er einige – zum Teil etwas zu ausgedehnte – Witze erzählte und sorgte somit gleich zu Beginn für eine heitere Grundstimmung im Publikum.
Nicht weniger humorvoll war Barnás auch im zweiten Teil, allerdings bezogen sich nun die Anekdoten mehr auf das künstlerische Leben. Musikalisch ging es schwungvoll weiter mit der berühmten Fledermaus-Quadrille. Auch beim „Prestissimo“ von Émile Waldteufel fiel es schwer, auf dem Stuhl sitzen zu bleiben – so sehr fetzte und galoppierte die Musik in der stimmigen Kammerorchester-Fassung durch den Saal.
Auch in der Königsklasse beim berühmten Donauwellen-Walzer von Isof Ivanovici, der natürlich nicht fehlen durfte, glänzte das Orchester mit perfekten Intonationen, präzisen Akzenten und einem warmen und weichen Klangvolumen. Und was wäre ein klassisches Neujahrskonzert ohne Radetzkymarsch von Johann Strauß (Vater) zum Grande Finale. Endlich konnte das Töginger Publikum von Herzen mitklatschen, dazu dirigierte Barnás die Zuschauer.
Für Überraschung sorgte der Dirigent dann bei den Zugaben. So schwungvoll und temporeich das Konzert bis jetzt gewesen war, waren es nun leisere und dezentere Töne, die im Vordergrund mit drei Solisten standen. Dazu spielten die beiden Geiger Ernö Balogh und Kálmán Dráfi als Duett ohne Orchester mit sehr viel Hingabe und Leidenschaft Händels Passacaglia.
Mit ähnlicher Hingabe schloss sich László Nyári mit seiner Geige und Orchesterbegleitung in einem Csárdás von Vittorio Monti an und setzte mit einem Wechsel aus leichten, langsamen und schnelleren Klängen einen stimmungsvollen Schlusspunkt dieses musikalischen Vormittags. Ein rundum gelungenes Konzert in der Kantine, welches würdig war, das neue Jahr in Töging zu begrüßen.