Mühldorf – Um es gleich vorwegzunehmen: Die Show fing gut an, hielt über zwei Stunden, was sie versprach, und am Ende gab es stehende Ovationen.
Zum Auftakt lieferten „Bliss“ eine auf Mühldorf zugeschnittene A-cappella-Version des Songs „New York“ von Alicia Keys, in der sie kurz und bündig alles über die Innstadt packten, was man als Besucher vermutlich so nach einem Tag Aufenthalt mitnimmt: Es hat ein Wasserschlössli, ist netter als „Waldkriburg“ und geplagt von einem Problem mit Parkgelegenheiten fürs Velo. Allein das Schwyzerdütsch war hinreißend.
Die fünf Sänger Matthias Arn, Tom Baumann, Lukas Hobi, Viktor Szlovak und Claudio Tolfo decken mit ihren Stimmen Beatboxen, Bass, Bariton, Tenor, Sopran bis hin zu Countertenor ein breites Spektrum an Stimmlagen ab. Hin und wieder wurden Rhythmen und auch eine Frauenstimme eingespielt, ansonsten wuppten die Schweizer Gäste ihre Show ausschließlich mit ihrem Gesang.
Zusätzlich lieferten sie eine Bühnen-Show, bei der Dramaturgie, Licht, Kostüme und Bühnenbild zu 100 Prozent durchchoreografiert sind. Nichts bleibt dem Zufall überlassen. Dafür waren nicht nur Licht- und Tontechniker mitangereist. Auch quer über den Bühnenboden waren Markierungen gesetzt, damit auch ja jeder weiß, wann er wo zu stehen hat. Schweizer Präzisionsarbeit.
Ihre aktuelle Show nennt sich „Mannschaft“. Inhaltlich geht es dabei um das Mann-Sein von heute und was ihn so antreibt. Aus der Schweiz gibt es dazu keine wirklich nennenswert neuen Erkenntnisse: Thematisiert werden Klassiker wie Fußball, Bier, Frauen, Sex, Furzen. Und der „Mann 5.0“ kann im Gegensatz zu seinen Vorgängermodellen immerhin schon ein wenig zuhören.
Neben den Songs stehen mehrere kabarettistische Einlagen auf dem Programm, die mal herrlich albern rüberkommen, mal ein wenig platt geraten. Ein Beispiel: Das Angebot an das weibliche Publikum, in der Pause den perfekten Mann zu erwerben, und im Gegenzug das eigene Modell zum Tausch dazulassen. Nun ja. Dass mancher Witz nicht wirklich taufrisch und vorhersehbar war, war aber bei der Gesang- und Tanzleistung zu verzeihen. Und die Lieder werden geschickt arrangiert: Sie setzen beim Covern zum einen auf bekannte Titel aus den Charts wie „Big Girl“ von Mika, „Mirrors“ von Justin Timberlake oder „Somebody that I used to know“ (Gotye feat. Kimbra). Dass sie mit ihrer Performance das Publikum auch mit weniger bekannten Titeln begeistern können, belegen sie mit „Madness“ von Muse – definitiv eines der musikalischen Highlights der Show.
Neben viel Pop gibt es auch ein Wiederhören mit „Veronika der Lenz ist da“. Natürlich fehlten auch „It’s raining man“ von den Weather Girls oder „Purple Rain“ (Prince) nicht. Geschickt eingestreut waren swingende Kompositionen auf Schwyzerdütsch wie „Taminomal“ oder auch eine herzige Ballade an den Vater „Wie du“.
Als Zugabe gab es ein Potpourri mit Klassikern von Madonna, Cindy Lauper, Cher und Britney Spears, in denen die fünf Männer als Sängerinnen brillierten. Zu guter Letzt sprang dann auch noch Tom Baumann als Abrissbirne „Wrecking-Ball“ (Miley Cyrus) auf die Bühne. Nicht nur dafür gab es am Ende stehenden Applaus.