Bad Aibling –Zum ersten Mal finden zur Zeit in Bad Aibling die „Max-Mannheimter Kulturtage“ statt. Es ist ein Gemeinschaftsprojekt der Volkshochschule der Stadtbücherei und des Kunstvereins Bad Aibling. Gezeigt werden dabei in der Galerie im Alten Feuerwehrgerätehaus auch Gemälde des jüdischen Kaufmanns, Schriftstellers und Malers Max Mannheimer (1920 bis 2016), der den Holocaust unter anderem im KZ-Außenlager im Mühldorfer Hart überlebte.
Betritt man den Ausstellungsraum des Kunstvereins Bad Aibling, stößt man gegenüber der Eingangstüre auf drei schwarzweiße Fotografien, die den nicht mehr jungen Maler Max Mannheimer konzentriert und ruhig bei seiner künstlerischen Tätigkeit zeigen. Um diese Haltung hat er nach den Kriegsjahren lange ringen müssen, da ihn die Dämonen seines Schicksals immer wieder einholten.
Friedliche Kindheit
in Mähren
In drei Abschnitte kann man Mannheimers Leben unterteilen: da war die friedliche Kindheit und Jugend in Mähren, ab 1938 die Verfolgung der Familie durch die Nationalsozialisten, dann die Deportation nach Auschwitz. Max Mannheimers Angehörige – seine Eltern, drei seiner Geschwister und seine Frau wurden im KZ ermordet. Obwohl Max Mannheimer noch in mehrere andere Konzentrationslager verschleppt wurde, überlebte er die ihm zugefügten Misshandlungen und die Zwangsarbeit. Nach dem Krieg – in seinem dritten Lebensabschnitt in München – kämpfte er darum, mit seiner Situation zurechtzukommen. Erst knappe zehn Jahre später (1954) begann er zu malen, und in dieser Tätigkeit fand er einen neuen Lebenssinn.
Er versuchte sich im Abzeichnen und Malen berühmter Werke und sammelte auf diese Weise erste Erfahrungen im Umgang mit Pinsel und Farbe. „Ganz ohne Anregung von außen hätte sich das Werk dieses kreativen Autodidakten sicher nicht so kraftvoll entwickeln können“ schreibt der Kunstkritiker Gottfried Knapp im Vorwort zu dem großformatigen Katalog mit Mannheimers Werken, der in der Galerie des alten Feuerwehrhauses aufliegt. Die Begegnung mit Arbeiten bekannter Künstler – Wassily Kandinsky ist nur einer von ihnen – brachte Mannheimer auf den Weg der abstrakten Malerei, in der explosive Farbkompositionen maßgeblich zur Gestaltung seiner Bilder beitrugen. Schließlich beschritt Mannheimer neue Wege, indem er Farben auf einen Maluntergrund goss und das Bild hin und her bewegte, sodass sich die Farben in unberechenbaren Mustern zusammenfügten. Gefiel ihm ein derartig erreichter Zustand, dann legte er die Leinwand zum Trocknen flach auf den Boden, um den Status festzuhalten. Diese Vorgehensweise nannte er „Farben vermählen“. Er erhöhte den Effekt, indem er dann die noch flüssigen Farben mit Pinseln oder Stäben spiralförmig auf dem Maluntergrund verteilte.
Freude am Experimentieren
Dass andere Künstler, zum Beispiel Jackson Pollock, gleiche Wege beschritten, wusste er lange Zeit nicht. Er hatte all diese Vorgehensweisen für sich entdeckt, aus sich heraus geschöpft. Es ging Mannheimer weniger um das Ergebnis des fertigen Bildes als um die Freude am Experimentieren und am Herausfinden neuer Techniken. Mit dieser intensiven Arbeit ließ er die Schrecken des Krieges langsam hinter sich.
Etwas mehr als zwanzig Exponate hat der Kunstverein Bad Aibling aus dem Karmelitenkloster unmittelbar am KZ Dachau entliehen. Es sind die unterschiedlichsten Werke, Arbeiten von großem Gestus. Zahlreiche in Gelb und kräftigem Grün gehaltene Bilder zeugen von der beschriebenen Technik des Gießens der Farbe. Aber auch mit dem Schwamm verteilte Mannheimer seine Malmittel auf dem Bildgrund und erzeugte auf diese Weise duftige, durchscheinende Partien in seinen Bildern. Die Spritzpistole gehörte zu seinen Werkzeugen, und als Collage hat er das Bild eines siebenarmigen Leuchters gefertigt.
Keines der farbigen Bilder zeugt von dem erlebten Grauen und der Verfolgung, alle assoziieren sie Lebensbejahung. Gerade auch die leuchtend roten Bilder besitzen eine faszinierende Strahlkraft. Erinnerungsarbeit leistet Mannheim mit seiner persönlichen Signatur, die man auf jedem Bild findet: „ben jacov“ – Sohn des Jakob – so unterschrieb er seine Bilder. Und dann gibt es da doch dieses eine Bild, das die erlittene Qual wieder aufleben lässt: Es ist ein Werk in Schwarzweiß, das durch Herabtropfen von schwarzer Farbe und dem Bewegen des Blattes schwarze und weiße Figuren gebildet hat. Gesichter und Augen kristallisieren sich bei näherem Betrachten heraus und dann nimmt man in der Bildmitte eine bis zum Skelett abgemagerte Gestalt wahr. Das Bild trägt den lapidaren Titel „Deja-vu“.
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Die Ausstellung im Kunstverein Bad Aibling ist bis zum 11. Februar jeweils Samstag und Sonntag von 14 bis 18 geöffnet.