Der mit der Gitarre tanzt

von Redaktion

Hervé Samb und Band afrikanisierten mit dem aktuellen Album „Teranga“ den Haberkasten

Mühldorf – Er kommt aus dem Senegal, ist blutjung, hochmusikalisch, hat „as gewisse Etwas und eine bemerkenswerte Bühnenpräsenz. Wer Hervé Samb einmal live erlebt hat, vergisst ihn nicht mehr. Seine Gitarre scheint wie ein angewachsenes Körperteil zu ihm zu gehören, das er liebt, pflegt und mit dem er zu den Menschen spricht. In einer Sprache, die jeder versteht.

„Dieses Album ist eine Tür“ – Eine Tür, die in beide Richtungen offen ist, zwischen der westlichen Welt und Afrika, und zwischen Tradition und Moderne.“Hervé Samb

Als Sideman ist der in Paris lebende Ausnahmegitarrist auf mehr als Hundert Alben vertreten, wobei drei unter seinem Namen veröffentlicht wurden. Mit seinem aktuellen Album „Teranga“ erkundet erseine senegalesischen Wurzeln, und lässt aus ihnen neue Triebe, bereichernde musikalische Einflüsse aus anderen Ländern und Musikgenres, erwachsen. Das Ergebnis ist ein mehr als gelungenes musikalisches Wunderwerk, an dem er, zusammen mit seiner kongenialen Band die Gäste im Mühldorfer Haberkasten teilhaben ließ.

Und das ganz im Sinne des Titels. „Teranga“ heißt nämlich aus seiner Landessprache übersetzt „Einladung“. Einladend und sensationell in ihrer offenen Art sind auch Sambs Begleitmusiker, jeder einzelne ein Virtuose, die ganz auf seiner Welle schwimmend, den Gesamtsound ausmachen. Alle stammen aus dem Senegal. Gleich zwei Percussionisten, Abdoulaye Lo am herkömmlichen Schlagwerk und Alioune Seck am Sabar, einem original senegalesischen Percussioninstrument, bestimmten mit ihren mitreißenden Rhythmen den Herzschlag der Zuhörer.

Pathe Jassi begleitete und zauberte an der Bassgitarre. Er war, wie Samb verriet, früher einer seiner Lehrer, heute, wie zu hören war, ein Gleichgesinnter auf Augenhöhe, auf den er am Instrument blind vertrauen kann. Last, not least verlieh die fast arabisch klingende und ebenso exotisch anmutende Stimme von Khady Mbaye dem Konzert prickelnde Extravaganz.

Gleich von der ersten Nummer an konnten die begeisterten Zuhörer sehen, wie nah die afrikanische Musik mit dem Tanz verwurzelt ist. Ähnlich wie die Musiker, die fortwährend zur eigenen Musik tanzten, konnten sich auch die Gäste kaum gegen die hypnotisierenden Rhythmen wehren. Viele versuchten es gar nicht erst und wippten, klatschten und stampften sofort mit. Auch der von der Band gespielte Jazzstandard „There will never be another you“ konnte – und wollte sich nicht gegen die „Afrikanisierung“ wehren. Die afrikanische Färbung stand der Nummer gut.

Zum anderen stehen wiederum den traditionell senegalesischen Eigenkompositionen Elemente unterschiedlichster Musikgenres, wie Jazz, Hip-Hop, westafrikanische und afro-brasilianische Rhythmen, sodass ein wohlklingender Crossover entsteht. Die Inspiration zur Komposition schöpft Samb oft aus der Liebe zu einer Person oder einem Ort, der ihn innerlich bewegt. „Dakar“, die Hauptstadt seines Landes, erfährt so in gleichnamigem Titel eine besondere musikalische Hingabe, eine für ihn passende Beschreibung der Seelenlandschaft dieser Stadt: Wild, rasend, dann wieder versöhnend getragen. In eine Nummer, die er als Widmung für einen verstorbenen Freund komponiert hatte, legte er sein ganzes Spektrum an Virtuosität hinein, überschritt fast die Grenze des Möglichen, des Spielbaren, brachte sein Plektron zum Glühen, bog sich förmlich um seine Gitarre, „tanzte“ mit ihr. Die wirbelnden Trommelrhythmen der Spitzendrummer brachten den Haberkasten zum vibrieren, der E-Bass erdete genial. Alles in allem brachte das rauschende Konzert ein Stück wildes und spannendes Afrika nach Mühldorf, erzählte von seiner Kultur, seiner Schönheit, seiner Tradition. Hervé Samb beschreibt das so: „Dieses Album ist eine Tür. Eine Tür, die in beide Richtungen offen ist, zwischen der westlichen Welt und Afrika, und zwischen Tradition und Moderne.“

Wie war’s?

Nach einem Riesenapplaus hörte man die Gäste schwärmen: Jutta Widmann aus Mühldorf, die in vollsten Zügen das Konzert mit ihrer Freundin genossen hatte, empfand die Trommelrhythmen als sehr aufregend. „Sie gehen mir in die Beine, machen meine Füße unruhig, wecken Tanzlust“, strahlte sie. Lisa aus Mühldorf trommelt selbst in einer Trommelgruppe und bekam die Karte für das Konzert von ihrer Tochter als Weihnachtsgeschenk. „Ein Erlebnis, Alioune Seck live trommeln zu sehen. Ich kannte ihn nur von YouTube“, schwärmte sie.

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