Der Herr der Ringe

von Redaktion

Bei Travestie-Trick-Oholiker Gaston sorgt sich das Publikum um Hab und Gut

Mühldorf – Neu war Gaston Florin die Bühne des Haberkastens nicht. Denn bereits bei Altingers Brettlboden im Oktober war der Zauber-Weltmeister aus Bruck bei Ebersberg mit dabei. Der Großteil der über 100 Gäste am Samstagabend sah jedoch den Zauberer zum ersten Mal. Und Gaston hatte in seiner rund zweieinhalbstündigen Show so einiges im Gepäck. Dass ein Zauberer dabei auch einmal die Ärmel hochkrempeln muss beziehungsweise kann, machte das Ganze umso unglaublicher.

Nicht nur mit seiner sozialkritischen Weltmeisterdarstellung des verarmten „Trick-Oholikers“ Gunther, mit der Gaston Florin 2006 ein Fachpublikum in Stockholm zu begeistern wusste, sondern auch mit einer Reihe weiterer magischer Momente gewann der Zauberer das Publikum für sich. So schlüpfte Florin in Ermangelung einer willigen Bühnengehilfin gleich selbst in seine Paraderolle der Jaqueline, die dann Ringe verkettete, zahllose Kartentricks zeigte, Tücher aus dem „Nix“ zauberte oder rote Bänder von Besuchern zerschneiden ließ, nur um sie danach wieder in voller Länge und unzertrennt hervorzuzaubern. Darüber hinaus schaffte es Gaston immer wieder, die Zuschauer zum Lachen zu bringen, indem er beispielsweise aus zufällig genannten Stichwörtern urkomische Geschichten formte – wie die des langsamen Koffers im Mühldorfer Rathaus.

Genauso fesselnd waren die Seiltricks vor dem Hintergrund belletristischer Ideen der Zuschauer, aus denen letztlich ein schaurig-lustiger Krimi-Western-Kästner-Woyzeck wurde. Zu jedem Zeitpunkt wusste der Künstler, das Publikum mit einzubinden: Besonders mit seinem Ringtrick, den er mit Schmuckstücken aus dem Publikum gleich noch einmal zeigte. Auch um zu beweisen, dass es sich nicht um Trickserei, sondern um echte Magie handelt. Doch nicht nur Ringträgerinnen mussten um ihr Hab und Gut bangen, das plötzlich im Schlüsselbund des Magiers auftauchte: Ein anderer Zuschauer musste zusehen, wie sein dem Künstler geliehenes schwarzes Sakko von mehreren glimmenden Zigaretten durchbohrt wurde. Doch auch wenn der fein gewebte Aushilfs-Aschenbecher auf der Bühne noch ordentlich rauchte, war danach kein einziges Brandloch daran zu finden. Dass ihm das Publikum im Haberkasten lieb und teuer ist, stellte Gaston dabei klar und somit ging der Abend für alle mit einem Aha-Effekt aus.

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