Waldkraiburg – Agatha Christies Kriminalgeschichten fesseln noch immer. Allen voran die schrullige Miss Marple, die mit ihrer außergewöhnlichen Kombinationsgabe den Kommissaren und ermittelnden Polizisten sowohl hilft als auch auf die Nerven geht. Wenn dieser Polizist in „Ein Mord wird angekündigt“ dann noch von Erol Sander gespielt wird, sorgt das für einen ausverkauften großen Saal im Haus der Kultur in Waldkraiburg.
Während mit dem Titel schon die halbe Geschichte erzählt ist, macht die Aufklärung größten Spaß. Im vornehmen Haus „Little Paddocks“ herrscht große Aufregung – in der Zeitung finden die Bewohner eine Anzeige, die für den kommenden Freitag, den 13., einen Mord in ihrer Mitte ankündigt. Anfangs hält man das ja noch für einen Scherz, ein „Mörderspiel“. Nur wird daraus bitterer Ernst, als der Mord tatsächlich genau zur angekündigten Zeit passiert. Nun geht es natürlich um die Frage, wer ihn begangen hat.
Inspektor Craddock – bei seinem ersten Auftritt geht ein Raunen durch das Publikum – und sein schweigsamer Assistent Berkley nehmen die Ermittlungen auf, bei denen sie von der scharfsinnigen Hobbydetektivin Miss Marple unterstützt werden. Mit der Auflösung des Falles sind dann noch einige familiäre Überraschungen und finanzielle Enthüllungen verbunden, deren Entdeckung nicht nur dem Publikum, sondern auch dem Schauspielerensemble sichtlich Spaß macht.
Das schön ausgestaltete Bühnenbild eines etwas biederen englischen Hauses schuf den passenden Rahmen für das Kammerspiel um die mörderischen Geschehnisse. Mit Soundeffekten im Filmstil der 50er-Jahre wurden die spannendsten Momente hervorgehoben. Die zum Teil überzeichneten Charaktere wie die ungarische Köchin Mitzi oder Detective Berkley sind eine wahre Freude, die schauspielerisch großes Können erfordern. Wirkt die eine oder andere Textzeile zu Anfang noch etwas gestelzt und auswendig gelernt, die Sprache ein wenig unstet modernisiert, spielt sich das nach einigen Szenen ein.
Die große Erfahrung von Erol Sander auf der Bühne und vor der Kamera zeigt sich in einem locker-draufgängerisch heruntergespielten Inspektor Craddock. Da er auch in Filmen und Serien häufig den Ermittler gibt, nimmt man ihm diesen Charakter auch auf der Bühne ganz natürlich ab. Christl Bergmeier kommt als Miss Marple herrlich englisch schrullig daher und löst mit dem Inspektor zusammen schließlich den Fall – natürlich.
Das mobile Tourneetheater „Kömödie Wasserburg“ unter Jörg Herwegh hat in dieser Form wieder bewiesen, dass es nicht nur Volkstheater, sondern auch gehobene, fein ironische Komödien großer Autoren mit Spielspaß und Professionalität auf die Bühne bringen kann. Er hat auch die deutsche Bühnenfassung für diese Inszenierung bearbeitet und Regie geführt. Ein großer Spaß mit einem spielfreudigen Erol Sander – für Krimiliebhaber und Miss-Marple-Fans.