Mitleiden mit der Mutter Jesu

von Redaktion

Der Altöttinger Bach-Chor führt am Passionssonntag in der Stiftskirche Joseph Haydns „Stabat mater“ auf

Altötting – In seinem „Führer durch den Konzertsaal“ (1887) befasst sich Hermann Kretzschmar ausführlich mit dem „Stabat mater“. Es gehört, schreibt er, „einer Seitenlinie der Hymnen an: dem wunderlichen Geschlecht der Sequenzen, welches von unscheinbarem Anfang (…) sich allmählich zu der ersten Macht in der christlichen Poesie des Mittelalters entwickelte“. Das Gedicht ist Kretzschmar zufolge „ein inbrünstiger Erguss des Mitleidens mit der unterm Kreuze stehenden Mutter Jesu“. Sein Verfasser – die Autorschaft ist ungeklärt – habe sich „tief und innig in die Seele der Maria hineingefühlt und diesen Empfindungen einen rührenden, kindlichen und naiven Ausdruck gegeben“.

Die Liste der Komponisten, die das fromme, im Deutschen unter der An-fangszeile „Christi Mutter stand mit Schmerzen“ bekannte Gedicht vertont haben, reicht von Josquin Desprez bis herauf zu Musikern der Gegenwart. Ziemlich genau in der Mitte findet sich Joseph Haydn, für dessen Fassung Kretzschmar allerdings wenig Begeisterung entwickeln kann. Haydn sei „aus dieser merkwürdigen Composition schwer heraus zu erkennen“, sein „Stabat mater“ wirke wie „eine Studie im italienischen Style“, in der „auch alle Untugenden des Vorbildes eifrig und blindlings nachgeschaffen wurden“.

Die Nachwelt hat sich diesem Urteil nicht angeschlossen, möglicherweise weil sie „im italienischen Style“, wie ihn Haydn adaptiert hatte, mehr Tugenden als Untugenden gesehen hat. Infolgedessen wurde Haydn, der bis dahin zwar über 40 Sinfonien und viele Instrumentalwerke komponiert hatte, aber nur eine Handvoll geistlicher Werke, nun auch als Kirchenkomponist bekannt.

Haydn hat sein „Stabat mater“ für vier Solisten, vierstimmigen Chor, zwei Oboen beziehungsweise Englischhörner, Streicher und Basso continuo konzipiert: Eine üppige Besetzung, vergleicht man sie mit anderen Vertonungen des 18. Jahrhunderts. Das Stück besticht durch eine erstaunliche Fülle an Klangwirkungen.

Vor zwei Jahren hatte der Altöttinger Bach-Chor das „Stabat Mater“ des bayerischen Kurfürsten Max III. Joseph im Programm, als zweites Werk wurde damals Joseph Haydns „Salve regina“ in g-Moll aufgeführt. Und aus diesen beiden Wurzeln nährt sich das Konzert am Passionssonntag, 18. März, in der Stiftspfarrkirche, wobei der Chor mit Haydns „Stabat mater“ natürlich auf einer anderen musikalischen Ebene agiert als mit Max III. Josephs Fassung. Mit dem Bach-Chor musiziert wieder das Ensemble Classical Barock, die Leitung hat Susanna Mette, als Solisten sind Rosemarie Kassis (Sopran), Verena Apfelböck (Alt), Franz Krähschütz (Tenor) und Christoph Joachimbauer (Bass) zu hören. Das Konzert beginnt um 17 Uhr.

Karten gibt es im Vorverkauf bei den Geschäftsstellen des Alt-Neuöttinger Anzeigers unter Telefon 08671/50670.

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