Mühldorf – Es war ein Musical mit viel frischer Landluft, einem Hauch Revue, ein bisschen Bauerntheater. Aber auch Kabarett mit dem ausgeprägten Drang, das Publikum einzubeziehen. Das alles brachten am Freitagabend die Kernölamazonen aus Wien auf die Bühne des Haberkastens. Hinter dem energischen Gesangsduo stehen Gudrun Nikodem-Eichenhardt, die gebürtig aus der Steiermark kommt, und Caroline Athanasiadis, Wienerin mit griechischen Wurzeln.
Der sicherlich nicht ernst gemeinte rote Faden durch ihr Programm Stadt/Land ist schnell erzählt: Eine leichtlebige Stadt-Tussi, gespielt von der quirligen und oft völlig überdrehten Caro, trifft auf die bodenständige Biobäuerin Gudrun. Die eine tritt auf in engen Leggins, bonbonfarbenem rosa Pulli und pink-rosa Handy, die andere im braven, adretten Dirndl, die Handtasche stets im Anschlag.
Was die beiden in der Geschichte sowie im wahren Leben verbindet, ist eine gemeinsame Ausbildung an einer Musicalschule. In ihrem Bühnenprogramm, in dem das Landei auf die „Stadtmaus“ trifft, können sie zunächst nicht viel miteinander anfangen: Seichte Geschichte? Ja, sehr. Aber um Inhalte geht es ihnen auch nicht, sondern augenscheinlich um den Spaß. Und so geht die Story vorhersehbar weiter. In der ersten Halbzeit touren die beiden Frauen etwas unfreiwillig mit dem Fiaker durch Wien, verpatzen einen Kirchenbesuch, drehen ein paar Runden durch den Park und landen später im Prater. Dabei toben sie singend und tanzend ihre Stadt-Land-Rivalitäten aus.
In der zweiten Halbzeit geht die Reise dann ab aufs Land in das Kuhkaff der Biobäuerin. Dort treffen sie auf Pfarrer, Bauer, Feuerwehrmänner und Viehzeug. Das Duo bedient sämtliche Klischees und überzeichnet diese dabei bis ins Absurde. Unterstützung kommt von Matthias Ellinger, der zahlreiche Nebenrollen besetzt: Vom Sklaven über den Feuerwehrmann, Hahn, Pfarrer bis zum Fiakerfahrer und Klavierspieler. Was eben gerade gebraucht wird.
In der zweiten Halbzeit war zudem das Publikum gefragt. Es durfte als Kirchenchor mehrsprachig „Bruder Jakob“ singen, was es beherzt tat, und als Dorfgäste hektisch gestikulierend mit der Biobäuerin Gudrun mitrackern.
Die Performance war oft schrill, der Humor der beiden gerne frivol und sehr bodenständig. So lebt die Show vor allem vom Charme und der Energie der beiden. Davon besitzen Gudrun Nikodem-Eichenhardt und Caroline Athanasiadis im Übermaß, etwa wenn sie im Vollrausch fensterln und tanzen. Auch ihr Wiener Schmäh trägt einiges dazu bei, dass sie die Sympathien der Zuschauer gewinnen. Die honorierten nach drei Stunden vor allem die Parodie der beiden auf den Titel „Sex-Bomb“ mit viel Applaus.